Demografie bremst Mittelstand: Alterung der Inhaber verursacht Investitionsstau

Veröffentlichung: 23.07.2025, 08:07 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Immer mehr mittelständische Unternehmen in Deutschland investieren nicht oder zu wenig in ihre eigene Zukunft. Eine aktuelle Sonderauswertung des KfW-Mittelstandspanels zeigt: Je älter die Inhaberinnen und Inhaber, desto geringer ist ihre Investitionsbereitschaft. Der demografische Wandel droht so zum strukturellen Risiko für den Wirtschaftsstandort Deutschland zu werden.

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Zwischen 2004 und 2023 lag die Investitionsquote bei mittelständischen Unternehmen mit Inhabern unter 40 Jahren im Durchschnitt bei 58 %. Bei Unternehmern über 60 Jahren hingegen investierten nur 38 %. Die Differenz beträgt damit im Mittel 20 Prozentpunkte – mit einem Spitzenwert von 30 Prozentpunkten im Jahr 2007.

Alterung der Inhaberschaft schreitet voran

Das Durchschnittsalter von Inhaberinnen und Inhabern mittelständischer Unternehmen liegt inzwischen bei über 54 Jahren. Vor 20 Jahren betrug es noch 45 Jahre. Mittlerweile ist mehr als die Hälfte der mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmer 55 Jahre oder älter – das entspricht über zwei Millionen Personen.

Besonders stark zeigt sich die Alterung im Baugewerbe und bei wissensintensiven Dienstleistungen wie Steuerberatung oder Anwaltskanzleien. Im Baugewerbe sank der Anteil der unter 40-Jährigen von 35 % (2003) auf 11 % (2024), während der Anteil der über 60-Jährigen von 14 % auf 34 % stieg. In den wissensnahen Dienstleistungen stieg der Anteil der über 60-Jährigen im gleichen Zeitraum von 10 % auf 42 %. Gleichzeitig nimmt die Zahl jüngerer Führungskräfte unter 40 rapide ab.

Geregelte Nachfolge erhöht Investitionsbereitschaft

Ein zentrales Hemmnis ist die ungeklärte Nachfolge: Viele ältere Unternehmerinnen und Unternehmer investieren nicht, da sie unsicher sind, ob sich Investitionen noch amortisieren. Auch die Bereitschaft zur Kreditaufnahme ist geringer, da langfristige finanzielle Verpflichtungen gemieden werden.

Laut KfW-Analyse zeigt sich jedoch ein klarer Zusammenhang zwischen Investitionstätigkeit und Nachfolgeplanung:

  • Mittelständler ohne geregelte Nachfolge investierten im Schnitt 7.300 Euro je Mitarbeiter.
  • Unternehmen, die bereits mit Nachfolgekandidaten im Gespräch waren, investierten 16.400 Euro.
  • War die Nachfolge bereits gesichert, stieg der Wert auf 21.900 Euro je Beschäftigtem.

„Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es für junge Menschen attraktiver machen, bestehende Unternehmen zu übernehmen. Wenn ältere Unternehmer bessere Aussichten haben, Nachfolger zu finden, werden sie auch mehr investieren“, sagt Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW.

Zur vollständigen Studie gelangen Sie hier.

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