Versicherer setzen verstärkt auf KI in Bestandsverwaltung und Schadenmanagement

Veröffentlichung: 23.09.2025, 10:09 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Künstliche Intelligenz gewinnt für die Versicherungsbranche an strategischer Bedeutung. Eine aktuelle Studie der PPI AG zeigt: Vor allem Bestandsverwaltung und Schadenmanagement stehen im Fokus, doch viele Institute kämpfen mit veralteten Kernsystemen.

(PDF)
Versicherer setzen verstärkt auf KI in Bestandsverwaltung und SchadenmanagementVersicherer setzen verstärkt auf KI in Bestandsverwaltung und SchadenmanagementDALL-E

Strategische Rolle von KI

Laut dem aktuellen Marktüberblick „Neue Trends im Standardsoftwaremarkt“ der PPI AG sehen 81 Prozent der befragten Versicherer in der Nutzung von KI eine strategische Bedeutung – insbesondere in der Bestandsverwaltung und im Schadenmanagement. Befragt wurden 26 Versicherer und 19 Softwarehersteller, die Systeme für den gesamten Kompositbereich anbieten.

Die Unternehmen versprechen sich vor allem Effizienzgewinne. Potenziale identifizieren sie in der Kundenkommunikation, der Betrugserkennung, der Datenanalyse und der automatisierten Schadenregulierung. Dabei setzen große Versicherer mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden verstärkt auf KI-gestützte Verarbeitung großer Datenmengen. Kleinere Institute fokussieren dagegen auf den Einsatz im Posteingangsrouting und in der Betrugserkennung.

Hersteller reagieren mit neuen Modulen

Auch die Anbieter von Standardsoftware reagieren auf die wachsende Nachfrage. 17 der 19 untersuchten Hersteller haben mindestens ein KI-Modul im Portfolio. Besonders häufig vertreten sind Lösungen für Datenanalyse und Schadenmanagement. Zudem ermöglichen viele Systeme die Anbindung externer Module. Knapp die Hälfte der Hersteller plant, weitere KI-Funktionalitäten in anstehenden Releases zu integrieren.

„Institute, die KI jetzt systematisch einführen, werden in den kommenden Jahren im Vorteil sein“, erklärt Tobias Kohl, Partner bei der PPI AG. Nach Einschätzung der befragten Versicherer gehört der EU AI Act zu den wichtigsten regulatorischen Herausforderungen – direkt nach der Digital Operational Resilience Regulation (DORA).

Herausforderungen durch gewachsene IT-Strukturen

Trotz der erkannten Chancen steht die Branche vor erheblichen Hürden. Viele Versicherungsunternehmen nutzen nach wie vor historisch gewachsene Kernsysteme auf COBOL-Basis. Die Integration moderner Anwendungen erfolgt häufig über komplexe Netzwerke von Umsystemen. „Dieser Flickenteppich stößt irgendwann an seine Grenzen; insbesondere, wenn mittelfristig der KI-Fokus von reiner Effizienz hin zur Neugestaltung von Geschäfts- und Betriebsmodellen wechseln muss“, so Kohl.

Die Modernisierung der IT-Kernsysteme gilt daher als zentrale Aufgabe. Alle befragten Versicherer beschrieben die Komplexität ihrer bestehenden Systeme als Herausforderung, 92 Prozent nannten zudem den Mangel an internen IT-Ressourcen als Hemmnis.

Über die Studie:
Die Untersuchung ist die fünfte aktualisierte Auflage der Reihe „IT-Plattformen für den Versicherungsbetrieb SHUK“ (SHUK 5.0). Sie vergleicht 19 Anbieter von Standardsoftware hinsichtlich Funktionen und Betriebsmodellen. Ein Schwerpunkt der Neuauflage liegt auf der erweiterten Befragung von Versicherungsunternehmen: 26 Institute nahmen teil, gegenüber sechs in der Vorgängerauflage. Eine gekürzte Fassung der Ergebnisse stellt die PPI AG online zur Verfügung.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Viele Kernsysteme der Versicherer stammen aus einer anderen technologischen Epoche. Ihre Modernisierung wird zur Voraussetzung dafür, Daten, Automatisierung und KI-Anwendungen breiter einzusetzen.Viele Kernsysteme der Versicherer stammen aus einer anderen technologischen Epoche. Ihre Modernisierung wird zur Voraussetzung dafür, Daten, Automatisierung und KI-Anwendungen breiter einzusetzen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Digitalisierung

KI trifft auf alte Kernsysteme: Warum Versicherer erst ihre Vergangenheit aufräumen müssen

KI-Agenten sollen Prozesse übernehmen, Entscheidungen vorbereiten und Versicherungsabläufe automatisieren. Doch bei vielen Versicherern trifft diese neue Technologiewelt auf jahrzehntealte Kernsysteme. Roland Berger zeigt, warum ausgerechnet Datenmigration, alte Geschäftslogiken und fehlende Schnittstellen darüber entscheiden könnten, wie weit die KI-Transformation tatsächlich kommt.
Künstliche Intelligenz entwickelt sich in der Versicherungsbranche zunehmend zur strategischen Schlüsseltechnologie und verändert Arbeitsprozesse, Rollenprofile und organisatorische Strukturen.Künstliche Intelligenz entwickelt sich in der Versicherungsbranche zunehmend zur strategischen Schlüsseltechnologie und verändert Arbeitsprozesse, Rollenprofile und organisatorische Strukturen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Chefsache

KI verändert die Versicherungsbranche schneller als viele Beschäftigte erwarten

Versicherungsmanager sehen Künstliche Intelligenz inzwischen als wichtigste Zukunftstechnologie der Branche. Gleichzeitig rechnen viele Beschäftigte bereits damit, dass KI Aufgaben, Stellen – und teilweise sogar Führungskräfte – ersetzen könnte. Neue Studien von Sollers und Bitkom zeigen, wie stark der technologische Wandel inzwischen den Arbeitsalltag erreicht hat.
Mit der Übernahme von omni:us integriert adesso agentische KI tiefer in seine Versicherungsplattform. Einfache Schadenfälle sollen künftig innerhalb definierter Grenzen automatisiert bearbeitet werden können.Mit der Übernahme von omni:us integriert adesso agentische KI tiefer in seine Versicherungsplattform. Einfache Schadenfälle sollen künftig innerhalb definierter Grenzen automatisiert bearbeitet werden können.Redaktion experten.de / KI-generiert
Unternehmen

Vom KI-Copiloten zum autonomen Schadenfall: adesso übernimmt omni:us

Künstliche Intelligenz unterstützt Versicherer längst bei Dokumentenanalyse, Schadenaufnahme und Entscheidungen. Mit der Übernahme von omni:us durch adesso zeichnet sich nun die nächste Entwicklungsstufe ab: KI-Agenten sollen einfache Schadenfälle vom Eingang bis zur Auszahlung eigenständig bearbeiten – und direkt in die Kernsysteme der Versicherer einziehen.
Mit der KI-Verordnung wird Künstliche Intelligenz in Banken und Versicherungen zunehmend Teil der regulatorischen Marktüberwachung. Die BaFin soll Innovation und Aufsicht künftig miteinander verbinden.Mit der KI-Verordnung wird Künstliche Intelligenz in Banken und Versicherungen zunehmend Teil der regulatorischen Marktüberwachung. Die BaFin soll Innovation und Aufsicht künftig miteinander verbinden.Redaktion experten.de / KI-generiert
Digitalisierung

KI verlässt das Innovationslabor – und wird zum Aufsichtsthema

Künstliche Intelligenz hält zunehmend Einzug in die Kernprozesse von Banken und Versicherern. Mit dem Inkrafttreten des deutschen Durchführungsgesetzes zur europäischen KI-Verordnung erhält die BaFin nun neue Aufgaben bei der Überwachung entsprechender Systeme. Die Aufsicht versteht ihre Rolle dabei ausdrücklich nicht als Innovationsbremse.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht