Steigende Insolvenzen: Warum die Kündigung der BU zur Falle werden kann

Veröffentlichung: 26.11.2025, 11:11 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigt deutlich – und mit ihr der finanzielle Druck auf Beschäftigte. Viele Betroffene erwägen aus Kostengründen sogar die Kündigung ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung. Doch gerade jetzt wäre das riskant, warnt Rüdiger Feilen, Teamleiter Biometrie-Produkte bei der Zurich Gruppe Deutschland.

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Unternehmen in Schieflage – auch Beschäftigte geraten ins Wanken

Die wirtschaftliche Lage zeigt weiterhin wenig Entspannung: Für das Jahr 2024 meldete das Statistische Bundesamt über einundzwanzigtausendachthundert Unternehmensinsolvenzen – eine Entwicklung, die 2025 laut Prognosen ein Niveau wie im Krisenjahr 2009 erreichen könnte, als mehr als zweiunddreißigtausend Firmen zahlungsunfähig wurden. Steigende Insolvenzen bedeuten für viele Beschäftigte vor allem eines: Jobverlust, Einkommenseinbußen und wachsende Unsicherheit.

Diese Belastung führt dazu, dass zahlreiche Versicherte ihre laufenden Verträge auf den Prüfstand stellen. Besonders häufig betroffen: die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Ausgerechnet jener Schutz, der bei Krankheit oder Unfall die Existenz sichern soll, rückt bei finanzieller Notlage schnell in Gefahr.

„Eine Kündigung ist keine Lösung“ – BU unter Druck

Vor diesem Hintergrund mahnt Rüdiger Feilen, Teamleiter Biometrie-Produkte bei der Zurich Gruppe Deutschland: „Wer seine Berufsunfähigkeitsversicherung kündigt, verliert wichtigen Versicherungsschutz. Eine Kündigung ist keine Lösung.“ Der Hinweis zielt auf einen Kernpunkt der aktuellen Situation: Bei wirtschaftlichen Engpässen wird häufig reflexhaft über eine Vertragskündigung nachgedacht, obwohl viele Policen inzwischen umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten vorsehen.

Welche Anpassungen möglich sind

Versicherer – darunter auch Zurich – bieten verschiedene Mechanismen, um den Beitrag zeitweise oder dauerhaft zu reduzieren, ohne den Vertrag komplett aufzugeben. Dazu gehören:

  • Beitragsstundung
    Bei kurzfristigen finanziellen Schwierigkeiten können Beiträge für eine begrenzte Zeit ausgesetzt werden – bei Zurich bis zu zwei Jahre. Die Nachzahlung erfolgt später, in Raten oder als Einmalzahlung. Der Versicherungsschutz bleibt währenddessen bestehen.
  • Beitragsreduzierung
    Wer dauerhaft weniger zahlen kann, hat die Möglichkeit, Beiträge abzusenken und damit auch die Leistung zu reduzieren. Dies kann sinnvoll sein, wenn sich Einkommen oder Lebenssituation langfristig verändert haben.
  • Beitragsfreistellung
    Der Vertrag ruht für einen festgelegten Zeitraum. Der Versicherungsschutz darf dabei einen Mindestwert nicht unterschreiten. Eine Wiederaufnahme des Vertrages ist – bei Zurich innerhalb von zwölf Monaten – ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich.

Feilen hebt besonders die Stundung hervor: „Unsere Empfehlung: Beitragsstundung. Sie schafft kurzfristig Entlastung und sorgt dafür, dass der Versicherungsschutz bestehen bleibt.“

Warum gerade in Krisenzeiten ein BU-Schutz entscheidend ist

Die Daten aus der Insolvenzstatistik und die zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit machen deutlich, dass Erwerbsbiografien brüchiger werden. Gesundheitsrisiken, psychische Belastungen und Arbeitsmarktdruck treffen auf Haushalte, die ohnehin finanziell belastet sind. Eine Berufsunfähigkeit trifft Beschäftigte im Schnitt deutlich früher, als viele erwarten – und führt oft zu gravierenden Einkommensverlusten.
Gerade in dieser Lage kann eine voreilige Kündigung langfristig deutlich teurer werden als eine vorübergehende Beitragsanpassung. Doch welche Option für Versicherte am sinnvollsten ist, hängt stark von individueller Einkommenslage, Restlaufzeit und Tarifbedingungen ab.

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