Wie lange muss Altersvorsorge reichen? DAV-Rechner zeigt die statistische Lebenserwartung
Wie lange muss das angesparte Vermögen im Ruhestand reichen? Ein neuer Lebenserwartungsrechner der Deutschen Aktuarvereinigung liefert dafür eine statistische Orientierung. Besonders deutlich wird dabei, warum der Durchschnitt allein für die Vorsorgeplanung nicht genügt.
Wer Altersvorsorge plant, muss eine entscheidende Größe berücksichtigen, die sich nicht vorhersagen lässt: die eigene Lebensdauer. Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) stellt dafür einen Lebenserwartungsrechner bereit, der anhand von Alter und Geschlecht die statistische Lebenserwartung ermittelt. Für Vermittler kann das Tool einen anschaulichen Einstieg in die Frage bieten, über welchen Zeitraum Vermögen oder Rentenleistungen im Ruhestand benötigt werden könnten.
Der Rechner benötigt lediglich Angaben zu Geschlecht und aktuellem Alter. Das Ergebnis ist allerdings ausdrücklich keine Prognose der individuellen Lebensdauer, sondern ein statistischer Durchschnittswert. Faktoren wie Lebensstil, Gesundheitszustand oder sozioökonomische Bedingungen können dazu führen, dass die tatsächliche Lebensdauer erheblich davon abweicht.
Aus 92 Jahren können auch 99 werden
Wie groß die Spannweite sein kann, zeigt die DAV am Beispiel einer heute 62-jährigen Frau. Ihre statistische Lebenserwartung liegt demnach bei rund 92 Jahren – sie hat durchschnittlich also noch etwa 30 Lebensjahre vor sich. Von 100 heute 62-jährigen Frauen erreichen statistisch rund 80 ihren 85. Geburtstag. Rund 20 werden sogar mindestens 99 Jahre alt.
Gerade für die Altersvorsorge ist diese Verteilung wichtiger als der Durchschnittswert allein. Wer ausschließlich bis zur statistischen Lebenserwartung plant, berücksichtigt nicht das Risiko, erheblich länger zu leben und entsprechend länger auf Einkommen oder angespartes Vermögen angewiesen zu sein.
Auch bei jüngeren Menschen zeigt sich die Dimension. Für einen 25-jährigen Berufseinsteiger weist der Rechner eine statistische Lebenserwartung von rund 90 Jahren aus. Damit können zwischen Berufseinstieg und Lebensende mehr als sechs Jahrzehnte liegen. Dr. Volker Priebe, Vorsitzender des Ausschusses Lebensversicherung und Vorstand Lebensversicherung der DAV, sieht gerade in der häufigen Orientierung an Eltern und Großeltern ein Problem. Weil die Lebenserwartung langfristig gestiegen sei, werde dadurch leicht unterschätzt, wie lange die finanzielle Vorsorge für das Alter tatsächlich reichen müsse.
Generationensterbetafel berücksichtigt künftige Entwicklung
Grundlage des Rechners ist die „Deutsche Aktuarvereinigung 2004 Rentensterbetafel“ (DAV2004R). Dabei handelt es sich um eine Rechnungsgrundlage, die insbesondere in der privaten Rentenversicherung verwendet wird. Einbezogen wurden Daten aus Rentenversicherungsbeständen deutscher Lebensversicherer, der deutschen Bevölkerungsstatistik und der gesetzlichen Rentenversicherung; hinzu kommt ein Vergleich mit internationalen Entwicklungen. Die aktuell verwendeten Ergebnisse basieren nach Angaben der DAV auf Berechnungen und Trendannahmen aus dem Jahr 2023.
Anders als eine reine Periodenbetrachtung berücksichtigt die zugrunde liegende Generationensterbetafel auch die erwartete künftige Entwicklung der Sterblichkeit. Medizinischer und gesellschaftlicher Fortschritt wird damit für unterschiedliche Geburtsjahrgänge hochgerechnet. Jüngere Jahrgänge können länger von solchen Entwicklungen profitieren.
Die DAV weist zugleich darauf hin, dass ihre errechneten Lebenserwartungen von den Werten des Statistischen Bundesamtes abweichen können. Ein Grund dafür sind die unterschiedlichen betrachteten Personengruppen: Die DAV verwendet unter anderem Daten von Rentenversicherten, während die amtliche Statistik die Gesamtbevölkerung betrachtet.
Für die Beratung liegt der Nutzen des Rechners deshalb weniger in einer vermeintlich exakten Antwort auf die Frage „Wie alt werde ich?“. Interessanter ist die umgekehrte Frage: Wie lange könnte die Altersvorsorge reichen müssen, wenn der Kunde deutlich älter wird als der statistische Durchschnitt?
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