Längeres Arbeiten – stabile Rente!?

Veröffentlichung: 14.06.2016, 08:06 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Der Rentenbeginn liegt in Deutschland durchschnittlich bei 64,2 Jahren. Wird das Tempo der aktuellen Entwicklung berücksichtigt, steigt es bis 2030 auf 65 Jahre. Trotz der Rente mit 67, würden sich die Deutschen im Jahr 2030 und voraussichtlich auch danach bereits mit 65 in den Ruhestand verabschieden.

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Arbeiten die Deutschen im Jahr 2030 jedoch tatsächlich bis zu ihrem 67. Geburtstag, stiege das Rentenniveau um 1,1 Prozentpunkte an. In Kaufkraft von heute entspricht das 200 Euro bei einer durchschnittlichen Jahresrente. Mit 21 Prozent läge der Rentenbeitragssatz dabei 0,9 Prozentpunkte unter dem Niveau, das bei Fortschreibung der aktuellen Entwicklung erreicht würde. Alexander Erdland, Präsident des GDV sagt zu diesen Zahlen:

„Wir brauchen keine Debatte über eine Rente mit 70. Wir sollten zunächst alles daran setzen, das gesetzliche Ziel von 67 Jahren auch real zu erreichen.“

Effekte einer weiteren Anhebung der Lebensarbeitszeit

Eine weitere Betrachtung belegt, würde ab dem Jahr 2030 aus der „Rente mit 67“ sogar eine „Rente mit 67+“, könnte eine weitere Entlastung der Rentner und Beitragszahler in den Folgejahren erfolgen. Prognos geht dabei von einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit bis 2040 von sieben Monaten aus. Werden diese Werte zu Grunde gelegt, stünde das Rentenniveau dafür bei 42,2 Prozent – und damit um 0,5 Prozentpunkte über dem Niveau des Basis-Szenarios. Ein durchschnittlicher Rentner hätte damit im Jahr rund 250 Euro mehr in der Tasche. Der Rentenbeitragssatz wäre in diesem Fall bei 23,2 Prozent und damit um 0,4 Prozentpunkte unter dem Ausgangsszenario.

Vorteile für Rentner und Arbeitnehmer

Eine sukzessive Verlängerung der Lebensarbeitszeit würde wesentliche Vorteile bedeuten und sich auch auf die Höhe des Rentenniveaus auswirken. Die Beitragssätze wären niedriger – und der Arbeitsmarkt und Bundeshaushalt erhielten eine Entlastung. Damit eine Entwicklung wie diese überhaupt greifen könnte, müssten von Politik, Arbeitgeber und Gewerkschaften Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit Menschen auch in der Lage sind, so lange zu arbeiten.

Alexander Erdland, Präsident des GDV führt weiter aus:

„Aber klar ist: Auch längeres Arbeiten kann kein Rentenniveau garantieren, wie wir es von früher kennen. Das geht nur, wenn wir alle drei Säulen der Altersvorsorge stärken. Also auch die betriebliche und private Vorsorge.“

Entlastung des Bundeshaushalts um 80 Milliarden Euro

Konkrete Vorteile hat eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit laut Studie auch für den Arbeitsmarkt und den Bundeshaushalt. Bei einer „Rente mit 67+“ gäbe es in Deutschland im Jahr 2040 insgesamt über 700.000 mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Weil der Zuschuss zur gesetzlichen Rente geringer ausfiele, könnten außerdem bis 2040 etwa 80 Milliarden Euro Steuergeld gespart werden.

https://www.youtube.com/watch?v=l3PtnUwtrW4

Bild: © hugin1 / fotolia.com

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