Versicherungsschutz für E-Scooter im Ausland: Worauf Reisende achten sollten

Veröffentlichung: 01.04.2025, 14:04 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

(PDF)
Adobe StockAdobe Stock

Das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ) bringt es auf den Punkt: Wer mit dem E-Scooter ins europäische Ausland reist oder dort spontan auf ein Leihmodell steigt, sollte nicht nur die Route, sondern auch die Versicherungsfrage geklärt haben. Denn was vielerorts als umweltfreundliche Mobilitätsalternative gilt, kann ohne passenden Schutz schnell zum juristischen und finanziellen Risiko werden.

Ein unterschätztes Risiko auf zwei Rädern

In Deutschland sind E-Scooter klar geregelt: Haftpflichtversicherung und Betriebserlaubnis sind Pflicht. Doch diese Regeln hören an der Landesgrenze nicht auf – sie verlieren dort oft ihre Gültigkeit. Wer seinen privaten E-Scooter mit in den Urlaub nimmt, muss sich nicht nur mit unterschiedlichen Zulassungsvoraussetzungen auseinandersetzen, sondern auch mit der Frage, ob die heimische Versicherung im Ausland greift. In vielen Fällen tut sie das nicht. Eine private Auslandshaftpflicht oder ergänzende Unfallversicherung wird damit zum unverzichtbaren Bestandteil jeder Reiseplanung.

Leih-Scooter: nicht immer ein sicherer Hafen

Leih-Scooter gelten vielen als einfache Lösung – technisch zugelassen, versichert und sofort einsatzbereit. Doch auch hier gilt: Der Versicherungsschutz ist meist auf das Nötigste beschränkt. Häufig sind nur Drittschäden abgedeckt, während sich Nutzer bei Unfällen mit Personenschäden oder Sachschäden am Fahrzeug oft selbst absichern müssen. Eine zusätzliche Reiseunfallversicherung kann hier entscheidend sein – insbesondere in Ländern mit strengeren Haftungsregeln.

Regelchaos in der EU: Von liberal bis restriktiv

Ein kurzer Überblick zeigt, wie unterschiedlich die Vorgaben sind:

  • Frankreich: In Paris sind Leih-Scooter verboten, private Modelle erlaubt – mit Versicherungspflicht.
  • Niederlande: E-Scooter sind meist nicht straßenzugelassen – der Versicherungsschutz verpufft, wenn das Fahrzeug illegal genutzt wird.
  • Italien: Seit Ende 2024 gilt eine Helmpflicht und eine Versicherungspflicht – auch für Touristen.
  • Skandinavien: Unterschiedliche Regelungen zwischen den Ländern, klare Alkoholgrenzen und situative Helmpflichten.
  • Irland: Versicherungsfrei, helmfrei – aber nicht regelfrei: Radwege ja, Gehwege nein.

Rechtsschutz statt Reue

Kommt es zu einem Unfall oder einer Kontrolle, zählt nicht der gute Wille, sondern die rechtliche Absicherung. Wer mit einem unversicherten oder gar illegal zugelassenen Fahrzeug unterwegs ist, haftet im Zweifel vollständig selbst – ein Szenario, das schnell fünfstellige Beträge erreichen kann. Das betrifft auch vermeintliche Bagatellfälle, etwa die Beschädigung eines parkenden Autos oder die Verletzung eines Fußgängers.

Empfehlung: Vor der Reise gut absichern

Das EVZ rät zur gründlichen Vorbereitung:

  • Zulassung und Versicherung prüfen – vor allem bei privaten Scootern.
  • Versicherungsbedingungen des Leih-Anbieters verstehen – insbesondere bei Auslandseinsatz.
  • Zusätzlichen Schutz durch Unfall- oder Haftpflichtversicherung erwägen – auch für kurze Reisen.
  • Verkehrsregeln und Besonderheiten des Ziellandes kennen – um teure Verstöße zu vermeiden.

Wer versichert fährt, fährt sicherer

Die E-Scooter-Nutzung im Ausland verspricht urbane Mobilität mit Leichtigkeit – sofern man die rechtlichen Rahmenbedingungen kennt und ernst nimmt. Eine gründliche Absicherung ist kein bürokratisches Hindernis, sondern ein notwendiger Schutzschild im mobilen Europa. Denn am Ende ist es nicht der Akku, der über das Ankommen entscheidet – sondern der Versicherungsschutz.



(PDF)

LESEN SIE AUCH

Immer mehr Menschen besitzen einen eigenen E-Scooter – gleichzeitig steigen die Unfallzahlen. Die Bundesregierung will deshalb die Haftungsregeln verschärfen.Immer mehr Menschen besitzen einen eigenen E-Scooter – gleichzeitig steigen die Unfallzahlen. Die Bundesregierung will deshalb die Haftungsregeln verschärfen.ThomasWolter / pixabay
Politik

E-Scooter: Regierung plant schärfere Haftung

Unfälle mit E-Scootern nehmen zu – jetzt will die Bundesregierung die Haftung neu ordnen. Künftig sollen Halter verschuldensunabhängig haften, Fahrer sich entlasten müssen. Das Bundeskabinett befasst sich heute mit dem Vorhaben.
Wer sein Fahrzeug aus dem Winterschlaf holt, sollte einen kurzen Sicherheitscheck durchführen.Wer sein Fahrzeug aus dem Winterschlaf holt, sollte einen kurzen Sicherheitscheck durchführen.Foto: Grok
Flotte Fahrzeuge

Der Frühling kommt – und mit ihm die Lust aufs Zweirad

Mit den ersten warmen Tagen steigt die Freude am Zweiradfahren. Ob mit dem Fahrrad, dem Mofa oder dem E-Scooter – viele Menschen zieht es nach draußen, um sich auf zwei Rädern fortzubewegen. Doch mit dem Start der Zweiradsaison gibt es auch einige gesetzliche Vorgaben zu beachten.
Young woman suffering from elbow pain after e-scooter riding accYoung woman suffering from elbow pain after e-scooter riding accblackday – stock.adobe.com

E-Scooter: Viele Unfälle durch Nutzer von Leih-Flotten

Leih-Scooter sind in mehr als die Hälfte aller E-Scooter-Unfälle verwickelt und das, obwohl nur einer von vier dieser Roller in Deutschland zu einer Leih-Flotte gehört. Die Versicherer fordern daher einen grundlegenden Kompetenznachweis für die Teilnahme mit einem E-Roller am Straßenverkehr.
Pretty young women singing while driving a car on road trip on bPretty young women singing while driving a car on road trip on bnenetus – stock.adobe.com
Flotte Fahrzeuge

Das Auto bleibt beliebtestes Fortbewegungsmittel

Fast zwei Drittel der Deutschen fordern nach der jüngsten Energiepreiskrise die Änderung zukünftiger Mobilitätskonzepte. Die Beliebtheit des Autos ist durch neue Technologien wie Wasserstoff oder E-Fuels gegenüber 2022 weiter gewachsen - am stärksten unter jungen Leuten.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht