Aus einem Euro werden 12: Wiederaufforstung erzielt gesellschaftliche Rendite
Wälder schützen Klima, Wasser und Luft – doch was ist ihr gesellschaftlicher Wert? Eine neue Studie beziffert erstmals, wie viel Wiederaufforstung der Allgemeinheit tatsächlich bringt.
Wälder sind nicht nur CO₂-Speicher und Lebensraum, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor: Jeder Euro, der in die Wiederaufforstung fließt, erzeugt laut einer aktuellen Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) einen gesellschaftlichen Mehrwert von rund zwölf Euro. Die sogenannte Gemeinwohlrendite beläuft sich demnach auf 1.100 Prozent – ein starkes Argument für Investitionen in klimastabile Mischwälder.
Die Studie „Der Wert der Wiederaufforstung“ wurde im Rahmen der genossenschaftlichen Klima-Initiative der Volksbanken und Raiffeisenbanken erstellt. Sie quantifiziert den gesellschaftlichen Nutzen eines Hektars aufgeforsteter Fläche mit rund 200.000 Euro. Grundlage der Berechnung sind ökologische Leistungen wie CO₂-Bindung, Luftreinigung, Nährstoffrückhalt und Landschaftsaufwertung. Bewertet wurden diese Effekte unter anderem mithilfe des Schadenskostenansatzes des Umweltbundesamtes.
525.000 Hektar in Deutschland geschädigt
Angesichts massiver Waldschäden in Deutschland – laut Waldzustandsbericht 2024 sind rund 525.000 Hektar geschädigt – gewinnt das Thema Wiederaufforstung zunehmend an Dringlichkeit. Nur noch etwa jeder fünfte Baum gilt als gesund. Vor diesem Hintergrund betont BVR-Präsidentin Marija Kolak: „Mit der Wiederaufforstung unserer Wälder unterstützen wir langfristig die natürlichen Lebensgrundlagen unserer Regionen. Deshalb ist es ein ureigenes Interesse der Volksbanken und Raiffeisenbanken, sich für den Erhalt dieser gesellschaftlichen Werte einzusetzen.“
Im Rahmen der Studie wurde auch die Wiederaufforstung von 560 Hektar analysiert, die im Sommer 2024 im Rahmen der Klima-Initiative durchgeführt wurde. Der berechnete gesellschaftliche Gegenwert beläuft sich auf über 100 Millionen Euro. Studienleiter Dr. Jesko Hirschfeld hebt hervor: „Die Ergebnisse unterstreichen die ökonomische und gesellschaftliche Relevanz von Wiederaufforstungen und zeigen, dass sich Investitionen aus gesellschaftlicher Perspektive um ein Vielfaches auszahlen.“
Klima-Initiative setzt auf breite Beteiligung
Bereits seit 2022 engagieren sich die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Rahmen ihrer Klima-Initiative „Morgen kann kommen“ für die Aufforstung heimischer Wälder. Über eine Million Setzlinge wurden bislang finanziert und – zum Großteil mit Unterstützung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) – gepflanzt.
Neu ist ein Spendenportal, das Bürgern die direkte Beteiligung an der Wiederaufforstung ermöglicht: Für 7,50 Euro kann ein Baumsetzling finanziert werden, der in einem von zwölf Waldgebieten Deutschlands ausgebracht wird.
Die Studienautoren betonen, dass der tatsächliche Nutzen vermutlich noch höher liegt als berechnet. Denn zahlreiche weitere Ökosystemleistungen wie Biodiversität, Temperaturregulierung und Wasserspeicherung wurden nicht einbezogen. Auch bei den Kosten wurde konservativ kalkuliert – mit 17.000 Euro pro Hektar wurde die Obergrenze der standortabhängigen Kostenspanne angesetzt.
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