„45 Jahre gearbeitet – und trotzdem reicht es nicht“: Neue Rentenzahlen werfen Fragen auf

Veröffentlichung: 14.07.2025, 13:07 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Über ein Viertel der Menschen mit 45 Versicherungsjahren erhält unter 1.300 Euro Rente im Monat. Was das über die Wirksamkeit des Rentensystems aussagt – und warum Beitragsjahre nicht immer volle Sicherheit bieten.

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Über ein Viertel der Menschen mit 45 Versicherungsjahren erhält unter 1.300 Euro Rente im Monat.Über ein Viertel der Menschen mit 45 Versicherungsjahren erhält unter 1.300 Euro Rente im Monat.DALL-E

Trotz einer Lebensarbeitszeit von 45 Jahren müssen viele Rentnerinnen und Rentner mit deutlich weniger als 1.300 Euro im Monat auskommen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Bundesarbeitsministeriums, die auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Dietmar Bartsch (Die Linke) zurückgeht.

Demnach beziehen mehr als 5,5 Millionen Ruheständler*innen mit mindestens 45 Versicherungsjahren im Schnitt 1.668 Euro monatlich aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Dabei sind die regionalen Unterschiede erheblich: In Westdeutschland liegt der Schnitt bei 1.729 Euro, in Ostdeutschland bei 1.527 Euro. Spitzenreiter ist Hamburg mit 1.787 Euro, Schlusslicht Thüringen mit 1.491 Euro.
Ein Blick auf die Geschlechter zeigt ein vertrautes Bild: Männer mit 45 Versicherungsjahren erhalten durchschnittlich 1.778 Euro Rente, Frauen dagegen nur 1.449 Euro – ein deutlicher Hinweis auf die weiterhin bestehende Rentenlücke zwischen den Geschlechtern.

Linken-Politiker Bartsch spricht von einem „Armutszeugnis für die Politik“ und einer „offensichtlich verkehrten Rentenpolitik“. Bereits in der Vergangenheit war mehrfach auf ähnliche Probleme hingewiesen worden: So zeigen frühere Analysen etwa, dass viele Frauen trotz Vollzeittätigkeit auf Mini-Renten angewiesen sind oder dass über ein Drittel der Rentner unter 1.000 Euro beziehen.
Das Ministerium verteidigt sich: Die 45 Jahre umfassen auch beitragsfreie Zeiten wie Schulbesuche, Studium oder Phasen ohne ALG-Bezug. Auch Teilzeitarbeit kann trotz hoher Versicherungsdauer zu niedrigen Renten führen. Zudem sei das gesamte Haushaltseinkommen entscheidend – eine niedrige Rente bedeute nicht zwangsläufig Altersarmut.

Dennoch werfen die Zahlen Fragen auf: Wie effektiv ist ein Rentensystem, das selbst nach jahrzehntelanger Versicherungsdauer kein auskömmliches Alterseinkommen garantiert? Und wie viele Versicherte überschätzen möglicherweise ihren finanziellen Schutz im Alter?

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