Teures Tanken: Wo Autofahrer tatsächlich Sprit sparen können
Die Kraftstoffpreise liegen auf Rekordniveau. Autofahrer können daran wenig ändern – am Verbrauch ihres Fahrzeugs dagegen schon. Einige Sparmaßnahmen bringen allerdings deutlich mehr als andere. Schon etwas weniger Tempo kann den Verbrauch zweistellig senken. Und an einer anderen Stelle kosten bereits 0,5 bar Unterschied rund fünf Prozent Energie.
Tanken ist teuer geworden. Im August 2026 kostete ein Liter Super E10 nach Angaben des ADAC im bundesweiten Monatsdurchschnitt 2,145 Euro. Diesel kam auf 2,223 Euro je Liter. Für Super E10 war es sogar der höchste Monatsdurchschnitt seit Beginn der entsprechenden ADAC-Aufzeichnungen. Anfang September ging die Entwicklung zunächst weiter nach oben. Am 9. September meldete der Automobilclub gegenüber der Vorwoche einen Anstieg um 7,6 Cent bei Super E10 und 8,9 Cent bei Diesel.
An der Preisbildung auf den Kraftstoffmärkten können einzelne Autofahrer wenig ändern. Beim Verbrauch des eigenen Fahrzeugs gibt es dagegen einige Stellschrauben. Die Verti Versicherung AG hat dazu eine Reihe von Spartipps zusammengestellt. Ein Abgleich mit Daten des Umweltbundesamtes (UBA) zeigt: Hinter einigen vermeintlichen Kleinigkeiten stecken durchaus relevante Einsparpotenziale.
Weniger Tempo bringt einen messbaren Effekt
„Viele Autofahrer denken beim Kraftstoffsparen zuerst an den Motor. Tatsächlich liegen die größten Einsparpotenziale oft in der Fahrweise“, sagt Alexander Held, Kfz- und Versicherungsexperte bei der Verti Versicherung AG. „Wer vorausschauend unterwegs ist, früh hochschaltet und auf der Autobahn gemäßigt fährt, kann den Verbrauch deutlich senken. Gerade bei den aktuell hohen Kraftstoffpreisen macht sich das schnell bemerkbar.“
Wie groß der Unterschied sein kann, beziffert das Umweltbundesamt: Fährt ein Auto auf derselben Strecke mit 100 statt mit 120 Kilometern pro Stunde, sinkt der Energieverbrauch demnach um rund 15 Prozent.
Auch gleichmäßiges und vorausschauendes Fahren hilft. Wer ausreichend Abstand hält, muss seltener stark abbremsen und anschließend wieder beschleunigen. Bei Fahrzeugen mit Schaltgetriebe empfiehlt das UBA zudem, früh hochzuschalten und mit niedrigen Drehzahlen zu fahren.
0,5 bar zu wenig Reifendruck kosten rund fünf Prozent
Eine zweite Stellschraube lässt sich überprüfen, ohne auch nur einen Kilometer zu fahren: der Reifendruck. Liegt er 0,5 bar unter dem vom Hersteller empfohlenen Wert, steigt der Energieverbrauch laut Umweltbundesamt um etwa fünf Prozent. Gleichzeitig erhöht ein zu geringer Reifendruck den Reifenverschleiß und kann zum Sicherheitsrisiko werden. „Ein korrekter Reifendruck, regelmäßig gewartete Fahrzeugtechnik sowie der Verzicht auf unnötigen Ballast senken den Verbrauch“, erklärt Held. Der richtige Reifendruck ist damit keine bloße Sparmaßnahme, sondern verbindet Wirtschaftlichkeit und Verkehrssicherheit.
Dachbox und Fahrradträger können den Verbrauch kräftig erhöhen
Noch größer kann der Effekt von Aufbauten auf dem Fahrzeug sein. Dachboxen, Gepäck- und Fahrradträger erhöhen den Luftwiderstand – insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten. Nach Angaben des Umweltbundesamtes kann ein Dachgepäckträger bei Tempo 130 den Energieverbrauch um bis zu 25 Prozent erhöhen. Bei Fahrradträgern auf dem Dach nennt die Behörde je nach Fahrsituation Mehrverbräuche zwischen sieben und 32 Prozent. Wer Dachbox oder Träger nach dem Urlaub oder Wochenendausflug nicht mehr benötigt, kann deshalb vergleichsweise einfach Verbrauch reduzieren. Bei etwas zusätzlichem Gepäck im Kofferraum ist der Effekt dagegen deutlich geringer als bei Aufbauten, die unmittelbar den Luftwiderstand verändern.
Klimaanlage und andere Verbraucher gezielt einsetzen
Auch Klimaanlage, Heckscheibenheizung und andere elektrische Verbraucher benötigen Energie. Sie deshalb grundsätzlich nicht zu benutzen, wäre allerdings der falsche Schluss. Bei Hitze dient eine angemessen eingesetzte Klimaanlage nicht zuletzt der Konzentration und damit der Fahrsicherheit. Sinnvoll ist vielmehr, Nebenverbraucher dann einzusetzen, wenn sie tatsächlich gebraucht werden. Das Umweltbundesamt empfiehlt beispielsweise, Klimaanlage und andere Nebenaggregate bedarfsgerecht zu nutzen. Das gilt ebenso für die Fahrzeugtechnik insgesamt: Ein gut gewartetes Fahrzeug arbeitet nicht nur effizienter. Regelmäßig kontrollierte Reifen, Bremsen und andere sicherheitsrelevante Komponenten können zugleich das Unfallrisiko verringern.
Kurzstrecken und unnötige Fahrten vermeiden
Auch die einzelne Fahrt bietet Einsparpotenzial. Mehrere Erledigungen zu verbinden, vermeidet zusätzliche Wege. Sehr kurze Strecken lassen sich – soweit die persönlichen Umstände und die vorhandene Infrastruktur es erlauben – teilweise zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Das ist insbesondere deshalb relevant, weil Verbrennungsmotoren auf Kurzstrecken häufig nicht ihre optimale Betriebstemperatur erreichen. Der Verbrauch fällt dann vergleichsweise hoch aus. Für Berufspendler können außerdem Fahrgemeinschaften eine Möglichkeit sein, die individuellen Mobilitätskosten zu senken. Der Kraftstoffverbrauch des Autos selbst wird dadurch zwar nicht geringer, die Kosten verteilen sich aber auf mehrere Personen.
Auch beim Tanken selbst lässt sich sparen
Nicht nur der Verbrauch, auch der Preis pro Liter lässt sich zumindest teilweise beeinflussen. Kraftstoffpreise unterscheiden sich zwischen Tankstellen und schwanken zudem im Tagesverlauf. Der ADAC empfiehlt derzeit, nach Möglichkeit kurz vor 12 Uhr zu tanken. Nach seinen Auswertungen liegen die Preise zu diesem Zeitpunkt im Tagesverlauf häufig besonders niedrig. Tankstellen-Apps ermöglichen zusätzlich einen Vergleich der Preise in der Umgebung. Dabei lohnt es sich, für wenige Cent Preisunterschied keine langen Umwege zu fahren. Was beim Literpreis gespart wird, kann sonst durch den zusätzlichen Kraftstoffverbrauch schnell wieder verloren gehen.
Nicht jeder Spartipp bringt gleich viel
Kraftstoffkosten lassen sich nicht mit einem einzelnen Trick halbieren. Die Größenordnungen zeigen aber, dass einige Maßnahmen weit mehr sind als symbolische Sparübungen. Wer auf der Autobahn das Tempo reduziert, kann den Verbrauch deutlich beeinflussen. Ein korrekter Reifendruck verhindert unnötigen Mehrverbrauch. Und nicht benötigte Dachaufbauten zu entfernen, kann insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten einen erheblichen Unterschied machen.
Der Vorteil: Für diese Maßnahmen muss kein neues Fahrzeug angeschafft werden. Sie setzen dort an, wo Autofahrer trotz hoher Kraftstoffpreise tatsächlich selbst Einfluss haben – beim Verbrauch des Autos, das bereits vor der Tür steht.
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