Digitalisierung der Versicherungsbranche: die unterschätze Aufgabe

Banken und Versicherungen trauen sich selbst bei der digitalen Transformation nicht sehr viel zu und Vertrauen ihren eigenen digitalen Fähigkeiten immer weniger. Das zeigt eine Studie des Studie des Capgemini Research Institute.

In der Studie wurde das allgemeine Stimmungsbild von leitenden Bank- und Versicherungsangestellten in Bezug auf die Digitalisierungs- und Führungsfähigkeiten untersucht. Durch den Vergleich mit den Ergebnissen einer Vorgängerstudie aus dem Jahr 2012 sind Einblicke in die Entwicklung der letzten Jahre möglich.

Diesmal zeigte sich ein kleinerer Teil der Führungskräfte aus dem Finanzdienstleistungsbereich im Vergleich zu 2012 davon überzeugt, dass ihre Unternehmen über die notwendigen digitalen Fähigkeiten verfügen, um erfolgreich zu sein. Dabei ist der Anteil der Zuversichtlichen von 41 Prozent auf 37 Prozent gefallen.

Zwar waren mehr Manager der Meinung waren, dass sie über die notwendigen digitalen Voraussetzungen für eine hohe Kundenzufriedenheit verfügen (40 Prozent gegenüber 35 Prozent), allerdings ging das Vertrauen in die internen Prozesse deutlich zurück: Nur 33 Prozent der Führungskräfte gaben an, über die erforderlichen operativen Fähigkeiten zu verfügen – verglichen mit 46 Prozent vor sechs Jahren.

Weniger Kompetenz in den Unternehmen

Nur 41 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Unternehmen über die notwendigen Kompetenzen verfügen. 2012 waren es noch 51 Prozent. In einigen Bereichen sank das Vertrauen in die Leitung deutlich – darunter Unternehmensführung (von 45 Prozent auf 32 Prozent), Mitarbeitereinbindung (von 54 Prozent auf 33 Prozent) und IT-Geschäftsbeziehungen (von 63 Prozent auf 35 Prozent).

Wenige Digital Master

Im Digital Mastery Framework der Capgemini-Studie gelten lediglich 31 Prozent der Banken und 27 Prozent der Versicherer als Digital Master und können damit sowohl starke Digitalisierungs- als auch Führungsfähigkeiten vorweisen, während 50 Prozent der Banken und 56 Prozent der Versicherungen als Anfänger eingestuft werden.

Keine überzeugende Vision

Zudem kritisierten Führungskräfte, dass es an einer überzeugenden Vision für die Digitale Transformation in ihren Unternehmen fehlt. Nur 34 Prozent der Befragten aus dem Bankwesen und 24 Prozent aus Versicherungen stimmten der Aussage zu, dass sich “unsere Vision der Digitalen Transformation durch interne Organisationseinheiten zieht”, wobei nur 40 Prozent respektive 26 Prozent angaben, dass “ein übergeordneter Fahrplan für die Digitale Transformation existiert”.

Thomas Hillar, Head of Insurance bei Capgemini Invent DACH, sagt:

„Die etablierten Versicherungshäuser haben in den vergangen Jahren bereits wichtige Bereiche im Backoffice digitalisiert und können Ihre digitalen Fähigkeiten durchaus realistisch einschätzen. Sie sehen dringenden Handlungsbedarf, die Digitale Transformation umfassend anzugehen. Denn die Verbraucher setzen zunehmend Maßstäbe aus fortgeschritteneren Branchen auch auf die digitalen Angebote ihrer Versicherer an und InsurTechs gehen in vielem voran – als Konkurrenz und als Kooperationspartner […].“

Nur 34 Prozent der Banken verfügen über eine digitale Vision, die sich durch alle Organisationseinheiten hindurchzieht. Die Versicherungsbranche hinkt hier sogar noch weiter hinterher: Nur rund ein Viertel (24 Prozent) hat eine umfassende Vision.

Versicherungen setzen auf Automatisierung

Nur 30 Prozent in der Versicherungsbranche sind der Meinung, über die erforderlichen digitalen Fähigkeiten zu verfügen und 28 Prozent glauben, die notwendigen Führungsqualitäten zu besitzen.

42 Prozent der Führungskräfte in Versicherungen verwenden robotergestützte Prozessautomatisierung. Bei Bankern sind es 41 Prozent. Weiterhin bestätigten 34 Prozent den Einsatz künstlicher Intelligenz im operativen Bereich – verglichen mit 31 Prozent der Bank-Manager.

Bankensektor will Kundenerwartungen erfüllen

Der Bankensektor versucht, den steigenden digitalen Erwartungen der Kunden gerecht zu werden, den Kostendruck zu bewältigen und mit Technologie-Start-ups zu konkurrieren. Weniger als die Hälfte der Banken (38 Prozent) geben an, dass sie über die für die Transformation erforderlichen Digital- und Führungsqualitäten verfügen.

Jedoch übertrifft der Bankensektor die Dienstleistungssektoren ohne Finanzbezug in den Bereichen Kundenzufriedenheit, Mitarbeiterbefähigung, Technologie- und Geschäftsausrichtung. 56 Prozent der Bankunternehmen gaben an, dass sie Analysetechniken einsetzen, um ihr Marketing zielgerichteter zu gestalten (im Vergleich: nur 34 Prozent in der Versicherungsbranche und 44 Prozent in Sektoren ohne Finanzbezug).

Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Bankinstitute erklärten auch, dass die Qualifizierung in digitalen Fähigkeiten für sie oberste Priorität hat. Dies ist bei lediglich 32 Prozent der Versicherungen und bei 44 Prozent im nichtfinanziellen Dienstleistungssektor der Fall.

Viele Herausforderungen in verschiedenen Bereichen

Herausforderungen stellen sowohl für Versicherungen als auch für Banken folgende Bereiche dar: das Entwickeln neuer Geschäftsmodelle, die Definition klarer Visionen und Ziele sowie das Etablieren einer digitalen Kultur und die Einbeziehung der Mitarbeiter.

Nur 33 Prozent der Versicherungen und 39 Prozent der Banken haben neue Unternehmen auf der Grundlage digitaler Technologien gegründet.

Auch in Sachen Unternehmenskultur sind nur 25 Prozent der Versicherungsunternehmen und 33 Prozent der Banken davon überzeugt, dass ihre Führungskräfte neue Verhaltensweisen an den Tag bringen, die für die Transformation erforderlich sind.

 

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