Krise in der Kfz-Versicherung: Kein Versicherer mehr im grünen Bereich
Erstmals verzeichnen alle Kfz-Versicherer in Deutschland rote Zahlen. Mit einer durchschnittlichen Combined Ratio (CR) von über 112 Prozent schreibt die Branche in 2023 ein Rekorddefizit. Wer die besten und schlechtesten Werte aufweist – und welche Gründe die Krise weiter anheizen.
Eine aktuelle Analyse des „Branchenmonitor Kraftfahrtversicherung 2024“ von V.E.R.S. Leipzig zeigt das ganze Ausmaß der finanziellen Krise in der Kfz-Versicherung: Kein einziger der 50 untersuchten Anbieter kann mehr kostendeckend arbeiten. Die Combined Ratio (CR), die Schadens- und Betriebskosten im Verhältnis zu den Beitragseinnahmen widerspiegelt, stieg im Jahr 2023 auf durchschnittlich 112,24 Prozent – ein Rekordwert, der die Branche tief in die Verlustzone treibt. Zum Vergleich: 2022 lag der Durchschnitt noch bei 102,55 Prozent.
Bereits in den vergangenen Jahren sorgten steigende Ersatzteil- und Werkstattkosten für immense Belastungen. Im Jahr 2023 stiegen die Schadenaufwendungen pro Versicherer im Schnitt um etwa 76 Millionen Euro auf über 509 Millionen Euro. Trotz dieser Entwicklungen konnte die Prämienanpassung nicht Schritt halten: Erst 2023 erfolgte eine moderate Erhöhung auf 254,73 Euro pro Vertrag, nachdem das Prämienniveau in den Vorjahren gesunken war. Diese verspätete und begrenzte Anpassung reichte jedoch nicht aus, um den enormen Kostenanstieg auszugleichen.
Ein Blick auf die besten und schlechtesten Combined Ratios zeigt, wie unterschiedlich die einzelnen Versicherer mit den Herausforderungen umgehen konnten.
Die besten Combined Ratios 2023:
- Provinzial Nord Brandkasse: 101,01 % (2022: 95,60 %)
- Cosmos: 101,13 % (2022: 91,95 %)
- ADAC Auto: 103,40 % (2022: 95,46 %)
- Baloise Sachversicherung: 103,54 % (2022: 97,00 %)
- R+V Direkt: 103,82 % (2022: 117,24 %)
Besonders hervorzuheben ist die R+V Direkt, die ihre Combined Ratio im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessern konnte.
Die schlechtesten Combined Ratios 2023:
- Alte Leipziger: 117,49 %
- SV Sachsen: 118,73 %
- Rhion Versicherung: 119,58 %
- Allianz Direct: 120,22 %
- HDI Versicherung: 120,55 %
- Debeka Allgemeine: 123,69 %
- DEVK VVaG: 125,25 %
- WGV-Versicherung: 128,34 %
- Nürnberger Allgemeine: 129,62 %
- BGV-Versicherung: 132,77 %
Während einige Anbieter ihre CR noch knapp über der Marke von 100 Prozent halten konnten, weisen viele Kfz-Versicherer CR-Werte deutlich darüber auf – bis hin zu fast 133 Prozent bei der BGV-Versicherung. Die anhaltend hohen Defizite lassen sich vor allem auf gestiegene Schadenquoten und unzureichende Beitragsanpassungen zurückführen.
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