Nachhaltig investieren: Worauf es beim Depot wirklich ankommt

Veröffentlichung: 14.07.2026, 05:07 Uhr - Lesezeit 9 Minuten

Nachhaltige Geldanlage beginnt nicht mit der Auswahl eines einzelnen Produkts, sondern mit einer klaren Anlagestrategie. Gastautorin Charline Joost erläutert, welche Rolle ETFs, Impact-Investments und reale Vermögenswerte dabei spielen und warum Nachhaltigkeit immer im Zusammenhang mit Rendite, Risiko und Anlagehorizont betrachtet werden sollte.

(PDF)
Charline Joost ist Vorstandsmitglied von The Generation Forest eG, einer Genossenschaft, die sich auf die nachhaltige Aufforstung und Bewirtschaftung von tropischem Regenwald spezialisiert hat.Charline Joost ist Vorstandsmitglied von The Generation Forest eG, einer Genossenschaft, die sich auf die nachhaltige Aufforstung und Bewirtschaftung von tropischem Regenwald spezialisiert hat.Generation Forest

Nachhaltiges Investieren beginnt mit einer klaren Depotlogik anstatt mit einem perfekten Produkt: Welche Branchen sollen ausgeschlossen werden? Welche Themen sollen gezielt gefördert werden? Und welcher Anteil des Vermögens darf langfristig in reale Projekte fließen? Wer sein Depot nachhaltiger gestalten möchte, sollte Rendite, Risiko, Liquidität und den nachvollziehbaren Beitrag jedes Bausteins gemeinsam betrachten.

ETFs als Einstieg: Wo liegen die Unterschiede?

ETFs sind für viele Privatanleger ein naheliegender Einstieg. Sie sind kostengünstig, transparent, liquide und über Sparpläne leicht zugänglich. Wer nachhaltig investieren möchte, findet heute zahlreiche Varianten. Entscheidend ist, den Ansatz des jeweiligen Fonds zu verstehen.

ESG-Screened-ETFs bleiben meist nah am klassischen Weltindex. Sie schließen bestimmte kontroverse Geschäftsfelder aus, etwa Waffen, Tabak oder Kohle, behalten aber oft viele große Konzerne im Portfolio. Das kann sinnvoll sein, wenn Anleger breit diversifiziert bleiben wollen und Nachhaltigkeit als zusätzlichen Filter verstehen.

SRI-ETFs sind strenger. Sie reduzieren das Anlageuniversum stärker und setzen auf Unternehmen, die innerhalb ihrer Branche besonders gute Nachhaltigkeitsratings aufweisen. Wer hier investiert, sollte wissen, dass ein „nachhaltiger Welt-ETF“ manchmal deutlich weniger breit gestreut ist als ein klassischer MSCI-World-ETF.

Paris-Aligned- oder Climate-Transition-ETFs fokussieren sich stärker auf Dekarbonisierung. Sie richten Portfolios an Klimazielen aus und gewichten CO₂-intensive Geschäftsmodelle niedriger oder schließen sie aus. Das kann sinnvoll sein, finanziert aber nicht automatisch neue Projekte. Wer ETF-Anteile kauft, stellt in der Regel nicht unmittelbar Geld für ein Solarkraftwerk, eine Renaturierung oder eine Aufforstung bereit. Er sendet eher ein Marktsignal und verändert die Kapitalgewichtung.

Weitere Bausteine: Grüne Anleihen, Impact-Fonds und Infrastruktur

Neben ETFs gibt es weitere Möglichkeiten. Grüne Anleihen finanzieren konkrete ökologische Projekte, etwa erneuerbare Energien, Energieeffizienz oder nachhaltige Mobilität. Sie können für Anleger interessant sein, die neben Aktien auch Anleihen nutzen möchten. Entscheidend ist die Mittelverwendung: Welches Projekt wird finanziert, wie werden Ergebnisse gemessen und passt die Anleihe zur eigenen Risikostruktur?

Aktive Impact-Fonds gehen noch einen Schritt weiter. Sie investieren gezielt in Unternehmen oder Projekte mit sozialem oder ökologischem Ziel, etwa erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft, Wasserinfrastruktur, Bildung, Gesundheit oder Mikrofinanz. Der Vorteil: Der angestrebte Beitrag steht stärker im Mittelpunkt. Der Nachteil ist jedoch, dass sich Kosten, Liquidität, Transparenz und Risiko deutlich unterscheiden.

Auch nachhaltige Infrastruktur gewinnt an Bedeutung. Windparks, Solarparks, Stromnetze, Speichertechnologien, Wasseraufbereitung oder nachhaltige Immobilien sind reale Vermögenswerte mit langfristigem Charakter. Sie zeigen, dass die Transformation nicht im Reporting stattfindet, sondern in der physischen Welt.

Waldinvestments als reale Komponente im Depot

Wälder sind Klimaschützer, Wasserspeicher, Lebensraum, Rohstoffquelle und wirtschaftlicher Faktor zugleich. Trotzdem wird Naturkapital in vielen Portfolios kaum berücksichtigt. Dabei kann es eine unmittelbare Form nachhaltiger Geldanlage sein, vorausgesetzt, das Modell ist seriös, langfristig angelegt und nachvollziehbar.

Zu den Anbietern in diesem Bereich zählt The Generation Forest. Das Konzept sieht vor, Regenwald in Mittelamerika aufzuforsten und langfristig als biodiversen Dauerwald zu bewirtschaften. Das bedeutet: keine Monokultur, kein Kahlschlag, kein reines CO₂-Produkt. Stattdessen entstehen Mischwälder, die ökologisch stabil, wirtschaftlich tragfähig und sozial eingebettet sein sollen. Die Genossenschaftsmitglieder beteiligen sich durch ihre Anteile an Aufforstung, Pflege und nachhaltiger Bewirtschaftung. Ein Anteil steht für 500 Quadratmeter aufgeforstete Fläche. Langfristig soll Rendite durch die selektive Entnahme zertifizierter Edelhölzer entstehen, ohne den Wald als Ganzes zu zerstören.

Es ist weniger liquide, langfristiger und verlangt Vertrauen. Aber genau darin liegt der Unterschied: Wer in Wald investiert, investiert nicht nur in ein Rating, sondern in einen realen ökologischen Prozess. Der Wald muss wachsen, Biodiversität muss entstehen und lokale Strukturen müssen funktionieren. Der Beitrag ist vor Ort nachvollziehbar, nicht nur als Datenpunkt im Factsheet.

Nachhaltigkeit braucht eine klare Depotlogik

Neben der Frage „Wie nachhaltig ist ein Anlageprodukt?“ sollte zuerst geklärt werden: „Welche Rolle soll Nachhaltigkeit in meinem Vermögen spielen?“ Daraus ergibt sich die Struktur des Depots: ein liquider Kern, ergänzende Bausteine und gegebenenfalls ein Anteil an realen Projekten mit längerem Zeithorizont.

Manche Anleger wollen vor allem Ausschlüsse. Sie möchten nicht in fossile Energien, Waffen, Tabak oder kontroverse Geschäftsmodelle investieren. Andere suchen Best-in-Class-Ansätze und wollen die nachhaltigeren Unternehmen innerhalb jeder Branche fördern. Wieder andere suchen messbare Veränderung. Und manche möchten einen Teil ihres Vermögens bewusst in reale Projekte geben, die sie verstehen und nachvollziehen können.

Ein nachhaltigeres Depot entsteht also durch die bewusste Kombination aus Streuung, klaren Kriterien und gezielten Real- oder Impact-Bausteinen. Entscheidend ist, dass jedes Investment eine nachvollziehbare Aufgabe erfüllt und zum eigenen Zeithorizont, Risikoempfinden und Nachhaltigkeitsverständnis passt.

Über die Autorin:
Charline Joost ist Vorstandsmitglied von The Generation Forest eG, einer Genossenschaft, die sich auf die nachhaltige Aufforstung und Bewirtschaftung von tropischem Regenwald spezialisiert hat. In ihrer Rolle verantwortet sie die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens sowie die Positionierung von Wald als zukunftsfähige Anlageklasse an der Schnittstelle von Klimaschutz, Biodiversität und wirtschaftlicher Tragfähigkeit.

Ihr Fokus liegt auf der Frage, wie sich ökologischer Beitrag und ökonomischer Nutzen langfristig miteinander verbinden lassen. The Generation Forest treibt ein Modell voran, das Aufforstung nicht nur als Umweltmaßnahme, sondern als tragfähiges Investment versteht – mit dem Ziel, Wald wirtschaftlich wertvoller zu machen als alternative Nutzungsformen wie Viehwirtschaft.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Anton Buchart, Vorstand BarmeniaGothaer Asset ManagementAnton Buchart, Vorstand BarmeniaGothaer Asset ManagementBarmeniaGothaer
Investment

Aktienboom erreicht Frauen langsamer als Männer

Immer mehr Menschen investieren in Aktien – doch Frauen bleiben am Kapitalmarkt weiterhin deutlich zurückhaltender als Männer. Eine neue Studie zeigt, wie stark Sicherheitsdenken und Altersvorsorge-Sorgen das Anlageverhalten prägen.
Anton Buchart, Vorstand BarmeniaGothaer Asset ManagementAnton Buchart, Vorstand BarmeniaGothaer Asset ManagementBarmeniaGothaer
Investment

„Geldanlage darf kein Geschlechterthema sein“

Frauen investieren weiterhin deutlich seltener in Aktien als Männer und setzen stärker auf sicherheitsorientierte Geldanlagen. Gleichzeitig sorgen sie sich häufiger um ihre finanzielle Situation im Alter. Das zeigt eine aktuelle Anlegerstudie der BarmeniaGothaer.
Unabhängiger Finanzratgeber mit praxisnahen Informationen zu Geldanlage, Versicherungen und nachhaltigem Vermögensaufbau.Unabhängiger Finanzratgeber mit praxisnahen Informationen zu Geldanlage, Versicherungen und nachhaltigem Vermögensaufbau.experten
Finanzen

Experte für Finanzen jeglicher Art Ratgeber Guide

Unabhängiger Ratgeber zu Geldanlage, Versicherungen, Altersvorsorge und Finanzvergleich für nachhaltigen Vermögensaufbau.
Fonds mit Spendenkomponente verbinden Geldanlage und gesellschaftliches Engagement – bleiben bislang jedoch ein kleines, wachsendes Marktsegment.Fonds mit Spendenkomponente verbinden Geldanlage und gesellschaftliches Engagement – bleiben bislang jedoch ein kleines, wachsendes Marktsegment.Redaktion experten.de / KI-generiert
Investment

Fonds mit Spendenkomponente: Kleine Nische mit wachsendem Potenzial

Erstmals liegt eine Marktübersicht zu Fonds mit Spendenkomponente im DACH-Raum vor. 36 Produkte bündeln ein Volumen von 8,3 Milliarden Euro – und haben bereits Millionenbeträge für soziale und ökologische Zwecke mobilisiert. Dennoch bleibt das Segment überschaubar und wirft Fragen für Beratung und Transparenz auf.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht