Elterngeld: Warum viele Familien auf Tausende Euro verzichten
Basiselterngeld oder Elterngeld Plus? Viele Familien schöpfen ihre Ansprüche offenbar nicht optimal aus. Laut Finanztip können je nach Modellwahl und Teilzeitplanung Unterschiede von mehreren Tausend Euro entstehen. Gleichzeitig sorgt die politische Debatte um Einkommensgrenzen und mögliche Kürzungen weiter für Unsicherheit.
Die Diskussion um das Elterngeld bleibt politisch und gesellschaftlich aufgeladen. Während zuletzt sinkende Einkommensgrenzen und mögliche Einschnitte für Verunsicherung sorgten, weist der Geldratgeber Finanztip auf ein anderes Problem hin: Viele Eltern nutzen ihre Ansprüche offenbar nicht optimal aus. Je nach Kombination aus Basiselterngeld, Elterngeld Plus und Teilzeitbeschäftigung könnten Familien mehrere Tausend Euro mehr erhalten. „Viele Eltern entscheiden sich einfach für das klassische Basiselterngeld. Je nach geplantem Wiedereinstieg in den Job und Teilzeitgehalt kann Elterngeld Plus oder eine Kombination mit dem Basiselterngeld Familien insgesamt mehrere Tausend Euro mehr bringen“, sagt Dr. Britta Schön, Rechtsexpertin bei Finanztip.
Teilzeit kann finanzielle Vorteile bringen
Wie stark sich die Wahl des Modells auswirken kann, zeigen mehrere Beispielrechnungen von Finanztip. Besonders relevant wird die Entscheidung demnach bei einem geplanten Wiedereinstieg in Teilzeit während der Elternzeit. Bei einem vorherigen Nettogehalt von 2.200 Euro und einem Teilzeit-Netto von 1.100 Euro nach sechs Monaten bringt Elterngeld Plus laut Finanztip rund 4.300 Euro mehr als reines Basiselterngeld. In anderen Konstellationen kann wiederum eine Kombination beider Modelle sinnvoller sein.
So komme eine Familie mit:
- zunächst Basiselterngeld,
- und anschließend Elterngeld Plus ab Wiedereinstieg
bei einem Teilzeit-Netto von 1.500 Euro insgesamt auf 14.040 Euro. Das seien rund 2.700 Euro mehr als beim ausschließlichen Basiselterngeld.
Nicht immer macht die Wahl einen Unterschied
Es gibt allerdings auch Fälle, in denen Basiselterngeld und Elterngeld Plus in der Gesamtsumme identisch ausfallen. Bei einem Nettogehalt von 2.800 Euro vor der Geburt und ohne geplanten Wiedereinstieg erhalten Eltern laut Finanztip:
- entweder zwölf Monate lang 1.800 Euro Basiselterngeld,
- oder 24 Monate lang 900 Euro Elterngeld Plus.
Die Gesamtsumme bleibt mit 21.600 Euro identisch. „Wer Unterstützung über einen längeren Zeitraum möchte, kann Elterngeld Plus nutzen, ohne in der Summe weniger zu bekommen“, erklärt Schön.
Immer mehr Familien nutzen Elterngeld Plus
Die Bedeutung flexibler Modelle wächst offenbar weiter. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts erhielten 2025 rund 1,61 Millionen Menschen in Deutschland Elterngeld. Der Anteil der Beziehenden von Elterngeld Plus erreichte dabei mit 40,3 Prozent einen neuen Höchststand. Das deutet darauf hin, dass sich Familien zunehmend mit Teilzeitmodellen und flexibleren Varianten der Elternzeit beschäftigen.
Politische Debatte sorgt für Unsicherheit
Gleichzeitig steht das Elterngeld politisch weiter unter Druck. Die Einkommensgrenze wurde zuletzt mehrfach abgesenkt:
- für Geburten ab April 2024 auf 200.000 Euro zu versteuerndes Einkommen,
- für Geburten ab April 2025 auf 175.000 Euro.
Zudem sorgt die Debatte um mögliche Kürzungen oder ausbleibende Anpassungen an die Inflation für Unsicherheit bei vielen Familien. Dabei hatten Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag ursprünglich eine Erhöhung des Elterngelds in Aussicht gestellt.
Steuerklassenwechsel kann zusätzlichen Effekt haben
Nach Einschätzung von Finanztip können verheiratete Paare ihren Anspruch teilweise zusätzlich optimieren. „Verheiratete Paare können ihren Anspruch zusätzlich erhöhen, indem der betreuende Elternteil so früh wie möglich in Steuerklasse 3 wechselt“, sagt Britta Schön. Dies lohne sich allerdings nur für Elternteile mit einem Nettoeinkommen unterhalb von etwa 2.770 Euro.
Elterngeld wird komplexer
Die Beispiele zeigen zugleich, wie komplex die optimale Gestaltung von Elterngeld inzwischen geworden ist. Neben der Frage nach Basiselterngeld oder Elterngeld Plus spielen inzwischen auch Teilzeitmodelle, Steuerklassen, Wiedereinstiegszeitpunkte und Einkommensgrenzen eine immer größere Rolle.
Gerade deshalb dürften digitale Rechner und Beratungsangebote künftig weiter an Bedeutung gewinnen.
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