Hohe Spritpreise verändern den Automarkt: E-Autos gewinnen neue Käufer
Der Umstieg auf Elektroautos erreicht im privaten Fahrzeugbestand neue Rekordwerte. Das aktuelle HUK-E-Barometer zeigt jedoch: Nicht allein staatliche Förderung treibt die Entwicklung. Steigende Benzin- und Dieselpreise verändern das Kaufverhalten spürbar – besonders auf dem Gebrauchtwagenmarkt.
Jeder achte private Fahrzeugwechsel führt inzwischen vom Verbrenner zum Elektroauto. Zwischen den Zahlen des neuen HUK-E-Barometers zeigt sich jedoch eine Entwicklung, die über klassische Förderdebatten hinausgeht: Hohe Kraftstoffpreise beschleunigen den Wandel stärker als viele erwartet hatten.
Rekordwerte bei privaten Umstiegen
Die Elektromobilität gewinnt im privaten Fahrzeugbestand weiter an Dynamik. Nach dem aktuellen HUK-E-Barometer wird inzwischen bei 12 Prozent aller privaten Fahrzeugwechsel ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor durch ein reines Elektroauto ersetzt. Zu Jahresbeginn hatte dieser Anteil noch bei lediglich 6,3 Prozent gelegen. Besonders deutlich nahm der Wechsel zu gebrauchten Elektrofahrzeugen zu. Gleichzeitig gewinnen auch Plug-in-Hybride wieder an Bedeutung, während Mild- und Vollhybride Marktanteile verlieren.
Der Preisschock wirkt schneller als Förderprogramme
Der eigentliche Befund liegt jedoch tiefer. Während politische Diskussionen häufig auf Kaufprämien oder Ladeinfrastruktur fokussieren, spricht das HUK-E-Barometer für einen unmittelbaren Einfluss steigender Kraftstoffpreise auf das Kaufverhalten. Fast jeder vierte Führerscheinbesitzer (24 Prozent) gibt an, erst durch die Entwicklung der Benzin- und Dieselpreise seit Beginn des Iran-Krieges erstmals konkret über die Anschaffung eines Elektroautos nachgedacht oder einen geplanten Kauf vorgezogen zu haben. Auch das Nutzungsverhalten spricht für diesen Zusammenhang. Besonders Vielfahrer wechseln inzwischen deutlich häufiger auf Elektroautos als Wenigfahrer. Bei Fahrleistungen von mehr als 12.000 Kilometern pro Jahr liegt die Umstiegsquote inzwischen bei 14,7 Prozent – gegenüber lediglich 8,0 Prozent bei Fahrern mit geringerer Jahresfahrleistung.
Dass steigende Zulassungszahlen allein noch keine vollständige Erklärung für den Wandel liefern, zeigte zuletzt auch der Blick auf die Entwicklung des deutschen Fahrzeugmarktes.
Gebrauchtwagen werden zum eigentlichen Wachstumstreiber
Bemerkenswert ist außerdem die Entwicklung des Gebrauchtwagenmarktes. Die Umstiege auf gebrauchte Elektroautos nahmen stärker zu als die auf Neufahrzeuge. Das spricht dafür, dass Verbraucher auf steigende Betriebskosten schneller reagieren können als auf längere Lieferzeiten bei Neuwagen. „Der Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland hat eine neue Dimension erreicht, auch angetrieben durch stark gestiegene Spritpreise. Elektrische Gebrauchtwagen können dabei offenbar zum Gamechanger werden. Möglicherweise ließe sich dieser Trend noch verstärken, wenn neben den Käufern von Neuwagen auch die Käufer gebrauchter E-Autos von der staatlichen E-Autoprämie profitieren könnten“, sagt Dr. Jörg Rheinländer, im Vorstand der HUK-COBURG verantwortlich für die Kfz-Versicherung.
Welche Rolle Versicherungsschutz beim Umstieg auf Elektroautos spielt, hat experten.de bereits anhand einer aktuellen Untersuchung beleuchtet.
Frauen holen bei der Akzeptanz deutlich auf
Parallel steigt auch die gesellschaftliche Akzeptanz der Elektromobilität weiter. Erstmals bewerten mehr als die Hälfte der Deutschen Elektroautos als „gut“ oder „sehr gut“. Besonders stark verändert sich die Einstellung bei Frauen. Innerhalb eines Quartals stieg ihre Zustimmung von 37 auf 45 Prozent und damit deutlich stärker als bei Männern.
Hersteller profitieren unterschiedlich
Vom Boom profitieren die Hersteller allerdings keineswegs gleichermaßen. Bei neuen Elektroautos gewinnen vor allem preisorientierte internationale Marken wie BYD oder Leapmotor Marktanteile. Tesla gelingt nach den Verlusten des Vorjahres ein überraschendes Comeback.
Deutsche Hersteller schneiden dagegen vor allem im Gebrauchtwagenmarkt besser ab. Hier behauptet insbesondere der Volkswagen-Konzern seine starke Position und gewinnt mit mehreren Marken sogar Marktanteile hinzu.
Regionale Unterschiede bleiben groß
Auch regional entwickelt sich die Elektromobilität unterschiedlich. Schleswig-Holstein und Niedersachsen verzeichnen derzeit die höchste Dynamik beim Wachstum privater Elektrofahrzeuge. Auf kommunaler Ebene liegen die Landkreise Cloppenburg und Schweinfurt an der Spitze, während Gelsenkirchen das geringste Wachstum aufweist.
HUK-E-Barometer: Die wichtigsten Zahlen
- 12,0 Prozent aller privaten Fahrzeugwechsel führen inzwischen vom Verbrenner zum Elektroauto.
- Zu Jahresbeginn lag die Quote noch bei 6,3 Prozent.
- 24 Prozent der Führerscheinbesitzer nennen steigende Spritpreise als Auslöser für ihr Interesse am E-Auto.
- 52 Prozent der Deutschen bewerten Elektroautos inzwischen positiv.
- Besonders stark wächst der Markt für gebrauchte Elektrofahrzeuge.
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