Versicherungsombudsmann: Weniger Beschwerden 2018

Die Verbraucherschlichtungsstelle Versicherungsombudsmann hat den Jahresbericht 2018 vorgelegt.

Es gab insgesamt 14.147 zulässige Beschwerden, was gegenüber dem Jahr 2017 eine Verringerung um 5,1 Prozent bedeutet. Zusammen mit den unzulässigen und von den Beschwerdeführern nicht weiterverfolgten Vorgängen wurden 19.216 Verfahren beendet. Die durchschnittliche Verfahrensdauer der zulässigen Beschwerden konnte mit 2,6 Monaten im Durchschnitt noch einmal gesenkt werden.

20172018
Beschwerden gesamt Veränderung zum Vorjahr19.754

+ 0,9 Prozent

18.956

– 4,0 Prozent

Zulässige Beschwerden Veränderung zum Vorjahr14.910

+ 1,7 Prozent

14.147

– 5,1 Prozent

Unzulässige Beschwerden Veränderung zum Vorjahr3.785

– 10,4 Prozent

3.941

+ 4,1 Prozent

Keine Weiterverfolgung durch Beschwerdeführer

Veränderung zum Vorjahr

1.059

 

+ 52,4 Prozent

868

 

– 18,0 Prozent

Betrachtung der Versicherungssparten

In der Lebensversicherung gibt es einen Rückgang von Eingaben um 19,7 Prozent. Auch war das Beschwerdeaufkommen in der Rechtsschutzversicherung um 6 Prozent niedriger. Allerdings liegt die Sparte noch immer an der Spitze der Beschwerdestatistik.

Der größte Zuwachs ist laut dem Jahresbericht in der Gebäudeversicherung mit fast 25 Prozent zu verzeichnen, danach folgt die Kfz-Kasko- und dann die Kfz-Haftpflichtversicherung mit 6,2 beziehungsweise 7,1 Prozent.

Zulässige Beschwerden 2018 im Vergleich zu 2017

20172018
Leben3.8773.115
Rechtsschutz4.0153.773
Kfz-Haft885940
Kfz-Kasko1.0341.107
Gebäude1.1671.456
Unfall699716
Hausrat778818
Allgemeine Haftpflicht651646
Berufsunfähigkeit380392
Realkredit628
Sonstige1.3621.176
Gesamt14.91014.147

AfW sieht „schlechte Beratungsqualität“ widerlegt

Der AfW zeigt in einer Rechnung auf, dass es bei den ungefähr 200.000 registrierten Versicherungsvermittler statistisch gesehen im vergangenen Jahr nur 0,00016 Beschwerden je Versicherungsvermittler gab und sieht dadurch die Gerüchte einer pauschal schlechten Beratungsqualität widerlegt, mit der die Einführung eines Provisionsdeckels in der Lebensversicherung teilweise begründet wird.

Rechtsanwalt Norman Wirth, Geschäftsführender Vorstand des AfW, dazu:

„[…] Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll, wie völlig absurd es ist, den Vermittlern pauschal eine schlechte Beratungsqualität zu unterstellen und damit auch noch ein Gesetz begründen zu wollen, was massiv in Grundrechtspositionen vor allem von mittelständischen Gewerbetreibenden eingreift.  4.700.000 […] vermittelte Versicherungsverträge 2018 und dabei nur 14 […] berechtigte Beschwerden zur Vermittlung – das sind Zahlen, die die Branche stolz vor sich hertragen kann. Besser geht es nicht und es wird Zeit, dass die Politik hier Anerkennung ausspricht, statt abwegige Negativunterstellung zur Gesetzesbegründung heranzuziehen.“

Prof. Dr. Günter Hirsch zieht Fazit

Prof. Dr. Günter Hirsch resümierte nach seiner 11-jährigen Amtszeit, dass nicht nur die Schlichtungsstelle sich kontinuierlich weiterentwickelt habe, sondern dies auch für den Rechtsrahmen gelte. Mit der Umsetzung der EU-Richtlinie zur außergerichtlichen Streitbeilegung durch das Verbraucherstreitbeilegungsgesetz sei auf der Verfahrensseite nachvollzogen worden, was Verbrauchern an Rechtsansprüchen im Laufe der Zeit richtigerweise zugewachsen ist. Eine aktuell im Gesetzgebungsprozess befindliche Änderung des Gesetzes halte er allerdings für problematisch, da damit die außergerichtliche Streitbeilegung einer uneingeschränkten behördlichen Aufsicht unterstellt werde. Dies könne in die Unabhängigkeit des Schlichters eingreifen und widerspreche der Idee des auf Konsens ausgerichteten, vereinfachten und schnellen Schlichtungsverfahrens. Damit drohe sie zu verlieren, was sie gerade auszeichne und für den Verbraucher wertvoll mache.

Während seiner Amtszeit seien über 200.000 Beschwerdefälle abgewickelt worden. Das zeige, wie sehr die von der deutschen Versicherungswirtschaft eingerichtete Schlichtungsstelle angenommen werde. Herrn Dr. Schluckebier wünsche er die notwendige Fortune für die künftigen Aufgaben.

Erste Eindrücke in neuem Amt

Dr. h. c. Wilhelm Schluckebier berichtete über seine ersten Eindrücke im Amt. Er zeigte sich beeindruckt von der Leistungsfähigkeit der Schlichtungsstelle. Fast 50 Mitarbeiter, darunter 22 in den Versicherungssparten spezialisierte Volljuristen und 15 Versicherungskaufleute brächten täglich rund 60 Verfahren mit zum Teil sehr komplizierten Rechtsfragen zum Abschluss. Dabei werde in vielen Fällen Abhilfe bewirkt und mit großem Einfühlungsvermögen dem mitunter aus nachvollziehbaren Gründen aufgebrachten Verbraucher in verständlicher Sprache die Rechtslage erklärt.

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