KI-Boom auf Pump? Franklin Templeton warnt vor Bewertungsrisiken
Die KI-Revolution mag wirtschaftlich unumkehrbar sein. Ob die Kapitalmärkte jedoch bereits die richtigen Gewinner identifiziert haben – oder einen Boom auf Pump finanzieren –, dürfte eine der entscheidenden Fragen für die Vermögensallokation der kommenden Jahre bleiben.
Die KI-Euphorie hat die Kapitalmärkte 2025 dominiert. Massive Investitionen der großen Technologiekonzerne in Rechenzentren, Modelle und Infrastruktur trieben Bewertungen nach oben – insbesondere bei Nvidia und den großen Hyperscalern. Doch wie tragfähig ist dieser Boom? Sonal Desai, CIO von Franklin Templeton Fixed Income, warnt vor Bewertungsrisiken und verweist auf wachsende Unsicherheiten bei Finanzierung, Inflation und Fiskalpolitik.
Investitionswelle mit Nebenwirkungen
„Die KI-Revolution und ihre potenziellen Auswirkungen beherrschen gerade die Anlagemärkte“, heißt es in der aktuellen Einschätzung von Franklin Templeton. KI habe das Potenzial, die Wirtschaft grundlegend zu transformieren – sei jedoch mit „großer, echter Unsicherheit“ behaftet und entwickle sich in rasantem Tempo.
Während 2025 vor allem die massiven Investitionen in KI-Modelle und -Infrastruktur im Fokus standen, verlagert sich der Blick nun zunehmend auf deren Finanzierung. Das hohe Emissionsvolumen von Schuldtiteln, mit dem große Technologiekonzerne ihre KI-Offensive stemmen, bereitet Investoren zunehmend Sorge.
Hinzu kommt: Noch ist nicht klar, welche Branchen tatsächlich strukturell profitieren werden – und welche unter Wettbewerbsdruck geraten. „Die Bestimmung der Branchen und Unternehmen, die bei der KI-Revolution wahrscheinlich gewinnen oder verlieren werden, ist eine der wichtigsten Prioritäten für die Vermögensallokation“, so Desai.
Gewinner schwer identifizierbar
Ein Kernproblem: Die breite Implementierung von KI dürfte mehr Zeit benötigen als viele Marktteilnehmer annehmen. Unternehmen müssen geeignete Modelle identifizieren, Prozesse anpassen und die Einführung organisatorisch verankern. Die Folge ist ein Umfeld erhöhter Volatilität. Kurzfristige Überreaktionen bei Bewertungen seien nicht ausgeschlossen – insbesondere dort, wo Investoren versuchen, Gewinner und Verlierer frühzeitig zu identifizieren.
Inflation bleibt – Fed dürfte Lockerungszyklus beendet haben
Neben der KI-Dynamik sieht Franklin Templeton auch makroökonomische Risiken. Desai geht davon aus, dass die Inflation „hartnäckig über dem Zielwert verharren“ dürfte. Bei gleichzeitig robustem Wachstum und einem stabilisierenden Arbeitsmarkt spreche vieles dafür, dass der Lockerungszyklus der US-Notenbank bereits beendet sei. Langfristig sieht sie die Achillesferse der US-Wirtschaft in der Fiskalpolitik: Ein Haushaltsdefizit von rund sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts bei einer Staatsverschuldung nahe 100 Prozent des BIP erhöhe das Risiko steigender Finanzierungskosten und möglicher Steuererhöhungen.
Diversifikation gewinnt an Bedeutung
Vor diesem Hintergrund plädiert Franklin Templeton für eine breitere Diversifikation außerhalb der USA – insbesondere bei Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Währungen. Schwellenländer erscheinen aus Sicht des Hauses strukturell attraktiver als viele Industrieländer, da sie in den vergangenen Jahren eine vergleichsweise disziplinierte Fiskal- und Geldpolitik verfolgt hätten.
Gleichzeitig bleibt Desai vorsichtig: Eine glaubwürdige Alternative zur Tiefe und Liquidität der US-Kapitalmärkte gebe es derzeit nicht.
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