Assekurata: EKG-Check in der Lebensversicherung

Veröffentlichung: 07.12.2018, 06:12 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Die Rating-Agentur Assekurata hat zum dritten Mal den Ertragskraft-Garantie-Check (EKG-Check) der deutschen Lebensversicherer durchgeführt und dafür 75 Anbieter untersucht.

(PDF)
EKG-67258406-FO-alswartEKG-67258406-FO-alswart

Beim EKG-Check stand vor allem eine Frage im Vordergrund: Inwieweit sind die Lebensversicherer mit ihren Erträgen in der Lage, die Rechnungszinsen, also die (Alt-)Garantien und die Zinszusatzreserve (ZZR), zu finanzieren?

Eines der Ergebnisse ist, dass sich die neue Methodik zur Bildung der Zinszusatzreserve (Korridormethode) ab 2018 sowohl unter HGB als auch unter Solvency II positiv auswirken wird, aber strukturelle Unterschiede zwischen den Unternehmen nicht beseitigt.

Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata, erklärt:

„Die Anforderungen an eine professionelle Ertragssteuerung haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Dies liegt nicht nur an dem schwierigen Zinsumfeld, sondern auch an den hohen Anforderungen zur Bedienung und Stabilisierung der Altgarantien.“

Daran anknüpfend werden beim EKG-Profil die wesentlichen Ertragskomponenten mit den Rechnungszinsen optisch in Beziehung gesetzt und in einem Koordinatensystem veranschaulicht. Die grafische Anordnung der einzelnen Lebensversicherer im EKG-Profil liefert Kunden und Vermittlern einen geeigneten Anhaltspunkt bei der Anbietersondierung, stellt Lars Heermann heraus.

Von Vorteil ist für einen Lebensversicherer eine Position möglichst weit links oben, da diese auf eine geringe Rechnungszinsanforderung (links auf der waagerechten Achse) und eine insgesamt hohe Ertragskraft (oben auf der senkrechten Achse) hindeutet. Die nach Prämieneinnahmen zehn größten Lebensversicherer sind namentlich benannt und farblich grün abgesetzt.

Während branchenweit ein großer Teil der Gesellschaften Ende 2017 Rechnungszinsanforderungen zwischen vier und sechs Prozent aufwies, profitierten einige Lebensversicherer mit speziellem Bestandsmix oder junger Bestandshistorie von deutlich geringeren Zinsanforderungen, bis hinunter an die zwei Prozent heran.

Einige Unternehmen konnten zudem mit auffallend hohen Ertragswerten punkten. Hier wirken sich strukturelle Geschäftsvorteile, beispielsweise durch profitable Bestände, rentable Kapitalanlagen oder nachhaltige Kostenvorteile, positiv auf die Wettbewerbssituation aus.

Zweckerfüllung der ZZR-Korridormethode

Lars Heermann erläutert mit Blick auf das EKG-Profil:

„Im Marktdurchschnitt müssen die Anbieter rund viereinhalb Prozent Rechnungszins auf ihre Deckungsrückstellung erwirtschaften. Diese immense Anforderung ist maßgeblich der Zinszusatzreserve geschuldet und zeigt, dass die politisch beschlossene Methodenänderung bei der Berechnung der Zinszusatzreserve überfällig war, um die Tragfähigkeit der Versichertenbestände zu erhalten.“

In der aktuellen EKG-Studie wurden die Effekte der sogenannten Korridormethode simuliert und ihre künftige Wirkung auf die Ertrags- und Solvenzlage abgeschätzt.

Das Ergebnis: Die neue Berechnungsmethodik entfaltet in unterschiedlichen Zinsszenarien ihre Wirkung, indem kurzfristige Belastungsspitzen bei den ZZR-Zuführungen reduziert und gleichförmiger auf einen längeren Zeitraum verteilt werden. Zugleich reduziert sie die Mindest-Renditeanforderungen an die Kapitalanlage, ausgedrückt als Break-Even-Nettoverzinsung.

Assekurata erwartet für 2018 unter Anwendung der Korridormethode eine Break-Even-Nettoverzinsung von etwa 2,40 Prozent, während sie 2017 nach bisheriger ZZR-Berechnungsmethode noch bei 3,31 Prozent lag.

Ertrags- und Kapitalmanagement bleibt wichtig

Zwar ist die ZZR-Methodenänderung grundsätzlich handelsbilanziell motiviert wird sich aber auch in den Solvency-II-Quoten positiv niederschlagen. So dürften sich die Solvenzquoten der Lebensversicherer durch die Korridormethode bei einem unveränderten Zinsniveau zwischen zwanzig und vierzig Prozent erhöhen, in Einzelfällen sogar mehr.

Lars Heermann rechnet vor:

„Beispielsweise würde eine mittlere Steigerung der Solvenzquote von 30 Prozent dazu führen, dass der aktuelle Branchendurchschnitt von 220 Prozent in Richtung der 300-Prozent-Marke ansteigt und dies ohne Einbezug von Übergangsmaßnehmen."

Nach Auffassung von Assekurata beseitigt die Korridormethode vorhandene Unwuchten, nimmt die Versicherer aber nicht aus der Verantwortung, langfristige Zinsvorsorge zu betreiben.

Ergebnisse unter HGB und Solvency 11 hängen zusammen

Die Marktposition einzelner Anbieter unter HGB und Solvency II deutet oftmals in dieselbe Richtung.

Dr. Reiner Will dazu:

„In beiden Bilanzwelten sind Lebensversicherer im Vorteil, die über ein ertragreiches und wenig zinsabhängiges Geschäftsprofil verfügen.“

Dies trifft jedoch nicht auf alle Marktteilnehmer zu. So haben zwar zwanzig Lebensversicherer im Geschäftsjahr 2017 einen Return-on-Revenue (ROR) von mehr als drei Prozent erzielt, allerdings haben auch fünf Anbieter das Geschäftsjahr ohne Gewinn abgeschlossen.

Dr. Reiner Will weiter:

„Vereinzelt bringen dabei Bestände trotz einer hohen Garantielast und entsprechend geringen EKG-Quote eine ansehnliche Unternehmensrendite hervor. Offenbar kann sich ein professionelles Bestandsmanagement unter dem Strich auszahlen.“

Bilder: (1) © alswart / fotolia.com (2) © Assekurata

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Stethoskop-EKG-295876075-AS-megafloppStethoskop-EKG-295876075-AS-megafloppmegaflopp – stock.adobe.com
Assekuranz

Assekurata: EKG-Check 2020 in der Lebensversicherung

Durch die extremen Zinsbedingungen haben Lebensversicherer mehr Handlungsspielraum bei der Ausfinanzierung ihrer Zinszusatzreserve, denn durch die erneute Talfahrt der Zinsen sind die Bewertungsreserven in den Handelsbilanzen wieder gestiegen.
Studien

Assekurata-Studie untersucht Run-off in der Lebensversicherung

Derzeit befinden sich sieben deutsche Lebensversicherer im externen Run-off mit einem Prämienvolumen von insgesamt 4,1 Milliarden Euro, was einem Marktanteil von knapp 5 Prozent entspricht. Die Rating-Agentur Assekurata hat in ihrer Studie „Run-off in der Lebensversicherung 2019“ die Erfolgsparameter eines Run-offs anhand betriebswirtschaftlicher Einzeldaten sowohl aus Kunden- wie aus Investorensicht untersucht.
Man by windowMan by windowpressmaster – stock.adobe.com
Assekuranz

Stille Lasten in den Büchern der Lebensversicherer

Lebensversicherer sind bisher robust durch die Corona-Pandemie gekommen. Die Solvenzquoten sind gestiegen und ein erhöhtes Stornovolumen blieb aus. Dagegen steht die Wachstumslage durch die wirtschaftlichen und geopolitischen Krisen unter Druck. Hoffnung gibt der Zinsanstieg, der die Anforderungen an die Zinszusatzreserve und Solvenz deutlich entlastet. Jedoch wird die Branche in den HGB-Bilanzen stille Lasten verkraften müssen. Dies teilte die Rating-Agentur Assekurata auf ihrer ...
Percentage Sign Locked With Keypad LockPercentage Sign Locked With Keypad LockAndrey Popov – stock.adobe.com
Assekuranz

EKG-Check 2021 in der Lebensversicherung

Bereits zum sechsten Mal hat die Rating-Agentur Assekurata die Ertragskraft der deutschen Lebensversicherer im angespannten Zinsumfeld unter die Lupe genommen. Die Kölner Analysten haben hierzu zahlreiche Kennzahlen zu Ertrag, Sicherheit und Beständen von 71 Lebensversicherern im Ertragskraft-Garantie-Check (EKG-Check) zusammengetragen.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht