IT: Versicherer kämpfen mit Nachwuchsproblemen und alten Systemen
Der Fachkräftemangel in der IT trifft die Versicherungsbranche besonders hart. Alte Mainframe-Systeme und fehlender Nachwuchs stellen Unternehmen vor enorme Herausforderungen, hieß es auf dem IT-Jahreskongress des GDV in Köln. Der Rückblick des Branchenverbands zeigt die drängendsten Probleme und mögliche Lösungen.
Die Versicherungsbranche steht vor einer doppelten Herausforderung: Der Fachkräftemangel in der IT verschärft sich, während gleichzeitig der Übergang von alten Mainframe-Systemen zu modernen Technologien drängt. Laut dem GDV-Rückblick auf den IT-Jahreskongress der Branche in Köln wird die Lage durch den demografischen Wandel weiter verschärft.
Dringender Handlungsbedarf
„Bis 2040 gehen 20 bis 30 Prozent der IT-Beschäftigten in den Ruhestand“, erklärte Rainer Sommer, IT-Vorstand der Provinzial. Besonders kritisch: Die erfahrenen Mitarbeiter, die die alten Systeme noch beherrschen, sind unersetzlich für die Migration auf moderne IT-Lösungen. Ohne ihr Wissen bleibt die Transformation der IT-Landschaften kaum machbar.
Gleichzeitig wird es immer schwieriger, Nachwuchskräfte für die Betreuung solcher Systeme zu gewinnen. „Wenn junge IT-Fachkräfte heute auf den Arbeitsmarkt kommen, interessieren sie sich eher für Cloud, KI oder Cyber Security als für alte Programmiersprachen“, so Betina Kirsch, Geschäftsführerin beim Arbeitgeberverband der Versicherer (AGV).
Kreative Lösungen gesucht
Die Branche sieht sich gezwungen, innovative Ansätze zu entwickeln. Einige Versicherer nutzen IT-Hubs im Ausland, um den Fachkräftemangel abzufedern. „Wir haben Kapazitäten, die in Deutschland weggefallen sind, in unserem indischen Hub ersetzt“, berichtet Michael Liebe von ITERGO. Zudem setzt die Branche verstärkt auf Diversität. „Mehr Frauen und ausländische Fachkräfte für die IT zu gewinnen, ist essenziell“, betonte Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende GDV-Hauptgeschäftsführerin. Der Frauenanteil in der IT der Versicherer liegt aktuell bei nur rund 25 Prozent. Dabei könnten Maßnahmen wie MINT-Coaches oder flexible Arbeitszeitmodelle dazu beitragen, mehr weibliche Talente zu gewinnen.
KI: Unterstützung, aber keine Lösung
Auch künstliche Intelligenz (KI) wird als potenzielles Hilfsmittel diskutiert, jedoch nicht als Allheilmittel. „Kleinteilige Code-Stücke lassen sich mit KI gut erzeugen, aber die Ergebnisse müssen immer noch überprüft werden, was zeitaufwendig bleibt“, so Volker Gruhn, Professor für Software Engineering.
Zukunftssicherung durch Umschulungen
Ein weiteres großes Potenzial sieht die Branche in der Umschulung von Mitarbeitenden und der Integration von Quereinsteigern. Laut Sommer könnten diese in Bereichen wie Projekt-Controlling oder Management einen wichtigen Beitrag leisten.
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