Primärversorgung in Deutschland: SoVD fordert Systemwechsel statt Patientensteuerung
Die Diskussion über die Zukunft der ambulanten Gesundheitsversorgung wird zunehmend von der Frage bestimmt, wie Patientinnen und Patienten schneller, einfacher und zielgerichteter durch ein immer komplexeres Gesundheitssystem geführt werden können. Hintergrund sind lange Wartezeiten, regionale Versorgungsunterschiede, der zunehmende Hausärztemangel und eine stärkere Arbeitsteilung zwischen den Gesundheitsberufen. Während Politik und Selbstverwaltung über verpflichtende Steuerungsmodelle und eine stärkere Lotsenfunktion der Hausärzte diskutieren, rückt der Sozialverband Deutschland (SoVD) einen anderen Ansatz in den Mittelpunkt: Nicht die Menschen müssten besser gesteuert werden, sondern das Versorgungssystem müsse leichter zugänglich und besser organisiert werden.
Warum die Primärversorgung in Deutschland reformiert werden soll
Vor diesem Hintergrund hat der SoVD das Forderungspapier „Primärversorgung neu gestalten“ veröffentlicht. Darin beschreibt der Verband ein Primärversorgungssystem, das den Menschen konsequent in den Mittelpunkt stellt. Ziel sei eine wohnortnahe, barrierefreie und leicht zugängliche Gesundheitsversorgung mit einer besseren Orientierung im Gesundheitssystem und einer verlässlichen Koordination medizinischer Leistungen.
SoVD fordert barrierefreie und koordinierte Primärversorgung
Nach Vorstellung des SoVD soll die Primärversorgung über mehrere Zugangswege organisiert werden. Hausärztliche Praxen, interprofessionelle Teams und niedrigschwellige Beratungsangebote sollen eng zusammenarbeiten und durch eine strukturierte Ersteinschätzung ergänzt werden. Verpflichtende Steuerungsinstrumente für Patientinnen und Patienten lehnt der Verband dagegen ab.
„Nicht die Patientinnen und Patienten müssen besser gesteuert werden – das Versorgungssystem muss einfacher, gerechter und verlässlicher werden. Primärversorgung bedeutet Orientierung statt Hürden, Unterstützung statt Steuerung, Zusammenarbeit statt Versorgungslücken und Zugang statt Ausgrenzung“, erklärt die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier.
Interprofessionelle Teams und Barrierefreiheit als Schlüssel der Primärversorgung
Darüber hinaus fordert der Verband verbindliche Barrierefreiheit als Qualitätsstandard im Gesundheitswesen, den Abbau sozialer Ungleichheiten beim Zugang zur medizinischen Versorgung sowie eine stärkere Gemeinwohlorientierung des Gesundheitswesens. Gesundheitsversorgung müsse als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge verstanden werden. Interprofessionelle Teams, niedrigschwellige Anlaufstellen und eine koordinierte Versorgung seien dafür die entscheidenden Bausteine.
Primärversorgung als Gegenmodell zu verpflichtenden Steuerungsinstrumenten
Der SoVD versteht sein Konzept als Gegenmodell zu Reformansätzen, die den Schwerpunkt auf eine stärkere Steuerung der Versicherten legen. Statt zusätzlicher Zugangshürden setzt der Verband auf bessere Organisation, koordinierte Versorgungsstrukturen und einen möglichst barrierefreien Zugang zum Gesundheitssystem.
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