Inflation, Stagflation – oder doch Aufschwung? Die Erholung bekommt einen Dämpfer

Veröffentlichung: 02.09.2026, 15:09 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Langsam kehrt der Optimismus zurück. Unternehmen und Mittelstand beginnen wieder vorsichtiger nach vorn zu schauen, Erwartungen stabilisieren sich. Und ausgerechnet jetzt meldet sich ein Problem zurück, das Deutschland wirtschaftlich gerade hinter sich lassen wollte: die Inflation.

(PDF)
Stagflation? Inflation? Oder doch Aufschwung? Gerade kehrt der Optimismus in Wirtschaft und Mittelstand zurück – da steigt die Inflation auf 2,9 Prozent. Noch ist das keine neue Inflationsspirale. Aber der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein.Stagflation? Inflation? Oder doch Aufschwung? Gerade kehrt der Optimismus in Wirtschaft und Mittelstand zurück – da steigt die Inflation auf 2,9 Prozent. Noch ist das keine neue Inflationsspirale. Aber der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein.Experten/KI

Im August 2026 steigen die Verbraucherpreise nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Juli waren es 2,8 Prozent, im Juni 2,3 Prozent. Besonders auffällig ist die Energie: Sie verteuert sich binnen Jahresfrist um 10,5 Prozent.

Stagflation? Neue Inflationswelle? Oder nur ein vorübergehender Ausschlag? Für eine eindeutige Diagnose ist es zu früh. Aber der Zeitpunkt könnte für die deutsche Wirtschaft kaum ungünstiger sein.

Noch keine neue Inflationsspirale

Die 2,9 Prozent allein erzählen nur die halbe Geschichte. Denn unterhalb der Gesamtinflation sieht das Bild weniger bedrohlich aus.

Die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie liegt unverändert bei 2,4 Prozent. Die Dienstleistungsinflation geht sogar von 2,9 auf 2,8 Prozent zurück. Nahrungsmittel verteuern sich gegenüber dem Vorjahr lediglich um 0,1 Prozent.

Das spricht gegen eine bereits laufende neue Inflationsspirale. Der aktuelle Schub kommt vor allem von der Energie. Dort hat sich die Entwicklung allerdings deutlich beschleunigt: Nach 3,4 Prozent im Juni und 8,3 Prozent im Juli beträgt die Jahresteuerung im August bereits 10,5 Prozent.

Und genau daraus entsteht das Risiko.

Energie trifft eine Wirtschaft, die gerade wieder Vertrauen fasst

Energiepreise sind nicht irgendein Teil des Warenkorbs. Sie wirken in die Kostenstrukturen der gesamten Volkswirtschaft hinein: Produktion, Transport, Logistik, Gebäude, Dienstleistungen.

Bleibt Energie teuer, stehen Unternehmen erneut vor der alten Entscheidung: höhere Kosten selbst tragen, Preise erhöhen oder Investitionen verschieben.

Für den Mittelstand ist diese Unsicherheit besonders problematisch. Nach Jahren mit Energiekrise, Inflation, steigenden Zinsen und schwacher Konjunktur braucht eine wirtschaftliche Erholung vor allem eines: wieder verlässlichere Kalkulationsgrundlagen.

Genau diese könnten nun erneut unter Druck geraten.

Das macht den aktuellen Inflationsanstieg konjunkturell bedeutsamer, als die Differenz zwischen 2,8 und 2,9 Prozent zunächst vermuten lässt.

Die gefährliche Kombination

Von Stagflation zu sprechen wäre derzeit zu weit gegriffen. Dafür müsste sich eine Kombination aus schwachem Wachstum und anhaltend hoher Inflation verfestigen.

Aber genau diese Konstellation bleibt das Szenario, das wirtschaftspolitisch besonders unangenehm wäre.

Denn gegen eine schwache Konjunktur helfen grundsätzlich niedrigere Finanzierungskosten und stärkere Nachfrage. Gegen Inflation wirkt tendenziell das Gegenteil. Treffen beide Probleme gleichzeitig aufeinander, schrumpft der wirtschaftspolitische Handlungsspielraum.

Für Unternehmen entsteht derselbe Konflikt auf betrieblicher Ebene: Investitionen wären notwendig, um Produktivität und Wachstum zu erhöhen. Werden Energie, Finanzierung und andere Kosten gleichzeitig schwerer kalkulierbar, steigt jedoch der Anreiz, Entscheidungen aufzuschieben.

So kann Inflation Wachstum bremsen, noch bevor sie selbst wieder zu einem flächendeckenden Problem geworden ist.

Jetzt entscheidet sich, ob Energie auf andere Preise überspringt

Deshalb werden die kommenden Monate wichtiger als die August-Zahl selbst.

Bleiben Kerninflation und Dienstleistungspreise stabil oder gehen weiter zurück, dürfte sich der aktuelle Energieeffekt als begrenzter Preisschub einordnen lassen.

Problematisch wird es, wenn Unternehmen höhere Energiekosten zunehmend weitergeben, daraus neue Lohnforderungen entstehen und sich zugleich die Inflationserwartungen wieder nach oben bewegen.

Dann würde aus einem Energieproblem schrittweise wieder ein Inflationsproblem.

Noch zeigen die Daten diesen Prozess nicht. Aber sie zeigen, wo er beginnen könnte.

Der Aufschwung braucht mehr als Optimismus

Die deutsche Wirtschaft befindet sich damit in einer empfindlichen Phase. Gerade wenn Unternehmen wieder mehr Vertrauen entwickeln, kommt es darauf an, dass aus besseren Erwartungen Investitionen werden.

Inflation wirkt in dieser Situation nicht nur über höhere Preise. Sie wirkt über Unsicherheit.

Wer nicht weiß, wie sich Energie-, Finanzierungs- und Absatzkosten entwickeln, kalkuliert vorsichtiger. Wer vorsichtiger kalkuliert, investiert später. Und wenn viele Unternehmen gleichzeitig warten, verliert eine beginnende Erholung an Kraft.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Mehr Vertrauen in die Regierung, aber unverändert viel Frust über Bürokratie: Das aktuelle KMU-Stimmungsbarometer 2025 zeigt ein gemischtes Bild des Mittelstands.Mehr Vertrauen in die Regierung, aber unverändert viel Frust über Bürokratie: Das aktuelle KMU-Stimmungsbarometer 2025 zeigt ein gemischtes Bild des Mittelstands.DALL-E
Wirtschaft

KMU-Stimmungsbarometer 2025: Mittelstand fordert Kursbestätigung und weniger Bürokratie

Mehr Vertrauen in die Regierung, aber unverändert viel Frust über Bürokratie: Das aktuelle KMU-Stimmungsbarometer 2025 zeigt ein gemischtes Bild des Mittelstands. Versicherer und Politik stehen vor der Aufgabe, aus vorsichtigem Optimismus nachhaltige Investitionsdynamik zu machen.
Die Stimmung dreht, die Unsicherheit sinkt. Doch Deutschlands Wirtschaft ist noch nicht im Aufschwung. Jetzt müssen aus besseren Erwartungen Aufträge und Investitionen werden.Die Stimmung dreht, die Unsicherheit sinkt. Doch Deutschlands Wirtschaft ist noch nicht im Aufschwung. Jetzt müssen aus besseren Erwartungen Aufträge und Investitionen werden.Experten/KI
Wirtschaft

Ifo-Index dreht nach oben: Jetzt müssen die Aufträge folgen

Der ifo-Geschäftsklimaindex steigt im August auf 88,8 Punkte. Die Erwartungen drehen – doch für einen Aufschwung müssen Aufträge und Investitionen folgen.
Die Inflation steigt wieder auf 2,8 Prozent. Ursache ist nicht eine stärkere Nachfrage, sondern der erneute Preisschub bei Energie. Das verändert Erwartungen, Investitionen und die geldpolitische Lage.Die Inflation steigt wieder auf 2,8 Prozent. Ursache ist nicht eine stärkere Nachfrage, sondern der erneute Preisschub bei Energie. Das verändert Erwartungen, Investitionen und die geldpolitische Lage.Experten/ KI
Wirtschaft

Inflation im Juli 2026: Energie verteuert sich erneut – struktureller Kostendruck kehrt zurück

Deutschlands Inflationsrate steigt im Juli 2026 auf 2,8 Prozent. Energiepreise legen um 8,3 Prozent zu und werden erneut zum wichtigsten Inflationstreiber. Analyse der wirtschaftlichen Folgen.
Die EZB hält die Zinsen stabil. Doch die eigentliche Belastung für Unternehmen entsteht längst nicht mehr durch das Zinsniveau, sondern durch die Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs.Die EZB hält die Zinsen stabil. Doch die eigentliche Belastung für Unternehmen entsteht längst nicht mehr durch das Zinsniveau, sondern durch die Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs.European Central Bank
Wirtschaft

Die EZB kauft Zeit – und verlängert die Investitionsflaute

Die EZB belässt die Leitzinsen unverändert. Nicht das Zinsniveau, sondern die Unsicherheit über den weiteren Kurs belastet Investitionen, Bauwirtschaft und Kreditmärkte.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht