Gesundheit schlägt alles: Was sich die Deutschen 2026 wirklich vornehmen

Veröffentlichung: 11.12.2025, 08:12 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Mehr als 70 Millionen Menschen in Deutschland sind gesetzlich krankenversichert. Doch die Grenzen des solidarisch finanzierten Systems werden zunehmend spürbar – nicht erst im Krankheitsfall, sondern bereits in der persönlichen Lebensplanung. Das zeigt eine aktuelle, repräsentative Umfrage des Instituts Civey im Auftrag der DEVK. Anlass ist der internationale Tag der allgemeinen Gesundheitsversorgung am 12. Dezember. Die Daten geben Einblick in die Selbstsorge der Bevölkerung und zeigen: Gesundheit ist kein abstrakter Wert, sondern ein aktives Vorhaben.

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cms.sefhqCivey/DEVK

Gesundheit als zentraler Lebenswunsch

Knapp 44 Prozent der gesetzlich Versicherten nehmen sich für 2026 vor, gezielt etwas für ihre Gesundheit zu tun. Andere Lebensbereiche – wie Partnerschaft, Familie, Freizeit oder Beruf – folgen mit deutlichem Abstand. Bemerkenswert ist dabei nicht nur der hohe Anteil an Gesundheitsvorsätzen, sondern auch der wachsende Wunsch nach zusätzlicher Absicherung: Rund 27 Prozent der Befragten besitzen bereits eine private Krankenzusatzversicherung. 9 Prozent wünschen sich eine – besonders ausgeprägt ist dieses Bedürfnis bei den 40- bis 49-Jährigen.

Soziale Dynamik der Vorsätze

Die Auswertung nach Altersgruppen zeigt eine klare Verschiebung: Jüngere Erwachsene setzen stärker auf Beziehung und familiäre Stabilität. Erst mit zunehmendem Alter rückt die eigene Gesundheit stärker in den Mittelpunkt. In der Gruppe der über 65-Jährigen planen mehr als 50 Prozent konkrete gesundheitliche Maßnahmen für das kommende Jahr. Diese altersabhängige Dynamik verweist auf eine biografische Logik – aber auch auf ein strukturelles Spannungsverhältnis zwischen Gesundheitsbewusstsein, Versorgungsrealität und finanziellen Spielräumen.

Krankenzusatz als Scharnier zwischen Wunsch und System

Private Zusatzversicherungen fungieren zunehmend als Mittler zwischen den individuellen Vorsätzen und den strukturellen Grenzen der gesetzlichen Versorgung. Leistungen wie Naturheilkunde, Zahnersatz oder Chefarztbehandlung stehen symbolisch für ein Bedürfnis nach Kontrolle und Qualität. Arbeitgeber spielen dabei eine wachsende Rolle: 65 Prozent der befragten Erwerbstätigen bewerten es als attraktiv, wenn der Betrieb ihnen eine solche Versicherung finanziert.

Systemischer Kontext: Versorgungslücken als Alltagsrealität

Der Wunsch nach individueller Absicherung verweist auf ein tiefer liegendes Strukturproblem: Das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der GKV wird zwar nicht offen infrage gestellt – aber zunehmend ergänzt durch private Vorsorge. Diese Entwicklung steht im Kontrast zur Idee universeller Gesundheitsversorgung, wie sie der internationale Tag am 12. Dezember erinnert. Es entsteht ein doppeltes System: solidarisch finanziert – aber individuell abgesichert.

Bilanz: Gesundheit als Projekt, nicht nur Zustand

Der Jahreswechsel dient traditionell der Selbstvergewisserung. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen: Gesundheit ist der zentrale Referenzpunkt dieses inneren Dialogs. Nicht Karriere, nicht Konsum – sondern körperliches und psychisches Wohlbefinden. Die Rolle privater Zusatzversicherungen wächst dabei nicht aus Mangel an Vertrauen, sondern aus dem Bedürfnis nach Handlungsfähigkeit. Die Zukunft der Gesundheitsversorgung entscheidet sich somit nicht nur im Bundestag oder im Beitragssatz – sondern im Alltag der Versicherten.

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