App-Anbieter in der Haftung

Veröffentlichung: 16.06.2017, 08:06 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Der Digitalverband Bitkom äußert sich skeptisch zum Beschluss des EU-Ministerrats vom 08. Juni über die EU-Richtlinie für ein Vertragsrecht für digitale Inhalte. Damit soll auf EU-Ebene ein spezielles Verbraucherrecht für digitale Güter wie Apps, Musik, Filme oder Spiele sowie online erbrachte Dienstleistungen eingeführt werden.

(PDF)
Frau-Smartphone-Apps-138371446-FO-ra2-studioFrau-Smartphone-Apps-138371446-FO-ra2-studio

Erstmals würde damit im EU-Recht das Prinzip von „Daten als Währung“ verankert. Das bedeutet, dass zum Beispiel eine App, die kostenlos zum Download angeboten wird, genauso behandelt wird, wie eine kostenpflichtige, wenn der Nutzer im Gegenzug persönliche Daten an den Anbieter weitergibt. Damit stünden dem Verbraucher auch bei kostenlosen Angeboten Gewährleistungsrechte wie Reparatur, Updates oder Rückgabe zu.

Die Regelung würde auch viele kleine Anbieter kostenloser Apps treffen, die kein kommerziell tragfähiges Geschäftsmodell damit betreiben. Der Gesetzgeber schießt mit Verpflichtungen dieser Art weit über das Ziel hinaus. Start-ups, die mit innovativen Lösungen schnell in den Markt eintreten, könnten durch diese Vorschriften überfordert sein und einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Anbietern erleiden, die auf anderen, weniger streng reglementierten Märkten wachsen können.

In der Praxis würden Gewährleistungsansprüche bei kostenlosen digitalen Gütern nach Ansicht des Bitkom immer auf die Rückabwicklung des Geschäftes hinauslaufen, da für den Anbieter eine Reparatur oder Nachbesserung keinen Sinn hat.

Somit müsste der Verbraucher die App löschen und bekäme seine Daten zurück. Letzteres Recht hat er aber bereits durch die neue europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO): Jeder Nutzer kann ohne Angabe von Gründen die Löschung seiner Daten verlangen.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder:

„Das neue Vertragsrecht für digitale Inhalte gibt dem Verbraucher ein Recht, das er schon heute hat. Dem Verbraucher wir damit nicht geholfen. Auf die Anbieter kostenloser digitaler Inhalte kommt aber große Unsicherheit zu.“

Bild: © ra2 studio / fotolia.com

(PDF)

LESEN SIE AUCH

man-denkt-username-passwort-106694280-FO-ollyman-denkt-username-passwort-106694280-FO-olly
Digitalisierung

Digitaler Nachlass - Fehlanzeige

Die Mehrheit der Internetnutzer hat keine Vorstellungen über das eigene Interneterbe nach dem Tod. Was geschieht mit den digitalen Fußspuren im Netz? Nur eine Minderheit regelt den digitalen Nachlass zu Lebzeiten und beschäftigt sich damit, was nach dem Tod mit den eigenen digitalen Daten, wie den Social-Media-Profilen oder dem E-Mail-Konto geschehen soll.
pakete-auf-laptop-86205512-fo-cybrainpakete-auf-laptop-86205512-fo-cybrain
Infothek KMU

Jedes dritte Unternehmen betreibt einen Online-Shop

Vier von fünf Unternehmen (82 Prozent) verkaufen ihre Produkte oder Dienstleistungen über das Internet. Im Durchschnitt werden 16,5 Prozent des Umsatzes über das Internet gemacht. Die meisten Verkaufskontakte kommen per E-Mail zustande.
Der BGH erklärte Klauseln von Banken und Sparkassen zu sogenannten Verwahrentgelten für unwirksam (Symbolbild).Der BGH erklärte Klauseln von Banken und Sparkassen zu sogenannten Verwahrentgelten für unwirksam (Symbolbild).DALL-E
Recht

BGH erklärt Klauseln zu Verwahrentgelten für unwirksam

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat entschieden: Banken und Sparkassen dürfen keine Verwahrentgelte auf Giro-, Tagesgeld- und Sparkonten erheben. Zudem wurden Klauseln zu Entgelten für Ersatz-Bankkarten und Ersatz-PINs für unwirksam erklärt. Die Urteile könnten weitreichende Folgen für Banken und Kunden haben.
Young male freelancer in orange sweatshirt working on laptop inYoung male freelancer in orange sweatshirt working on laptop inbodnarphoto – stock.adobe.com
Management

Jobticket, Smartphone, Weiterbildung: Was Unternehmen bieten und was nicht

Unternehmen müssen sich anstrengen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden und zu halten. Dabei geht es nicht nur um das Gehalt und die Arbeitszeiten, sondern um Arbeitskultur und echte Wertschätzung. Benefits dafür fallen unterschiedlich aus.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht