Ifo-Index dreht nach oben: Jetzt müssen die Aufträge folgen
Der ifo-Geschäftsklimaindex steigt im August deutlich von 86,7 auf 88,8 Punkte. Die Unternehmen bewerten sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Aussichten besser. Gleichzeitig nimmt die Unsicherheit weiter ab. Das ist ein belastbares Signal für eine konjunkturelle Stabilisierung – aber noch kein Aufschwung.
Seit dem Tief im April hat der Geschäftsklimaindex 4,3 Punkte gewonnen. Noch stärker fällt die Wende bei den Erwartungen aus: Sie steigen von 83,6 auf 89,1 Punkte. Auch die Lagebeurteilung erreicht mit 88,5 Punkten den höchsten Stand der vergangenen zwölf Monate.
Die entscheidende Veränderung liegt damit nicht im Niveau, sondern in der Richtung: Unternehmen rechnen wieder eher mit Verbesserung, statt nur weitere Verschlechterungen einzupreisen.
Industrie dreht – aber die Nachfrage hinkt hinterher
Das stärkste Signal kommt aus dem Verarbeitenden Gewerbe. Der Geschäftsklimasaldo verbessert sich von minus 9,6 auf minus 4,2 Punkte. Im April waren es noch minus 15,6 Punkte. Die Unternehmen bewerten ihre laufenden Geschäfte deutlich besser und wollen ihre Produktion in den kommenden drei Monaten erhöhen.
Doch ausgerechnet an der entscheidenden Stelle bleibt die Schwäche bestehen: Die Unternehmen sind mit ihrer Auftragslage weiterhin unzufrieden.
Damit laufen Produktionsabsichten und Nachfrage noch auseinander. Kurzfristig lässt sich die Produktion mit vorhandenen Kapazitäten hochfahren. Für neue Investitionen braucht es dagegen die Erwartung dauerhaft steigender Aufträge. Erst wenn diese folgen, wird aus besserer Stimmung eine belastbare industrielle Erholung.
Noch deutlicher dreht der Blick ins Ausland. Die ifo-Exporterwartungen springen im August von minus 2,8 auf plus 9,6 Punkte – auf den höchsten Stand seit Februar 2022. Vor allem Elektroindustrie, Elektronik und inzwischen auch die Automobilindustrie rechnen mit steigenden Ausfuhren. Die regionale Spaltung bleibt allerdings groß: Während die Exporte in die EU nach Einschätzung des ifo kräftig anziehen, bleibt China schwach. Damit könnte ausgerechnet die Auslandsnachfrage zum ersten Belastungstest der industriellen Erholung werden.
Die Erholung wird breiter
Positiv ist, dass die Verbesserung inzwischen alle großen Wirtschaftsbereiche erreicht. Bei den Dienstleistungen steigt der Saldo auf minus 2,1 Punkte, im Handel auf minus 20,5 und im Bau auf minus 16,5 Punkte.
Die Unterschiede bleiben jedoch erheblich. IT-Dienstleister werden zuversichtlicher, Transport und Logistik bleiben schwach. Im Bau beruht die Verbesserung ausschließlich auf weniger pessimistischen Erwartungen; die aktuelle Lage wird sogar etwas schlechter beurteilt.
Das zeigt auch die ifo-Konjunkturuhr: Deutschland bewegt sich deutlich in Richtung Erholung, befindet sich aber weiterhin im Krisenquadranten.
Weniger Unsicherheit kann Investitionen lösen
Für die weitere Entwicklung ist deshalb ein zweiter Befund entscheidend: Die Geschäftsunsicherheit sinkt. Unternehmen können ihre Entwicklung wieder besser einschätzen.
Ökonomisch ist das relevant. Hohe Unsicherheit macht Abwarten attraktiv: Investitionen werden verschoben, Einstellungen vertagt, Produktionspläne vorsichtiger kalkuliert. Sinkt die Unsicherheit, verliert diese Strategie an Wert.
Genau darin liegt das Potenzial der aktuellen Entwicklung. Aus besseren Erwartungen können Investitionen werden – vorausgesetzt, Nachfrage und Aufträge bestätigen den Optimismus.
Bemerkenswert ist, dass die Stimmung trotz erneut steigender Energiepreise dreht. Die Kostenbelastung ist damit nicht verschwunden. Sie dominiert die unternehmerische Erwartungsbildung aber offenbar nicht mehr vollständig.
Der Stimmung folgt jetzt der Belastungstest
Die August-Daten markieren eine klare Verbesserung: Erwartungen steigen, Unsicherheit sinkt und die Erholung gewinnt sektorale Breite. Gleichzeitig bleiben die Geschäftsklimasalden in allen vier Wirtschaftsbereichen negativ. Vor allem die schwache Auftragslage begrenzt die Aussagekraft des Stimmungsumschwungs.
Für die Wirtschaftspolitik verschiebt sich damit die Aufgabe. Weniger gefragt sind kurzfristige Stimmungsimpulse als verlässliche Bedingungen für Investitionen. Denn staatliche Entlastungen können Kosten vorübergehend senken. Aufträge und dauerhaft rentable Investitionen können sie nicht ersetzen.
Die Stimmung dreht. Ob die Wirtschaft folgt, entscheidet sich jetzt nicht am nächsten ifo-Wert, sondern an Aufträgen und Investitionen.
Quelle: basierend auf Daten des ifo Instituts, ifo Konjunkturumfragen, August 2026.
Themen:
LESEN SIE AUCH
Deutsche Wirtschaft: Die schlechten Nachrichten kommen noch – die besseren hoffentlich auch
Bundesbank warnt vor neuer Stagnationsphase
Sehnsucht nach Aufschwung
Opec bricht auf: Warum der Emirate-Ausstieg Deutschlands größtes Energieproblem verschärft
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
95 Milliarden Euro mehr für Verteidigung: Warum daraus kein Wirtschaftswunder wird
Inflation bei 2,8 Prozent: Die Rechnung kommt nach dem Tankrabatt
Der Fachkräftemangel wird nicht gelöst – er wird automatisiert
Duale Berufsausbildung 2025: Weniger Verträge, mehr internationale Auszubildende – der Ausbildungsmarkt verändert seine Struktur
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.
















