Trotz Versicherungspflicht: 72 000 Menschen in Deutschland ohne Krankenversicherung

Veröffentlichung: 30.10.2025, 11:10 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Eigentlich darf es sie nicht geben – doch laut Statistischem Bundesamt (Destatis) waren im Jahr 2023 rund 72 000 Menschen in Deutschland ohne Krankenversicherung und hatten auch keinen Anspruch auf Krankenversorgung. Das entspricht weniger als 0,1 Prozent der Bevölkerung – aber jeder einzelne Fall steht für eine gravierende Versorgungslücke in einem System.

(PDF)
Menschen ohne Krankenversicherung in Deutschland: Betroffen sind vor allem Männer (61 Prozent).Menschen ohne Krankenversicherung in Deutschland: Betroffen sind vor allem Männer (61 Prozent).DALL-E

Männer und Nichterwerbspersonen besonders betroffen

Betroffen sind vor allem Männer (61 Prozent) und Nichterwerbspersonen wie Rentner, Studierende über 26 Jahre oder Personen außerhalb des Arbeitsmarkts. Gerade in diesen Gruppen kommt es laut Destatis häufig zu Versicherungslücken – etwa durch Beitragsschulden, unklare Zuständigkeiten oder den Übergang zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Die allgemeine Versicherungspflicht gilt seit 2009 für alle Personen mit Wohnsitz in Deutschland. Dennoch gelingt es offenbar nicht, den Schutz lückenlos sicherzustellen.

198 000 Menschen mit eingeschränktem Anspruch auf Versorgung

Weitere 198 000 Personen waren 2023 zwar nicht versichert, hatten aber einen Anspruch auf Krankenversorgung – etwa als Asylsuchende, Sozialhilfeempfänger oder freiwillige Wehrdienstleistende. Sie gelten formal als abgesichert, verfügen aber nicht über denselben Leistungsumfang wie regulär Versicherte.

Mehrheit gesetzlich versichert – private Mitversicherung stabil

Insgesamt waren 89 Prozent der Bevölkerung gesetzlich krankenversichert (73,3 Millionen Menschen). Rund 9 Millionen waren privat versichert, darunter 2,4 Millionen Familienangehörige. Familienangehörige sind etwas häufiger privat mitversichert (12 Prozent) als gesetzlich. Etwa 5,1 Millionen Menschen waren freiwillig gesetzlich versichert, zumeist Selbständige oder Arbeitnehmer mit Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze.

Versorgungslücken bleiben gesellschaftliches Problem

Auch wenn der Anteil der Nichtversicherten klein ist, zeigt die Statistik, dass selbst in einem Pflichtsystem soziale Brüche und bürokratische Hürden zu gravierenden Lücken führen können. Betroffene bleiben oft unversorgt, bis akute Gesundheitsprobleme oder hohe Behandlungskosten sie in den Blick des Systems bringen.
Für die Politik bedeutet das: Die Krankenversicherungspflicht allein garantiert keine flächendeckende Absicherung, solange Zugangsbarrieren und Informationsdefizite bestehen.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Ein Ehepaar im Ruhestand prüft Unterlagen zu Krankenversicherung und Altersvorsorge. Steigende Gesundheitskosten und die finanzielle Planung im Alter gewinnen für viele Senioren zunehmend an Bedeutung.Ein Ehepaar im Ruhestand prüft Unterlagen zu Krankenversicherung und Altersvorsorge. Steigende Gesundheitskosten und die finanzielle Planung im Alter gewinnen für viele Senioren zunehmend an Bedeutung.Redaktion experten.de / KI-generiert
Krankenversicherung

Krankenversicherung im Ruhestand: Warum der Status oft wichtiger ist als die Frage „PKV oder GKV?“

Die Diskussion über die Zukunft der Krankenversicherung gewinnt durch die geplante Gesundheitsreform neue Dynamik. Viele Beschäftigte stellen sich dabei die Frage, ob die gesetzliche oder die private Krankenversicherung langfristig die bessere Wahl ist. Besonders im Ruhestand zeigen sich Unterschiede.
Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) rechnet für den Jahreswechsel 2026 mit spürbaren Beitragserhöhungen.Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) rechnet für den Jahreswechsel 2026 mit spürbaren Beitragserhöhungen.DALL-E
Gesundheitsvorsorge

PKV-Beiträge: Verband kündigt deutliche Anpassungen an

Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) rechnet für den Jahreswechsel 2026 mit spürbaren Beitragserhöhungen. Nach vorläufigen Angaben sollen rund 60 Prozent der privat Vollversicherten betroffen sein, im Schnitt mit etwa 13 Prozent Mehrbelastung.
Zum Semesterstart müssen sich viele Studierende entscheiden: gesetzliche oder private Krankenversicherung?Zum Semesterstart müssen sich viele Studierende entscheiden: gesetzliche oder private Krankenversicherung?Adobe
Gesundheitsvorsorge

Krankenversicherung zum Semesterstart: Was Studierende jetzt wissen müssen

Zum Semesterstart müssen sich viele Studierende entscheiden: gesetzliche oder private Krankenversicherung? Der Überblick zeigt, wer sich wie versichern kann, worauf privat Versicherte achten müssen – und welche Vorteile PKV-Tarife für junge Menschen bieten.
Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner WillAssekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner WillAssekurata
Krankenversicherung

PKV: Steigende Gesundheitskosten werden zur Belastungsprobe

Die private Krankenversicherung wächst weiter – doch gleichzeitig steigen die Leistungsausgaben in rasantem Tempo. Der aktuelle Marktausblick von Assekurata zeigt: Die Branche profitiert zwar von Rekordbeiträgen, zunehmenden Wechseln aus der GKV und dem Boom der betrieblichen Krankenversicherung. Gleichzeitig geraten Profitabilität, Beitragsstabilität und Prozesse immer stärker unter Druck.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht