Purpose statt Perfektion: Wie Führungskräfte zu Marken- und Wertebotschaftern werden

Veröffentlichung: 28.08.2025, 11:08 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Perfektion kann lähmen – Sinn hingegen beflügelt. Unternehmensberater Ben Schulz zeigt, warum mittelständische Unternehmen mit reiner Prozessoptimierung an ihre Grenzen stoßen und weshalb Haltung, gelebte Werte und Purpose zur entscheidenden Triebkraft für Führung und Markenstärke werden. Ein Weckruf für Entscheider im Mittelstand.

(PDF)
Unternehmensberater Ben SchulzUnternehmensberater Ben SchulzUwe Klössing

In vielen mittelständischen Unternehmen herrscht noch immer der Glaube, dass Führung vor allem darin besteht, Prozesse zu optimieren, Fehler zu vermeiden und Ergebnisse zu maximieren. Perfektion wird dabei häufig als Maßstab gesehen – sei es in der Produktqualität, der Dienstleistung oder der internen Organisation. Doch sie hat einen Preis, indem sie Innovation lähmt, Eigeninitiative erstickt und Mitarbeitende in der ständigen Angst zurücklässt, nicht genug zu sein. „Die Märkte verändern sich jedoch schneller als je zuvor. Kunden wie Mitarbeitende erwarten längst nicht mehr nur makellose Produkte oder Prozesse – sie wollen Haltung. Wofür steht das Unternehmen?“, zeigt Ben Schulz, Unternehmensberater und Vorstand der Ben Schulz & Partner AG, auf. Genau hier setzt ein Gedanke an: Purpose statt Perfektion.

Sinn stiften wirksamer als Fehler vermeiden

Menschen suchen in ihrer Arbeit nach Bedeutung. Gerade die jüngeren Generationen, die heute in den Arbeitsmarkt eintreten, stellen Fragen: Wozu gibt es dieses Unternehmen? Welchen Beitrag leistet es zur Gesellschaft? Wie geht es mit seinen Mitarbeitenden, Kunden und Partnern um? Wer hier keine überzeugende Antwort gibt, verliert Talente und damit letztlich Wettbewerbsfähigkeit. „Führungskräfte, die sich nur über Kennzahlen und Kontrolle definieren, werden diesen Anforderungen nicht gerecht. Wer hingegen den Purpose, also den übergeordneten Sinn, sichtbar macht und konsequent vorlebt, entfaltet eine ganz andere Strahlkraft“, so Schulz. Das gilt sowohl intern als Orientierung für Mitarbeitende als auch extern als Botschaft für Kunden, Investoren und die Öffentlichkeit.

Führungskräfte als Markenbotschafter

Marken sind heute weit mehr als Logos oder Werbekampagnen. Sie verkörpern das erlebbare Versprechen eines Unternehmens und werden tagtäglich in Gesprächen, in Entscheidungen und im Umgang miteinander sichtbar. Führungskräfte prägen diese Marke unmittelbar. „Sie tun dies beispielsweise im Alltag mit den Mitarbeitenden. Wer Wertschätzung, Transparenz und Klarheit lebt, zeigt den Kern der Unternehmenskultur. Gleiches gilt für den Marktauftritt: Ob in Kundengesprächen, auf Messen oder in öffentlichen Statements – die Haltung einer Führungskraft strahlt nach außen und prägt das Markenbild“, erklärt der Experte. Gerade wenn Unsicherheit herrscht, ist die Glaubwürdigkeit von Führungskräften entscheidend. Sie geben Orientierung und Sicherheit und tun dies nicht durch perfekte Antworten, sondern durch ehrliche Kommunikation und eine klare Haltung. „Noch unterschätzen viele Führungskräfte, dass sie selbst die sichtbarsten Botschafter der Unternehmenswerte sind“, ergänzt der Experte.

Mittelstand besonders gefragt

Nähe, Verlässlichkeit und Authentizität zählen zu den zentralen Erfolgsfaktoren im Mittelstand. Während Konzerne häufig mit abstrakten Leitbildern arbeiten, zeigen mittelständische Unternehmen glaubwürdig, wie Werte im Alltag gelebt werden. Doch diese Chance wird nur dann genutzt, wenn die Führungsebene bereit ist, sich selbst als Teil der Marke zu begreifen. Wer ausschließlich auf Perfektion und Kontrolle setzt, verpasst den entscheidenden Hebel. „Es geht um Mitarbeitende, die stolz sind, Teil der Organisation zu sein und um Kunden, die sich mit ihrer Haltung identifizieren. Für Führungskräfte bedeutet das zum Beispiel in den Dialog mit ihren Teams zu gehen und zu erfahren, was sie wirklich motiviert oder stolz macht. Auch die bewusste Gestaltung der Außenwirkung trägt entscheidend zur positiven Beeinflussung bei“, sagt Schulz. „Die Zukunft gehört nicht den Perfektionisten, sondern den Sinnstiftern. Entscheider im Mittelstand haben die Chance, ihr Unternehmen nicht nur über Prozesse, Produkte oder Preise zu definieren, sondern über Haltung“, fügt er hinzu. Wer als Führungskraft Marken- und Wertebotschafter wird, schafft Orientierung nach innen und Strahlkraft nach außen.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Christian PolzChristian PolzTeam Polz
Chefsache

Alle gleich führen? Der größte Fehler in der Transformation

Transformation im Vertrieb verlangt mehr als Methodenwissen. Wer Vermittler im Wandel pauschal führt, verliert sie – und riskiert den Erfolg. Warum souveränes, situatives Führungshandeln jetzt entscheidend ist, erklärt Christian Polz, Geschäftsführer von Team-Polz, im Gastbeitrag.
Die rasante Verbreitung künstlicher Intelligenz verändert Arbeitsprozesse – gleichzeitig wachsen Unsicherheit und neue Anforderungen an Führung und Qualifizierung.Die rasante Verbreitung künstlicher Intelligenz verändert Arbeitsprozesse – gleichzeitig wachsen Unsicherheit und neue Anforderungen an Führung und Qualifizierung.Redaktion experten.de / KI-generiert
Studien

Führung als Engpass der Produktivität – was der Gallup Engagement Index Deutschland 2025 zeigt

Der Gallup Engagement Index Deutschland 2025 zeigt: KI verändert den Arbeitsalltag rasant, doch fehlende Führung bleibt der größte Produktivitätsengpass in Unternehmen.
Viele Unternehmen reagieren auf Unsicherheit mit mehr Kontrolle. Doch Reporting, Regeln und Abstimmungen schwächen oft genau das, was Organisationen heute benötigen: Verantwortung, Vertrauen und Anpassungsfähigkeit.Viele Unternehmen reagieren auf Unsicherheit mit mehr Kontrolle. Doch Reporting, Regeln und Abstimmungen schwächen oft genau das, was Organisationen heute benötigen: Verantwortung, Vertrauen und Anpassungsfähigkeit.experten/KI
Kommentar

Menschenführung funktioniert nicht mehr wie früher

Mehr Kontrolle schafft selten bessere Ergebnisse. Der Beitrag von Vita-L zeigt, warum Vertrauen, Verantwortung und gesunde Teams zu den zentralen Faktoren moderner Unternehmensführung geworden sind.
Wer Mitarbeiter langfristig halten und entwickeln will, braucht nicht nur Feedbackgespräche – sondern auch eine Führungskultur, die daraus wirksame Schritte ableitet.Wer Mitarbeiter langfristig halten und entwickeln will, braucht nicht nur Feedbackgespräche – sondern auch eine Führungskultur, die daraus wirksame Schritte ableitet.DALL-E
Chefsache

Zwischen Pflichttermin und Kündigungsgrund: Mitarbeitergespräche im Leerlauf

Feedbackgespräche gelten als Schlüssel zur Personalentwicklung. Doch eine aktuelle Studie der KÖNIGSTEINER Gruppe zeigt: In vielen Unternehmen bleibt das Mitarbeitergespräch ein gut gemeintes, aber schlecht gemachtes Ritual – mit ernsten Konsequenzen.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht