Wahlprognosen sind keine Ratgeber

Nach dem einzigen TV-Duell vor der Bundestagswahl am kommenden Sonntag beginnt endgültig die heiße Phase des Wahlkampfs. Fast jeder zweite Wähler ist zurzeit noch unentschlossen. Auch die Frage „wer mit wem“ eine Koalition bilden würde, ist nicht unerheblich. In der Tat wären eine ganze Reihe von Koalitionen möglich: Jamaika, Schwarz-Grün, Schwarz-Gelb oder doch wieder GroKo? Die künftige Wirtschaftspolitik und auch die Finanzmärkte werden dadurch sicherlich beeinflusst. Manch einer beschäftigt sich schon jetzt mit Gedankenspielen rund um mögliche Wahlausgänge und das Investment in seinen Anlageportfolios.

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Anleger sollten ihr Portfolio stattdessen besser langfristig ausrichten, am besten mit professioneller Unterstützung durch unabhängige Finanzplaner, wie den vom FPSB zertifizierten CFP®-Zertifikatsträgern.

Professor Dr. Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB), rät Anlegern davon dringend ab:

„Zum einen ist der Ausgang solcher Wahlen kaum seriös zu prognostizieren und zum anderen reagieren Börsen, wenn überhaupt, nur kurzfristig. Und politische Ereignisse wie Wahlen im besten Fall als Anlass nehmen, um die strategische Ausrichtung zu überprüfen.“

Ohne Zweifel hat die Politik die Finanzmärkte in den zurückliegenden 18 Monaten mit einer ganzen Serie folgenschwerer Entscheidungen wie das Brexit-Votum, die Wahl des neuen US-Präsidenten und auch die richtungsweisenden Wahlen in den Niederlanden und Frankreich in Atem gehalten. Bei jedem dieser Ereignisse wurde vorab sehr viel über den möglichen Ausgang und seine Folgen spekuliert.

Davon ist auch die bevorstehende Bundestagswahl nicht ausgenommen.  Tilmes erläutert:

„Wenn wir künftig eine Rot-Rot-Grüne Regierung oder eine AfD-Beteiligung haben sollten, dann wird die wirtschaftliche Zukunft anders ausschauen, als wenn es zu einer erneuten Großen Koalition kommt.“

Das bestätigt ein Blick in die Wahlprogramme der Parteien. Die CDU/CSU möchte die Einkommensteuer generell senken und eine Finanztransaktionssteuer einführen. Die SPD setzt darauf nur kleine und mittlere Einkommen zu entlasten und Großverdiener stärker zu belasten. Auch die  Mietpreisbremse soll verschärft werden.

Auch die Grünen wollen die Abgabenlast senken, während die Linke nach eigener Aussage für Alternativen zum Kapitalismus kämpft und die Finanzmärkte beschränken will. Die AfD ist für die Aufhebung von Klimaschutzabkommen und tritt für den Austritt aus der Währungsunion ein, während die FDP für mehr Eigenverantwortung und Liberalisierung steht.

Wahl-Prognosen mit Vorsicht genießen

Tilmes, der neben seiner Vorstandstätigkeit auch wissenschaftlicher Leiter des PFI Private Finance Institute / EBS Finanzakademie der EBS Business School, Oestrich-Winkel, ist:

„Dieser kurze Überblick zeigt schon, dass der Ausgang der Wahl unterschiedliche Folgen für die Wirtschaft und die Kapitalmärkte haben kann. Das Portfolio aber vorab darauf auszurichten, bringt Anlegern unter dem Strich nichts.“

Warum das so ist, zeigt die jüngste Erfahrung. Zum einen gingen insbesondere das Brexit-Votum und die US-Wahlen anders aus als erwartet. Zum anderen war die Reaktion der Börse, wenn es überhaupt zu einer kam, nur kurzfristiger Natur.

Anders sieht es aus, wenn die Wahl vorbei ist:

„Da ist es in der Tat so, dass Anleger unter Umständen ihre strategische, also langfristige Ausrichtung überprüfen und gegebenenfalls anpassen sollten.“

So kann es sinnvoll sein, ein Portfolio angesichts eines US-Präsidenten Trump zu hinterfragen. Schließlich kündigte dieser einerseits Steuererleichterungen und Ausgabenerhöhungen an, andererseits aber auch protektionistische Maßnahmen.

„Langfristig kann das, wenn es umgesetzt wird, sehr wohl Auswirkungen auf die Kapitalmärkte haben.“

Strategische Ausrichtung regelmäßig überprüfen

Es kann deshalb eine gute Idee sein, wegweisende politische Entscheidungen, wie die Bundestagswahl zum Anlass zu nehmen und die Anlagestrategie gemeinsam mit unabhängige Experten zu überpüfen. Mit modernen Analysetools können mögliche Auswirkungen zu erwartender politischer Richtungsänderungen auf ein Portfolio analysiert werden. Basierend auf diesen Empfehlungen können dann strategische Anpassungen vorgenommen werden.

Bild: © Elnur / fotolia.com

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