Hausbesitzer sichern sich zu wenig gegen Naturgewalten ab

Schon seit Jahren warnen die obersten Katastrophenschützer der Bundesrepublik regelmäßig vor den möglichen Auswirkungen von Naturgewalten – insbesondere unter dem Eindruck des Klimawandels, der sowohl Häufigkeit wie Intensität solcher Extremwetterlagen steigen lässt.

Kritisiert wird dabei auch immer wieder, dass die Warnungen gerade in der Bevölkerung häufig auf taube Ohren stoßen bzw. nur halbherzig umgesetzt werden. Dabei können auch die vergleichsweise gut aufgestellten Organisationen in Deutschland im Fall der Fälle nicht überall sein, selbst wenn es sich nur um lokale Ereignisse wie etwa Starkregen handelt – von Großlagen wie einem weitreichenden Stromausfall oder schweren Fluten ganz zu schweigen.

Der Tenor: Vor allem Hausbesitzer sollten ungeachtet der Kosten wesentlich mehr tun, um sich im Notfall selbst helfen zu können bzw. Folgen abzumildern, damit mehr Hilfskräfte für „echte“ Notfälle frei bleiben. Dazu ergänzend an dieser Stelle Basismaßnahmen, die für jeden Eigenheimbesitzer obligatorisch sein sollten.

Immer wieder Unterversicherung

Dabei zeigt sich der meistgemachte Fehler nicht vor oder während solcher Naturgewalten, sondern immer erst danach – Unterversicherung. Insbesondere bei Überschwemmungen tritt das zutage, weil normale Versicherungen, namentlich Wohngebäude- und Hausrat-, insbesondere wenn sie älteren Datums sind, hier oftmals keinen Schutz inkludieren.

Bei diesen zwei Versicherungen Abhilfe zu schaffen und immer wieder die Aktualität zu prüfen, sollte obligatorisch sein. Allerdings sollte überdies immer verglichen werden, ob es, auch hinsichtlich der Versicherungskosten, sinnvoll ist, eine Elementarschadenversicherung zu inkludieren – auch wenn damit meistens zusätzliche Hausbesitzerpflichten, etwa die Installation von Abwasser-Rückschlagklappen, einhergehen.

Eigenstromversorgung

Jahr für Jahr steigen die Zahlen von Hausbesitzern, auf deren Dach sich Photovoltaikanlagen befinden. Sicherlich gut für die Umwelt, im Grundzustand jedoch kein wirkungsvoller Beitrag zum Eigenschutz im Katastrophenfall: Normale Anlagen arbeiten in der Regel im Netzparallelbetrieb, verfügen über keine Vorrichtungen für den Inselbetrieb.

Das Ergebnis: Es wird zwar Strom produziert, aber ins Netz eingespeist, sofern er nicht direkt selbst verbraucht wird. Insbesondere unter dem Eindruck der heutigen Abhängigkeit von Strom und den multiplen Gefahren für eine ungestörte Versorgung durch Naturgewalten unterstreichen Experten deshalb immer wieder die Wichtigkeit von Stromspeichern und einer sauber ausgerechneten Dimensionierung. Nur so ist Fall der Fälle gewährleistet, mindestens viele Stunden, wenn nicht gar Tage vollkommen autark von der externen Stromversorgung zu sein.

Pumpen-Bereithaltung

Selbst in hochwassergefährdeten Gebieten gehören Pumpen nur vergleichsweise selten zum Hausrat. Dabei können auch abseits von Flüssen durch Starkregen binnen weniger Minuten solche Wassermassen zusammenkommen, dass die kommunalen Auffangsysteme sowie ferner die Rettungsdienste hoffnungslos überlastet sind – allein für Sturzfluten seit 2008 beziffert die GDV die Schadenssummen auf knapp 1,5 Milliarden Euro!

Zumindest Besitzer von unterkellerten Gebäuden, aber auch solchen ohne Untergeschoss am Fuß von Hügeln, in Senken und ähnlich neuralgischen geographischen Lagen sollten dagegen Pumpen besitzen. Konkret Schmutzwasserpumpen mit einer Fördermenge von nicht weniger als 150 Liter pro Minute und einer maximalen Förderhöhe von mehr als fünf Meter. Diese Pumpen sollten einen Anschlussdurchmesser von mindestens einem Zoll besitzen. Ferner muss genügend Schlauch vorrätig gehalten werden, um die Wassermengen in ausreichende Entfernung zum Haus zu pumpen – etwa auf eine unversiegelte Wiese. Wichtig auch: Die Kabellänge muss gewährleisten, dass die Pumpe im Parterre angeschlossen werden kann, wenn wegen der Überflutung der Keller stromlos geschaltet wird.

Dachsicherung betreiben

„…vor Aufenthalten im Freien wird wegen herabfallender Dachziegel gewarnt“. Solche Sätze fallen in Verbindung mit jedem Sturmtief, das sich zusammenbraut. Denn Tatsache ist, dass die Heftigkeit vieler Wetterextreme bestehende Dacheindeckungen vollkommen überfordern können – Windsog sorgt dann dafür, dass die Eindeckung buchstäblich weggeweht wird.

Zwar bestehen schon seit 2011 deshalb strengere Regeln des Dachdecker-Zentralverbandes. Außerdem sind moderne Eindeckungen wie etwa Metallplatten von Grund auf besser geschützt, weil sie vollflächig verschraubt sind. Das Problem jedoch bleibt für alle Bestandsgebäude, die vor 2011 errichtet wurden.

Sofern es sich um „lose“ eingehängte Eindeckungen handelt, sollten Hausbesitzer sogenannte Sturmklammern nachrüsten lassen – einfach zu installierende Metallbügel, die mit der Traglattung verschraubt werden und jeden Ziegel mechanisch festhalten.

Entsiegelung als Credo

Die zunehmende Versiegelung von Flächen wird meist nur in größeren Zusammenhängen beklagt – etwa ein Absinken des Grundwasserspiegels, Trinkwassermangel und Dürreschäden. Allerdings bedeutet jeder versiegelte Quadratmeter auch eine unmittelbare potenzielle Gefahr für den Immobilienbesitz.

Jeder versiegelte Quadratmeter ist eine Fläche, auf der Starkregen nicht schwammartig aufgenommen werden kann. Ein Vorgarten, eine Einfahrt, eine Terrasse können so mikro-regional zum Zünglein an der Waage werden, das darüber entscheidet, ob ein Sturzregen die Häuser an einer Straße volllaufen lässt oder die Kanalsysteme die Wassermassen gerade so aufnehmen können.

Die Maßgabe für Hausbesitzer sollte deshalb schon bei der Planung lauten, die einzige Versiegelung durch das Haus selbst zu betreiben. Alles andere auf dem Grundstück sollte so gestaltet sein, dass es ein weitgehend ungestörtes Versickern ermöglicht – etwa durch Rasengittersteine statt Pflaster, immergrüne Bodendecker statt Unkraut-fernhaltender Folien im Erdreich.

Sinnvolle Bevorratung

Hausbesitzer gehören zu denjenigen Bürgern, bei denen die Staufläche pro Immobilienbewohner am größten ist – wesentlich größer als bei den meisten Mietwohnungsbewohnern. Dennoch haben sich viele eine ähnlich kurzfristige Bevorratungshaltung angewöhnt oder beibehalten; d.h. sie gehen teils mehrmals wöchentlich einkaufen. Speziell mit Blick auf Naturgewalten, die so tiefgreifend sind, dass sie die Versorgungssysteme einer Region empfindlich stören oder gar lahmlegen, ist das eine sehr kurzfristige Sichtweise.

Damit schließt sich auch der Kreis zu dem, was Katastrophenschützer auch nach dem Ende des Kalten Krieges nach wie vor raten: Jeder Haushalt sollte genügend Vorräte eingelagert haben, um zehn Tage lang ohne Hilfe überstehen zu können. Wenn nur die Hausbesitzer mit ihrem ausreichenden Platz für die dabei notwendigen Mengen dieser Forderung nachkämen, wäre schon sehr viel getan – dann könnten sich die Notfalldienste im Fall der Fälle auf jene Personenkreise konzentrieren, die schlicht nicht den Raum für derartige Bevorratung haben; selbst das sind schon viele.

Fazit

Hausbesitzer als ein Personenkreis, der wie kein zweiter selbst über die Geschicke seiner Immobilien bestimmen kann, sollten die Effekte des Klimawandels nicht ignorieren und dabei in andere Weltregionen schauen. Auch hier, vor unseren Haustüren, werden die Extremwetter stärker und zahlreicher. Seinen kostbarsten Besitz dagegen abzusichern, sollte vorderste Priorität haben – auch und obwohl jeder natürlich hofft, dass all diese Schutzmaßnahmen sich niemals unter Realbedingungen bewähren müssen. Hier gilt die Regel „Besser haben und nicht benötigen…“ ebenso wie bei jedem Rauchmelder, Feuerlöscher und ähnlichen Schutzmaßnahmen.

 

Bild: © mbruxelle – stock.adobe.com

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