Beschäftigungsbarometer signalisiert weiter StellenabbauUnternehmen in Deutschland: Beschäftigungsabbau setzt sich fort – Unsicherheit erreicht Höchststand

Veröffentlichung: 29.04.2025, 11:04 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Trotz eines leichten Anstiegs des ifo-Beschäftigungsbarometers im April auf 93,9 Punkte (nach 92,8 im März) bleibt die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt angespannt. Laut dem Leiter der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe, ist es „noch zu früh, um von einer Trendwende zu sprechen“. Der Stellenabbau hält insbesondere in der Industrie an, auch wenn der Beschäftigungsindikator dort leicht gestiegen ist. Keine Industriebranche plant aktuell einen Aufbau von Arbeitsplätzen.

(PDF)
AdobeAdobe

Bei den Dienstleistern halten sich positive und negative Antworten im April die Waage; besonders IT-Dienstleister suchen weiterhin neue Mitarbeiter. Im Handel und Baugewerbe zeigt sich hingegen trotz leichter Verbesserungen beim Barometer weiterhin eine Tendenz zum Personalabbau.

Unsicherheit nimmt drastisch zu

Eine zentrale neue Erkenntnis ist der signifikante Anstieg der wirtschaftlichen Unsicherheit unter deutschen Unternehmen. Laut ifo-Umfrage gaben im April 28,3 % der Firmen an, ihre Geschäftsentwicklung schwer prognostizieren zu können – ein deutlicher Anstieg gegenüber 24,8 % im März und der höchste Wert seit November 2022. Klaus Wohlrabe betont: „Immer mehr Unternehmen tappen derzeit im Dunkeln, wenn es um ihre eigene Zukunft geht.“ Haupttreiber dieser Entwicklung sei der sich zuspitzende Zollkonflikt mit den USA, während positive Impulse wie das Koalitionspapier der neuen Regierung bislang wirkungslos blieben.

Besonders stark stieg die Unsicherheit in der Industrie, wo der Anteil der Firmen mit schlechter Prognosefähigkeit um rund 11 Prozentpunkte auf 38,7 % zunahm. Besonders betroffen sind die Elektrobranche und der Automobilbau (jeweils über 45 %). Im Handel berichtete etwa ein Drittel der Unternehmen von zunehmender Unsicherheit. Bei den Dienstleistern blieb der Anteil stabil bei 21,6 %. Eine Ausnahme bildet das Bauhauptgewerbe: Dort sank die Unsicherheit leicht auf 23,2 %, was möglicherweise auf das angekündigte Infrastrukturpaket zurückzuführen ist.

Stimmung auf Leitungsebene verbessert sich – ein vorsichtiger Optimismus

Trotz dieser wachsenden Unsicherheit zeigt der ifo-Geschäftsklimaindex eine leichte Erholung: Im April stieg der Index auf 86,9 Punkte, nach 86,7 im März – der vierte Anstieg in Folge und der höchste Stand seit Juli 2024. Die Stimmung unter den 9.000 befragten Managerinnen und Managern scheint sich leicht zu bessern, möglicherweise getragen von Hoffnungen auf wirtschaftliche Impulse und Stabilisierung trotz anhaltender geopolitischer Spannungen.

Einordnung und Ausblick

Die deutschen Unternehmen stehen derzeit unter doppeltem Druck: Einerseits zeigt sich eine zarte Verbesserung des allgemeinen Geschäftsklimas, andererseits wächst die Unsicherheit massiv, was zu einer Zurückhaltung bei Investitionen und Neueinstellungen führt. Die Industrie, insbesondere Elektro- und Automobilbranche, bleibt besonders belastet.

Die weitere Entwicklung wird entscheidend davon abhängen, ob politische Maßnahmen – etwa das Infrastrukturpaket und internationale Verhandlungen im Zollstreit – spürbare Entlastungen bringen können. Planbarkeit wird, so Wohlrabe, zum zentralen Faktor für eine mögliche Stabilisierung.


(PDF)

LESEN SIE AUCH

Der Arbeitsmarkt in Deutschland zeigt im Herbst 2025 kaum Erholung.Der Arbeitsmarkt in Deutschland zeigt im Herbst 2025 kaum Erholung.Adobe
Wirtschaft

Arbeitsmarkt mit schwacher Herbstbelebung – Stellenabbau in Industrie und Handel setzt sich fort

Der Arbeitsmarkt in Deutschland zeigt im Herbst 2025 kaum Erholung. Die Zahl der Arbeitslosen steigt, Frühindikatoren verschlechtern sich – vor allem Industrie und Dienstleister bauen Stellen ab. Nur das Baugewerbe stützt.
adobe.stock
Wirtschaft

Kein Aufschwung in Sicht: Unternehmen streichen Stellen und kürzen Investitionen

Die Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung schwindet: Eine aktuelle Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt deutliche Zurückhaltung bei Investitionen und Personalplanung. Besonders die Industrie steht vor spürbaren Einschnitten.
Deutschlands Wirtschaft wächst formal weiter – strukturell sinkt jedoch das Potenzialwachstum gegen nullDeutschlands Wirtschaft wächst formal weiter – strukturell sinkt jedoch das Potenzialwachstum gegen nullRedaktion Experten/ KI
Wirtschaft

Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026: Wachstum ohne Substanz

Die Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2026 zeigt eine deutsche Wirtschaft mit formal positivem, aber strukturell schwachem Wachstum. Energiepreisschocks, demografische Effekte und eine rückläufige industrielle Dynamik treffen auf eine zunehmend fiskalisch stabilisierte Ökonomie. Entscheidend ist der Befund eines gegen null tendierenden Potenzialwachstums – mit weitreichenden Implikationen für Wirtschaftspolitik und Standortentwicklung.
2,9 Millionen Arbeitslose im Dezember 2025. BMAS-Daten zeigen: Beschäftigung bleibt stabil, doch die Konjunktur dämpft die Bewegung.2,9 Millionen Arbeitslose im Dezember 2025. BMAS-Daten zeigen: Beschäftigung bleibt stabil, doch die Konjunktur dämpft die Bewegung.Adobe
Wirtschaft

Arbeitsmarkt zum Jahresende unter Druck: Konjunkturschwäche bremst Bewegung

Das BMAS weist auf aktuelle Arbeitsmarktdaten hin: Die Konjunkturschwäche bremst die Dynamik, Arbeitslosigkeit steigt im Dezember leicht.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht