Mehr Kontrolle, weniger Abhängigkeit: Wie Versicherer ihre Cloud-Strategien krisenfest machen
Cloud-Technologien gelten als Schlüssel zur digitalen Transformation – doch mit dem geopolitischen Druck wächst die Sorge vor Abhängigkeiten. Die zweite Ausgabe der Studienreihe „Digitale Souveränität“ des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rückt diese Problematik ins Zentrum.
Souveränität als neue Priorität
Im Gegensatz zur ersten Ausgabe, die sich mit unternehmensinternem Souveränitätsmanagement beschäftigte, steht nun die Cloud-Strategie im Fokus. Die Kernfrage lautet: Wie lässt sich ein Gleichgewicht zwischen leistungsfähiger IT-Infrastruktur und kontrollierbarem Daten- und Zugriffsmanagement erreichen?
Dabei beleuchtet die GDV-Studie drei geopolitische Szenarien:
- Schnelle Erholung: Bei stabilen Verhältnissen steht Effizienz im Vordergrund – jedoch mit strategischer Vorbereitung auf Alternativen.
- Konstante Unsicherheit: Multi-Cloud-Ansätze und flexible Governance-Strukturen erhöhen die Widerstandskraft.
- Verschärfung: Bei drastischen Entwicklungen ist der Aufbau unabhängiger Betriebsmodelle notwendig, um handlungsfähig zu bleiben.
Entscheidungsmodell statt Bauchgefühl
Zentrales Element der Studie ist ein Entscheidungsbaum, der Unternehmen hilft, souveräne Cloud-Alternativen systematisch zu bewerten. Drei Hauptkriterien stehen im Mittelpunkt:
- Zugriffsschutz: Kann ein externer Zugriff zuverlässig ausgeschlossen werden – auch in Krisenfällen?
- Lokalisierung: Müssen Datenhaltung und Betrieb vollständig in der EU erfolgen?
- Survivability: Ist der Betrieb auch ohne kritische Updates über mindestens sechs Monate hinweg gesichert?
Je nach Beantwortung ergeben sich verschiedene Optionen: vom Einsatz globaler Hyperscaler bis hin zu rein europäischen oder souveränen Clouds. Ergänzend sollten auch SLAs, Kosten und Funktionsumfang in die Entscheidung einfließen.
Resilienz ist ein strategischer Vorteil
Versicherer, die bereits heute souveräne Cloud-Architekturen etablieren, profitieren nicht nur von höherer Krisenfestigkeit, sondern auch bei regulatorischen Anforderungen, Kundentransparenz und Partnervertrauen. Die GDV-Studie (PDF) betont deshalb die strategische Bedeutung digitaler Souveränität und liefert konkrete Hilfestellung für Transformationsprozesse in der Branche.
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