Krisenblindflug: Deutsche überschätzen ihren Versicherungsschutz bei Blackout und Krieg
Deutschland wiegt sich in trügerischer Sicherheit: Eine neue YouGov-Umfrage zeigt gravierende Fehleinschätzungen beim Versicherungsschutz in Krisen – und ein gefährliches Vertrauen in lückenhafte Policen. Warum ein Blackout für viele zur Kostenfalle werden könnte, erklärt André Disselkamp von Insurancy.
Vier Jahre nach der Ahrtal-Katastrophe zeigt eine neue Umfrage des Berliner Maklers Insurancy, wie schlecht Deutschland auf Krisenszenarien wie Stromausfälle, Überschwemmungen oder Cyberangriffe vorbereitet ist. Laut der repräsentativen YouGov-Erhebung unter 2.069 Personen haben mehr als zwei Drittel der Befragten keinerlei Notfallvorsorge getroffen – keine Vorräte, keine Notfallpläne, keine Schutzmaßnahmen. Besonders hoch ist der Anteil der Vorsorgeverweigerer im Saarland und in Schleswig-Holstein. Dabei sind genau diese Regionen nicht vor Extremwetterereignissen gefeit – was die Ergebnisse umso alarmierender macht.
Trotz fehlender Vorsorge gehen viele Befragte davon aus, dass ihre Versicherungen im Ernstfall einspringen. 61 Prozent glauben, über Hausrat-, Haftpflicht- oder Elementarschadenversicherungen ausreichend abgesichert zu sein. Doch dieser Glaube trügt. „Versicherte wiegen sich in einer gefährlichen Illusion. Sie glauben, abgesichert zu sein – doch gerade in der Krise bleibt der Schutz oft aus“, warnt André Disselkamp, Co-Founder von Insurancy.
Denn zentrale Krisenrisiken wie Blackouts, Krieg, Terror oder gezielte Cyberangriffe sind in den meisten Policen nicht abgedeckt. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung greift beispielsweise nicht, wenn die Arbeitsunfähigkeit durch kriegsähnliche Zustände oder innere Unruhen verursacht wurde. Auch bei staatlich motivierten Cyberattacken oder Terroranschlägen kann der Schutz entfallen. Selbst bei Naturgefahren ist der Versicherungsschutz oft eingeschränkt – etwa durch hohe Selbstbeteiligungen, Beitragszuschläge oder die komplette Ablehnung von Anträgen in Hochrisikozonen.
Besorgniserregend ist auch das Informationsverhalten im Ernstfall: Nur 32 Prozent der Befragten vertrauen auf behördliche Informationen. 45 Prozent informieren sich über klassische Medien, während 21 Prozent auf soziale Netzwerke wie TikTok oder Instagram setzen – mit entsprechendem Risiko für Falschinformationen. „Diese Kanäle sind längst Teil der Krisenvorsorge – leider häufig mit einem hohen Risiko für Desinformation“, erklärt Disselkamp.
Der Versicherungsexperte fordert daher strukturelle Änderungen: „Versicherte müssen klar wissen, wo ihr Schutz endet und welche Maßnahmen sie selbst ergreifen müssen.“ Sein Vorschlag: Jeder Police sollte künftig eine verständliche Krisen-Checkliste beiliegen, die konkret aufzeigt, was abgedeckt ist – und was nicht. Zusätzlich regt er eine verpflichtende Beratung zu Krisenszenarien beim Vertragsabschluss an. Auch die Versicherungsbranche selbst müsse sich stärker in die öffentliche Kommunikation einbringen: „Versicherer genießen Vertrauen – dieses Potenzial müssen wir endlich nutzen, um Menschen besser zu schützen.“
Themen:
LESEN SIE AUCH
Naturgefahrenstatistik 2024: GDV meldet verdoppelte Hochwasserschäden
Deutsche lieben Haftpflichtversicherungen
Viele Eigentümer unterschätzen Starkregen- und Hochwasserrisiken
Silvesterfeuerwerk mit Verantwortung: Worauf Versicherte achten sollten
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
EZB-Umfrage: Ein kurzer Preisschub – und ein längerer Schatten auf dem Wachstum
Zahnzusatzversicherung: Schlechte Kassenleistungen treiben Nachfrage
Entlastungsprämie als Umwegpolitik: Warum der BdSt strukturelle Reformen einfordert
Hohe Fallzahlen bei Borreliose, steigende Schwere bei FSME
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.














