Unter MiFID II Umsatzsteuer auf Provisionen?

Veröffentlichung: 14.07.2016, 05:07 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Provisionen für Anlagevermittlungen der Banken und Finanzdienstleistungsinstitute sind auch unter MiFID II umsatzsteuerfrei. Die neuen Zuwendungsregeln bringen keine steuerliche Änderung gegenüber der derzeitigen Rechtslage.

(PDF)
Anzugtraeger-nervoes-37233905-FO-xalanxAnzugtraeger-nervoes-37233905-FO-xalanx

Derzeit kursieren Meldungen, wonach durch die EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II Provisionen für Anlagevermittlungen zukünftig der Umsatzsteuerpflicht unterfallen sollen. Dabei greifen die Regeln von MiFID II nicht in das deutsche Steuerrecht hinein.

cms.iewha.x Oliver Korn, Geschäftsführer der GPC Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

„Richtig ist, dass unter MiFID II das heute schon bestehende Zuwendungsverbot im Zusammenhang mit Wertpapierdienstleistungen wie z.B. Anlagevermittlungen noch einmal angezogen wird. Jetzt sind Zuwendungen von Dritten, die nicht die Kunden sind, grundsätzlich unzulässig. Ausnahme: Die Zuwendung ist darauf ausgelegt, die Qualität der für den Kunden erbrachten Dienstleistung zu verbessern und wird zudem dem Anleger gegenüber offengelegt. Hier erfolgt ein Eingriff durch MiFID II, wonach zukünftig die Zuwendung nicht nur darauf ‚ausgelegt‘ sein muss, z.B. eine Anlagevermittlung qualitativ zu verbessern, sondern die Verbesserung muss dazu ‚bestimmt‘ sein“, kommentiert Rechtsanwalt Oliver Korn, Geschäftsführer der GPC Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH.

Das Zuwendungsverbot und damit einhergehende Fragen gibt es also schon heute. „Durch MiFID II haben wir es mit einer erhöhten Anforderung zu tun. Tatsächlich müssen Institute diese Verbesserung der Wertpapierdienstleistung durch die Zuwendung auch gegenüber der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) dokumentieren und nachweisen können. Hier gibt es tatsächlich Handlungsbedarf. Doch der ist aufsichtsrechtlicher Natur“, so der auf die Beratung von Finanzdienstleistern spezialisierte Rechtsanwalt Korn.

cms.bsnam.x Daniel Ziska, Seteuerberater bei GPC Tax Unternehmerberatung AG Steuerberatungsgesellschaft

Wirkt sich diese Änderung nun auf die Umsatzsteuerpflicht aus? „Nein, die Änderung in MiFID II selber bringt keine steuerliche Änderung“, stellt Steuerberater Daniel Ziska von der GPC Tax Unternehmerberatung AG Steuerberatungsgesellschaft fest. „Wir beraten Institute fortlaufend zu solchen Fragen. Die umsatzsteuerliche Problemstellung vor und nach MiFID II ist letztlich dieselbe: Provisionen, gleich ob Abschluss- oder Bestandsprovisionen, sind im Rahmen der  Anlagevermittlung umsatzsteuerfrei. Wird die Vergütung für eine andere Dienstleistung, die nicht umsatzsteuerprivilegiert ist, gezahlt, so fällt dafür Umsatzsteuer an. Das ist überhaupt nichts Neues“, so Ziska.

Das Umsatzsteuerproblem kommt also nicht aus der Reform via MiFID II und wird dadurch auch nicht verschärft. Allerdings warnt auch Steuerberater Ziska:

„Eine Gefahr ist, dass Institute nun für die BaFin extra Dienstleistungen zu dokumentieren versuchen, die die Bestimmung der Qualitätsverbesserung nachweisen. Kollege Rechtsanwalt Korn weist ja zutreffend darauf hin, dass dieser Nachweis geführt und dokumentiert werden muss. Allerdings geht es darum, dass nur die Dienstleistung, also z.B. die Anlagevermittlung, selber verbessert wird und nicht eine neue Dienstleistung daneben stehen muss. Bestandsprovisionen als gestreckte Abschlussprovisionen bleiben aber umsatzsteuerfrei, wenn sie sich nach wie vor auf die qualitativ bessere Vermittlung beziehen. Dies sollten Institute genau anschauen und sich ggf. anwaltlichen und steuerlichen Rat holen.“

Bild: (1) © xalanx / fotolia.com, (2) © GPC Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, (3) © GPC Tax Unternehmerberatung AG Steuerberatungsgesellschaft

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Photovoltaik-Anlagen und Batteriespeicher gelten als reale Infrastrukturinvestments. Unter bestimmten steuerlichen Voraussetzungen können sie neben langfristigen Ertragsperspektiven auch Liquiditätsvorteile in der Investitionsphase bieten.Photovoltaik-Anlagen und Batteriespeicher gelten als reale Infrastrukturinvestments. Unter bestimmten steuerlichen Voraussetzungen können sie neben langfristigen Ertragsperspektiven auch Liquiditätsvorteile in der Investitionsphase bieten.gerhardt12 / pixabay
Steuern

Photovoltaik und Batteriespeicher: Wann grüne Sachwerte steuerlich interessant werden

Photovoltaik-Parks und Großbatteriespeicher gewinnen als Sachwertanlagen an Bedeutung. Gastautor Marvin Großkrüger erläutert, unter welchen steuerlichen Voraussetzungen Investitionen in Energie-Infrastruktur interessant sein können und warum wirtschaftliche Tragfähigkeit dabei Vorrang vor steuerlichen Effekten haben sollte.
Eine IW-Studie sieht Deutschland bei der steuerlichen Förderung selbst genutzten Wohneigentums im europäischen Vergleich auf einem Sonderweg.Eine IW-Studie sieht Deutschland bei der steuerlichen Förderung selbst genutzten Wohneigentums im europäischen Vergleich auf einem Sonderweg.OleksandrPidvalnyi / pixabay
Immobilien

Eigenheim: Deutschland benachteiligt Selbstnutzer steuerlich

Wer in Deutschland eine Wohnung oder ein Haus selbst nutzt, fährt steuerlich deutlich schlechter als Vermieter. Eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland damit eine Sonderrolle ein.
Laut einer IMK-Analyse würden größere Einkommensteuerreformen den Staat jährlich Milliarden kosten und je nach Modell auch höhere Einkommen deutlich entlasten.Laut einer IMK-Analyse würden größere Einkommensteuerreformen den Staat jährlich Milliarden kosten und je nach Modell auch höhere Einkommen deutlich entlasten.Redaktion experten.de / KI-generiert
Steuern

Einkommensteuerreform: Große Entlastung hätte ihren Preis

Die Bundesregierung will kleine und mittlere Einkommen steuerlich entlasten. Neue Berechnungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) zeigen jedoch: Spürbare Steuererleichterungen würden den Staat jährlich zweistellige Milliardenbeträge kosten – und je nach Modell auch höhere Einkommen deutlich entlasten.
Ästhetische Behandlung in der Klinik: Umsatzsteuer und medizinische IndikationÄsthetische Behandlung in der Klinik: Umsatzsteuer und medizinische IndikationExperten/KI
Steuern

Ästhetische Eingriffe zwischen Heilbehandlung und Steuerpflicht

Das BMF verschärft die Umsatzsteuerbefreiung für ästhetische Behandlungen. Entscheidend ist die medizinische Indikation und deren Nachweis.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht