Was folgt auf die Insolvenz der Handelsplattform FTX?

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Nach mehreren Wochen des Zitterns bestätigte sich das, was viele Investoren bereits befürchtet hatten: Die Kryptobörse FTX ist bankrott. Galt diese vor einiger Zeit noch als äußerst sicher, erschütterten sowohl der Kurseinbruch der hauseigenen Kryptowährung FTT als auch diverse Berichte über illegale Geschäfte das Vertrauen der Anleger. Dieser Schock wirkt sich auch auf den Rest des Kryptomarktes aus. Nicht wenige Anleger fragen sich, ob sie Kryptobörsen überhaupt noch vertrauen können.

Welche Lektionen Investoren aus der FTX-Pleite lernen können, erklärt Jens Rabe, Gründer und Geschäftsführer der Rabe Unternehmensgruppe

Jens Rabe, Gründer und Geschäftsführer, Rabe Unternehmensgruppe

Auf dem Kryptomarkt gelten andere Regeln als beispielsweise bei Aktien. Wer Dritten seine Coins und Tokens anvertraut, geht immer ein Risiko ein. Wenngleich viele die Zeichen zu spät erkannten, ereignete sich der Niedergang von FTX nicht über Nacht.

CEO Sam Bankman-Fried wurden schon einige Zeit illegale Aktivitäten wie die Veruntreuung von Kundengeldern nachgesagt. Zuletzt hatten auch die US-Finanzbehörden begonnen, aus diesem Grund gegen ihn zu ermitteln, wie anonyme Quellen berichten.

Derartige Anschuldigungen sollten auch Anleger nicht auf die leichte Schulter nehmen. Unabhängig davon, ob sich die Gerüchte bewahrheiten, lösen sie erst einmal Unsicherheit unter Investoren aus. Diese reagieren oft damit, ihr Kapital in Sicherheit zu bringen, was zu Kurseinbrüchen führt. Vorsicht ist insbesondere geboten, wenn die Verantwortlichen sich zu den Vorwürfen ausschweigen oder sich bei Erklärungsversuchen in Widersprüche verstricken.

Not your keys, not your coins

Umso wichtiger ist es auf dem Kryptomarkt, eine Ausstiegsstrategie zu haben. Wer seine gesamten Krypto-Bestände einer einzelnen Börse anvertraut, läuft Gefahr, bei Problemen alles zu verlieren. Für Anleger ist es also am sinnvollsten, nur die Coins und Tokens an der Börse zu lassen, mit denen sie wirklich handeln wollen.

Investment-Bestände, die als Kapitalanlage dienen, sollten Anleger hingegen im eigenen Krypto-Wallet aufbewahren. So sind sie vor Verlusten durch Komplikationen seitens der Börse geschützt. Währenddessen ermöglichen es Trading-Bestände bei einer vertrauenswürdigen Börse, auf Entwicklungen am Krypto-Markt zu reagieren. Dieses Verfahren bietet auch steuerliche Vorteile: Hält ein Anleger Tokens länger als ein Jahr, kann er diese in vielen Fällen steuerfrei verkaufen.

Krypto-Anleger fordern mehr Transparenz

Auch über die unmittelbaren Auswirkungen hinaus hat der Fall FTX ein Umdenken ausgelöst. So fordern Teile der Szene bereits eine stärkere Reglementierung von Krypto-Unternehmen. Konkret wird von diesen gefordert, offenzulegen, wie sie mit Kundengeldern wirtschaften. Das soll unter anderem durch einen Proof of Reserves geschehen – ein Konzept, bei dem die Börse nachweist, dass die gehandelten Kryptowährungen oder gleichwertige Assets tatsächlich zur Verfügung stehen.

Bis sich das am Kryptomarkt durchsetzt, ist im Handel mit Kryptowährungen weiterhin Vorsicht geboten. Anleger sollten deshalb nicht nur auf die Entwicklung ihrer Coins achten, sondern auch darauf, wie die Börse selbst dasteht.

Gerät diese in finanzielle Schwierigkeiten, droht schlimmstenfalls der Verlust der Einlagen. Bestände, die nicht zum Handel vorgesehen sind, sollten also separat und unabhängig von Dritten gesichert werden. Nur auf diese Weise können Anleger sicherstellen, dass sie bei Turbulenzen nicht das Nachsehen haben.

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