Insurgo stellt Führung neu auf: Felix Kugelmann folgt auf Gründer Yannick Leippold
Beim Maklerverwaltungsprogramm Insurgo steht ein Führungswechsel an: Felix Kugelmann übernimmt die operative Verantwortung, Gründer Yannick Leippold scheidet Ende September aus der Geschäftsführung aus. Kugelmann bringt dabei eine ungewöhnliche Perspektive mit – vom Versicherer über Insurtech und Softwareunternehmen bis zum eigenen Maklerbetrieb. Der Wechsel erfolgt gut ein Jahr nach dem Einstieg des Private-Equity-Investors BID Equity und soll auch die weitere Entwicklung der Plattform vorantreiben.
Beim Berliner Anbieter Insurgo geht eine Gründerära zu Ende. Yannick Leippold scheidet zum 30. September 2026 aus der Geschäftsführung aus. Felix Kugelmann ist bereits in die Geschäftsführung eingetreten und soll die nächste Phase der Unternehmens- und Produktentwicklung prägen.
Der Wechsel ist dabei mehr als eine reine Personalentscheidung. Insurgo befindet sich bereits seit dem vergangenen Jahr in einem größeren Umbau. 2025 übernahm der auf B2B-Software spezialisierte Private-Equity-Investor BID Equity das Unternehmen als Ankerinvestment für eine neue Softwaregruppe im Versicherungs- und Finanzvermittlermarkt. Anschließend wurde Insurgo mit dem Maklerverwaltungsprogramm FINASS zusammengeführt. Ziel ist der Aufbau einer größeren, poolunabhängigen Softwareplattform für Vermittler.
Vom Versicherer über das Insurtech zum Makler
Für diese nächste Entwicklungsphase holt Insurgo einen Manager, der inzwischen mehrere Seiten des Versicherungsmarktes kennt. Kugelmann verfügt über mehr als 20 Jahre Branchenerfahrung. Seine Laufbahn begann bei der Bayerischen, später war er unter anderem bei der Allianz Privaten Krankenversicherung tätig.
Beim digitalen Krankenversicherer ottonova gehörte Kugelmann zum Aufbauteam. Dort verantwortete er unter anderem das Underwriting und übernahm zeitweise Verantwortung für den Vertrieb. Anschließend wechselte er in den Vorstand des Versicherungssoftware-Unternehmens iS2.
In seine Zeit bei iS2 fiel auch eine größere Neuordnung des Unternehmens. Anfang 2023 wurde die elektronische Signaturlösung inSign an BSI verkauft. Wenige Monate später veräußerte die Bayerische die iS2 AG an die teckpro AG. Im Zuge dieses Eigentümerwechsels schied Kugelmann einvernehmlich aus dem Vorstand aus.
Seit 2024 kennt er die Perspektive der Anwender auch aus eigener Praxis. Kugelmann ist selbst als Versicherungsmakler tätig und berät unter anderem zu privater Krankenversicherung und Vorsorge. Daneben ist er im Versicherungsbereich für die Immobilienwirtschaft aktiv.
Damit wechselt ein Manager an die Insurgo-Spitze, der Versicherer, Insurtechs und Softwareunternehmen nicht nur aus unterschiedlichen Führungsfunktionen kennt, sondern inzwischen selbst mit den Prozessen eines Maklerbetriebs arbeitet.
Insurgo soll über das klassische MVP hinauswachsen
Genau diese Anwenderperspektive stellt Kugelmann auch bei seiner neuen Aufgabe heraus. Sein Ziel sei es, Insurgo schrittweise von der klassischen Bestandsverwaltung zu einer umfassenderen Arbeitsplattform für Maklerunternehmen weiterzuentwickeln. „Insurgo hat heute schon ein starkes Produkt und ein außergewöhnlich engagiertes Team. Meine Ambition geht über die klassische Bestandsverwaltung hinaus: Wir wollen Insurgo Schritt für Schritt zu einer intelligenten Arbeitsplattform für Maklerunternehmen weiterentwickeln“, erklärt Kugelmann.
Dabei sollen insbesondere Automatisierung und KI administrative Tätigkeiten reduzieren. Mit Funktionen wie Postfach Plus, automatisierten Workflows und dem Insurgo Agent sind entsprechende Bausteine bereits vorhanden. Diese sollen in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Der angekündigte Entwicklungsschritt fügt sich zugleich in die Strategie des Eigentümers ein. BID Equity hatte bei der Übernahme angekündigt, Insurgo und FINASS gemeinsam systematisch auszubauen und um weitere Funktionen zu ergänzen. Der Investor verfolgt nach eigenen Angaben einen Buy-and-Build-Ansatz und konzentriert sich auf Mehrheitsbeteiligungen an B2B-Softwareunternehmen.
Eigentümerwechsel leitete neue Phase ein
Dass Insurgo inzwischen Teil einer größeren Investorenstrategie ist, markiert einen deutlichen Unterschied zu den Anfängen des Unternehmens. Leippold entwickelte die Software ursprünglich aus den Anforderungen des eigenen Makleralltags heraus und baute daraus ein cloudbasiertes Maklerverwaltungsprogramm auf. Nach Angaben von BID Equity zählt Insurgo mittlerweile mehr als 1.200 tägliche Nutzer. Für die Jahre 2022 bis 2024 weist der Investor ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 44 Prozent aus. Leippold selbst bezeichnet auf seiner persönlichen Internetseite den Verkauf von Insurgo an einen Private-Equity-Investor inzwischen ausdrücklich als abgeschlossen.
Die Registerdaten spiegeln die neue Struktur ebenfalls wider. Felix Kugelmann wurde Ende Juli 2026 als Geschäftsführer der Insurgo GmbH eingetragen. Auch bei der darüberstehenden Insurgo Group GmbH kam er im August in die Geschäftsführung. Der nun angekündigte Abschied Leippolds zum 30. September vollzieht damit auch personell den nächsten Schritt nach dem Eigentümerwechsel.
Vom Verwaltungsprogramm zur Prozessplattform
Für Insurgo dürfte sich nun zeigen, wie weit sich das klassische Maklerverwaltungsprogramm tatsächlich zu einer umfassenderen Arbeitsumgebung entwickeln lässt. Die technische Verwaltung von Kunden- und Vertragsdaten ist dabei zunehmend nur noch ein Teil der Aufgabe. Automatisierte Dokumentenverarbeitung, Workflows, Schnittstellen und KI-Funktionen sollen immer stärker unmittelbar in die Arbeitsprozesse der Maklerunternehmen eingreifen.
Kugelmann will seine ersten Monate deshalb auch für Gespräche mit den Anwendern nutzen. Statt mit einer langen Liste von Versprechen zu beginnen, wolle er zunächst herausfinden, an welchen Stellen Makler weiterhin unnötig Zeit verlieren und wie die Software nicht nur die Bestandsverwaltung, sondern die Entwicklung des gesamten Maklerunternehmens unterstützen könne.
Für Insurgo trifft dieser Anspruch auf eine besondere Konstellation: Hinter dem Unternehmen steht inzwischen ein Softwareinvestor mit erklärter Buy-and-Build-Strategie, an der Spitze ein Manager mit Versicherungs- und Softwareerfahrung, der zugleich selbst Makler ist.
Themen:
LESEN SIE AUCH
Vom KI-Copiloten zum autonomen Schadenfall: adesso übernimmt omni:us
KI im Schadenmanagement: Wenn der Schaden zuerst mit einer KI spricht
Von AMEISE bis Agentic: Wie KI den Maklerbetrieb neu organisiert
KI mit Versicherungs-Know-how: Afori automatisiert das Makler-Postfach
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
Provinzial Asset Management ordnet Geschäftsführung neu
Neue Personalchefin: uniVersa stärkt die strategische Personalarbeit
Nachfolge mit Vorlauf: KS/AUXILIA setzt auf geordneten Führungswechsel
Generali setzt auf interne Talente: Zwei Finanzexpertinnen rücken in Vorstände auf
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.
















