Sterbegeldversicherung wird wichtiger: Der letzte Gang wird immer teurer

Veröffentlichung: 27.10.2026, 05:10 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Trauer lässt sich nicht vertagen. Wenn ein Mensch stirbt, müssen Angehörige innerhalb weniger Tage Entscheidungen treffen, die nicht nur emotional schwer sind, sondern zunehmend auch finanziell. Bestattungsleistungen und Friedhofsgebühren sind 2025 um 3,2 Prozent gestiegen – und damit stärker als die allgemeinen Verbraucherpreise.

(PDF)
Ein stiller Ort für den letzten Abschied – während die Kosten für Bestattung und Friedhof seit Jahren spürbar steigen.Ein stiller Ort für den letzten Abschied – während die Kosten für Bestattung und Friedhof seit Jahren spürbar steigen.Experten/KI

Trauer ist selten der Moment, in dem Menschen beginnen, Preise zu vergleichen. Ein Sarg muss ausgesucht, eine Beisetzung organisiert, ein Grab gefunden, eine Trauerfeier vorbereitet werden, und all das geschieht in wenigen Tagen, während die Familie eigentlich mit etwas ganz anderem beschäftigt ist.

Und hier liegt die Besonderheit dieser Kosten: Sie treffen unmittelbar. Der letzte Gang lässt sich nicht einplanen.

Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen deshalb mehr als nur eine weitere Preissteigerung. Bestattungsleistungen und Friedhofsgebühren verteuerten sich 2025 um 3,2 Prozent, während die Verbraucherpreise insgesamt um 2,2 Prozent zunahmen. Särge, Urnen, Grabsteine und andere Begräbnisartikel kosteten weitere 1,9 Prozentmehr als im Vorjahr.

Der letzte Gang wird seit Jahren teurer

Dabei ist 2025 kein Ausreißer. Bereits 2024 waren die Preise für Bestattungsleistungen und Friedhofsgebühren um 4,6 Prozent gestiegen, Särge, Urnen und Grabsteine sogar um 3,9 Prozent. Im Jahr davor hatte der Preisanstieg bei 5,4 beziehungsweise 5,8 Prozent gelegen.

Damit addieren sich über mehrere Jahre Preissteigerungen in einem Bereich, in dem Haushalte kaum zeitlich ausweichen können.

Gleichzeitig steigt die Zahl der Sterbefälle langfristig. 2025 starben in Deutschland rund eine Million Menschen, neun Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Das Bestattungshandwerk beschäftigt inzwischen rund 32.000 Menschen in etwa 4.200 Unternehmen und erzielte 2024 einen Umsatz von 2,37 Milliarden Euro.

Die Bestattung ist damit nicht nur eine persönliche Angelegenheit, sondern längst auch ein bedeutender Wirtschaftsbereich.

Fast eine Milliarde Euro an Friedhofsgebühren

Besonders deutlich wird die Entwicklung bei den Kommunen.

Die Städte und Gemeinden der Flächenländer nahmen 2024 951,9 Millionen Euro aus Verwaltungs- und Benutzungsgebühren sowie ähnlichen Entgelten im Friedhofs- und Bestattungswesen ein. Zehn Jahre zuvor waren es noch 710,1 Millionen Euro.

Das entspricht einem Anstieg um 34,1 Prozent.

Nun lässt sich aus höheren Einnahmen nicht automatisch schließen, dass einzelne Friedhofsgebühren um denselben Betrag gestiegen sind, denn auch Sterbefallzahlen und kommunale Gebührenmodelle spielen eine Rolle. Dennoch zeigt die Größenordnung, wie stark sich die finanzielle Dimension des letzten Gangs verändert hat.

Für Angehörige kommt hinzu, dass Friedhofsgebühren nur ein Teil der Rechnung sind. Bestatter, Sarg oder Urne, Grabstein, Trauerfeier und weitere Leistungen kommen hinzu.

Und irgendwann steht unter all dem eine Summe.

Wenn Angehörige die Rechnung nicht tragen können

Nicht jede Familie kann diese Kosten aus dem Nachlass oder dem eigenen Einkommen bezahlen. In solchen Fällen können Sozialhilfeträger notwendige Bestattungskosten übernehmen.

2025 geschah das bei rund 15.400 Personen. Insgesamt wurden dafür brutto 51,6 Millionen Euro ausgegeben. Im längerfristigen Vergleich sind diese Ausgaben rückläufig.

Gerade vor dem Hintergrund der angespannten kommunalen Finanzen ist diese Entwicklung bemerkenswert. Die Kommunen schlossen 2025 insgesamt mit einem Rekorddefizit von 31,9 Milliarden Euro ab.

Sterbegeldversicherung gewinnt an Bedeutung

Gerade weil die Kosten des letzten Gangs steigen und sich kaum verschieben lassen, gewinnt die Sterbegeldversicherung an Bedeutung. Sie ist kein spektakuläres Produkt und steht selten im Mittelpunkt der Vorsorgeberatung, erfüllt aber genau dort ihren Zweck, wo Angehörige in kurzer Zeit mit einer Rechnung konfrontiert werden, die sich nicht vermeiden lässt.

Viele Verträge wurden vor Jahren mit festen Summen abgeschlossen. Doch eine Versicherungssumme bleibt nominal gleich, während Bestatterleistungen, Friedhofsgebühren und Begräbnisartikel teurer werden.

Damit verändert sich leise, aber stetig das Verhältnis zwischen Vorsorge und tatsächlicher Rechnung.

Eine Versicherungssumme, die vor zehn Jahren ausreichend erschien, muss heute nicht zwangsläufig zu niedrig sein. Sie kann es aber werden, wenn sich die Kosten über Jahre schneller entwickeln als ursprünglich angenommen.

Für Vermittler liegt genau dort der sinnvollere Beratungsansatz: nicht automatisch mehr Versicherung zu verkaufen, sondern zu prüfen, was vorhandene Vorsorge heute tatsächlich noch abdeckt und welche Mittel daneben zur Verfügung stehen.

Denn am Ende ist eine Bestattung eine jener Ausgaben, bei denen Theorie und Wirklichkeit ziemlich schnell aufeinandertreffen.

Für Angehörige kommt die finanzielle Belastung in einer Situation hinzu, in der ohnehin wenig Raum für nüchterne Entscheidungen bleibt. Gerade deshalb gewinnt Vorsorge an Bedeutung: nicht um Trauer in Zahlen zu übersetzen, sondern um wenigstens einen Teil der organisatorischen und finanziellen Last abzufangen.

Quellen: Statistisches Bundesamt- DESTATIS

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Die Energiepreise geben nach, doch Millionen Haushalte bleiben finanziell unter Druck. Die Zahlungsrückstände zeigen, warum aus dem Energiepreisschock zunehmend eine Einkommens- und Liquiditätsfrage wird.Die Energiepreise geben nach, doch Millionen Haushalte bleiben finanziell unter Druck. Die Zahlungsrückstände zeigen, warum aus dem Energiepreisschock zunehmend eine Einkommens- und Liquiditätsfrage wird.Experten/KI
Verbraucher

Zahlungsrückstände bei Energie: Die Krise ist aus der Statistik nicht verschwunden

Trotz sinkender Energiepreise leben 3,8 Millionen Menschen in Haushalten mit Zahlungsrückständen. Besonders betroffen sind Mieter.
Das Elterngeld wird inzwischen immer häufiger genutzt: Laut Destatis haben rund 1,61 Millionen Frauen und Männer in Deutschland im Jahr 2025 Elterngeld erhalten.Das Elterngeld wird inzwischen immer häufiger genutzt: Laut Destatis haben rund 1,61 Millionen Frauen und Männer in Deutschland im Jahr 2025 Elterngeld erhalten.smpratt90 / pixabay
Verbraucher

Elterngeld: Warum viele Familien auf Tausende Euro verzichten

Basiselterngeld oder Elterngeld Plus? Viele Familien schöpfen ihre Ansprüche offenbar nicht optimal aus. Laut Finanztip können je nach Modellwahl und Teilzeitplanung Unterschiede von mehreren Tausend Euro entstehen. Gleichzeitig sorgt die politische Debatte um Einkommensgrenzen und mögliche Kürzungen weiter für Unsicherheit.
Blumen-Beerdigung-4839339-AS-keesluisingBlumen-Beerdigung-4839339-AS-keesluisingkeesluising – pixabay.com
Assekuranz

Neuer Bestattungskostenindex sorgt für Transparenz

Kosten sind auch im Bestattungswesen ein wichtiges Thema. Die Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas e.V. hat daher in Kooperation mit DELA Lebensversicherungen einen neuen Bestattungskostenindex entwickelt. Dieser hilft Maklern und ihren Kunden dabei, die Bestattungsvorsorge regelmäßig auf mögliche Kostensteigerungen und notwendige Anpassungen hin zu überprüfen. Der Index steht exklusiv den Kunden und Vertriebspartnern der DELA zur Verfügung.
Millionen Haushalte in Deutschland heizen weiterhin mit Öl. Doch die Heizölpreise sind innerhalb eines Jahres drastisch gestiegen. Wie setzt sich der Preis zusammen, welchen Anteil haben staatliche Abgaben und warum bleibt Heizöl trotz schwankender Rohölpreise so teuer?Millionen Haushalte in Deutschland heizen weiterhin mit Öl. Doch die Heizölpreise sind innerhalb eines Jahres drastisch gestiegen. Wie setzt sich der Preis zusammen, welchen Anteil haben staatliche Abgaben und warum bleibt Heizöl trotz schwankender Rohölpreise so teuer?experten.de, KI-generiert
Verbraucher

Heizöl fast doppelt so teuer wie vor einem Jahr

Wer seinen Heizöltank vor dem Winter auffüllen muss, zahlt derzeit fast doppelt so viel wie noch vor einem Jahr. Dabei sind weiterhin Millionen Haushalte auf Ölheizungen angewiesen. Warum ist Heizöl so teuer geworden, welchen Anteil haben Steuern und CO₂-Preis und weshalb führt selbst günstigeres Rohöl nicht automatisch zu sinkenden Heizkosten?

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

Beihilfe im Wandel
Ausgabe 10/26

Beihilfe im Wandel

Dr. Günther Blaich, Dr. Gerd Sautter und Fabian Ober - INTER
"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht