Klimaneutrale Wohngebäude: Handlungsbedarf bei Förderungen und Vorschriften

Veröffentlichung: 29.10.2024, 09:10 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Die energetische Sanierung von Wohngebäuden ist ein Schlüssel zur Erreichung der Klimaziele. In der „Bausparkassen-Lounge“ diskutierte die Branche Herausforderungen und mögliche Lösungen.

(PDF)
Geschäftsfeldleiter Wohnen und Vorstandsvorsitzender Wüstenrot Bausparkasse AGGeschäftsfeldleiter Wohnen und Vorstandsvorsitzender Wüstenrot Bausparkasse AGWüstenrot

Mit der Verschärfung des Klimaschutzgesetzes hat die Bundesregierung das Ziel einer klimaneutralen Wohngebäudestruktur bis 2045 verankert. Dies ist Teil einer EU-weiten Verpflichtung, die in der neuen EU-Gebäuderichtlinie konkretisiert wird. Wie sich diese Vorgaben auf Deutschland auswirken und welche Anstrengungen andere Länder unternehmen, stand im Fokus der „Bausparkassen-Lounge“ der Arbeitsgemeinschaft Baden-Württembergischer Bausparkassen (ARGE). Bernd Hertweck, ARGE-Vorsitzender und Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Bausparkasse, betonte die dringende Notwendigkeit von Investitionen: „Der jährliche Sanierungswert bei der Gebäudehülle liegt aktuell bei nur 0,7 Prozent. Für das Erreichen der Klimaziele müsste sich diese Quote verdreifachen.“

Hohe Investitionskosten für private Eigentümer

Mit einem geschätzten Investitionsbedarf von drei Billionen Euro bis 2045 stellt die energetische Sanierung von Wohngebäuden eine erhebliche finanzielle Herausforderung dar. Dabei entfällt der Großteil der Investitionen auf private Einzeleigentümer, da etwa 80 Prozent der deutschen Wohneinheiten in deren Händen liegen. Die ARGE fordert deshalb stabile Rahmenbedingungen und zuverlässige Fördermöglichkeiten, die für langfristige Planungssicherheit sorgen sollen. „Finanzielle Leistbarkeit und soziale Verträglichkeit sind essenziell, um die Transformation des Gebäudebestands erfolgreich zu gestalten“, so Hertweck.

Investitionssicherheit und zentrale Datenbanken als Hebel

Ein stabiler regulatorischer Rahmen ohne kurzfristige Änderungen bei Förderprogrammen könnte nach Einschätzung der Bausparkassen die Investitionsbereitschaft fördern. Zudem betont die ARGE die Vorteile einer zentralen, EU-weit vorgeschriebenen Gebäudedatenbank, die sämtliche Energieinformationen für Wohngebäude enthält. Solche Datenbanken könnten gezielt Eigentümer ansprechen und Transparenz für Investitionen in energieeffiziente Sanierungen schaffen.

Erfolgsmodelle aus Europa

Oliver Rapf vom Buildings Performance Institute Europe (BPEI) stellte in der Veranstaltung erfolgreiche Ansätze zur Sanierung von Wohngebäuden aus anderen europäischen Ländern vor. So ist in der belgischen Region Flandern vorgesehen, dass Käufer von Wohnimmobilien die Gebäude innerhalb von fünf Jahren energetisch sanieren müssen, unterstützt durch gezielte Förderungen für einkommensschwache Haushalte. In Portugal wird eine zentrale Energieausweisdatenbank aufgebaut, die in der gesamten EU zur Umsetzung des Klimaziels beitragen soll. „Deutschland kann sich an bürgernahen und wirtschaftlich förderlichen Maßnahmen aus den Nachbarländern orientieren“, erklärte Rapf.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Viele Menschen wünschen sich Wohneigentum – doch fehlendes Eigenkapital macht den Traum für viele unerreichbar.Viele Menschen wünschen sich Wohneigentum – doch fehlendes Eigenkapital macht den Traum für viele unerreichbar.Redaktion experten.de / KI-generiert
Immobilien

Wohneigentum bleibt Wunsch – doch die Hürden wachsen

Drei von vier Deutschen wollen in den eigenen vier Wänden leben – doch nur ein Bruchteil plant den Kauf konkret. Eine aktuelle Befragung zeigt die wachsende Kluft zwischen Wunsch und Realität. Bausparkassen fordern politische Gegenmaßnahmen – von Steuererleichterungen bis zu besseren Förderstrukturen.
Der Sanierungsbedarf ist hoch – aber ungleich verteilt. Ostdeutschland profitiert von Altinvestitionen, Westdeutschland steht vor einer doppelten Herausforderung: energetisch, aber auch sozial.Der Sanierungsbedarf ist hoch – aber ungleich verteilt. Ostdeutschland profitiert von Altinvestitionen, Westdeutschland steht vor einer doppelten Herausforderung: energetisch, aber auch sozial.Adobe
Wohngebäude

Sanierungsbedarf 2025: Westdeutschland unter Nachholzwang

Westdeutsche Städte wie Bremerhaven und Krefeld führen beim Sanierungsbedarf: Neue Daten von IW Consult & ImmoScout24 zeigen große regionale Unterschiede im energetischen Zustand von Immobilien.
Die Wahl zwischen Neubau und Bestandsimmobilie gehört zu den zentralen Entscheidungen beim Immobilienkauf. Der Immobilienverband Deutschland (IVD) zeigt auf, dass beide Optionen Chancen und Risiken bergen.Die Wahl zwischen Neubau und Bestandsimmobilie gehört zu den zentralen Entscheidungen beim Immobilienkauf. Der Immobilienverband Deutschland (IVD) zeigt auf, dass beide Optionen Chancen und Risiken bergen.DALL-E
4 Wände

Neubau oder Bestand? Worauf Immobilienkäufer achten sollten

Neubau oder Bestand? Wer eine Immobilie kauft, steht vor einer zentralen Weichenstellung. Energieeffizienz und moderne Technik treffen auf gewachsene Lagen mit möglichem Sanierungsbedarf – welche Wahl sich lohnt, hängt stark von Zielen, Budget und Zukunftsplanung ab.
Der nun gefundene Vorschlag ähnelt dem Modell des Gesamtverbands der Deutschen VersicherungswirtschaftDer nun gefundene Vorschlag ähnelt dem Modell des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaftgrok
Wohngebäude

Pflichtversicherung gegen Elementarschäden rückt näher – Union und SPD mit konkreten Plänen

Eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden rückt näher. Was CDU, CSU und SPD jetzt konkret planen – und warum der Staat dabei mit in die Pflicht soll.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht