Hohe Fallzahlen bei Borreliose, steigende Schwere bei FSME

Veröffentlichung: 14.04.2026, 11:04 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Borreliose stehen knapp 850 FSME-Fällen gegenüber. Während Borreliose damit unter ihrem langjährigen Durchschnitt bleibt, liegt FSME deutlich darüber. Entscheidend ist weniger, wie viele Menschen erkranken, sondern wie schwer die Verläufe sind und welchen Behandlungsaufwand sie auslösen. Borreliose tritt häufiger auf, verläuft aber in vielen Fällen behandelbar. FSME ist seltener, führt jedoch überdurchschnittlich oft zu schweren, stationären Verläufen.

(PDF)
Mehr Zecken, mehr Risiko – aber Prävention und Versicherungsschutz halten nicht Schritt.Mehr Zecken, mehr Risiko – aber Prävention und Versicherungsschutz halten nicht Schritt.Adobe

Witterung verstärkt das Risiko

Die klimatischen Bedingungen im Jahr 2024 haben die Ausgangslage zusätzlich verschoben. Ein milder Winter, ein früher Beginn des Frühjahrs und phasenweise hohe Feuchtigkeit haben die Aktivität von Zecken begünstigt.
Das verlängert die Expositionszeit und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Kontakten – ohne dass sich das Schutzverhalten automatisch anpasst.

Unterschiedliche Logik der Prävention

Die beiden Erkrankungen folgen unterschiedlichen Präventionslogiken. Gegen Borreliose existiert keine Impfung, Schutz ist nur über Verhalten möglich. FSME hingegen ist impfpräventabel.
Gerade hier zeigt sich der zentrale Widerspruch: Die vermeidbare Erkrankung entwickelt die größere Dynamik bei schweren Verläufen. Die nicht vermeidbare bleibt häufig, aber vergleichsweise stabil.

Versicherungsschutz folgt nicht dem Risiko

Parallel dazu öffnet sich eine zweite Lücke – im Versicherungssystem. Zeckenstiche gelten in vielen älteren Unfallversicherungen nicht als klassischer Unfall. Infektionsfolgen wie Borreliose oder FSME sind daher häufig ausgeschlossen oder nur eingeschränkt abgedeckt.

Das hat zwei Konsequenzen:

  • Ein Teil der finanziellen Risiken bleibt beim Versicherten
  • gleichzeitig trägt das Gesundheitssystem die Behandlungskosten

Moderne Tarife reagieren zwar mit erweiterten Infektionsklauseln, doch der Bestand an Altverträgen bleibt hoch. Der Versicherungsschutz folgt damit nicht der realen Risikostruktur, sondern historischen Vertragsdefinitionen.

Steigendes Risiko trifft auf unklare Absicherung

Mit der steigenden Zeckenaktivität wächst die Wahrscheinlichkeit von Infektionen. Die medizinische Versorgung ist darauf eingestellt und fängt die akuten Fälle weitgehend ab. Weniger klar geregelt ist jedoch, wer für die langfristigen Folgen aufkommt. Gerade schwere FSME-Verläufe können Rehabilitationsphasen, Einkommensverluste oder dauerhafte Einschränkungen nach sich ziehen. Ob diese Risiken finanziell abgesichert sind, hängt oft nicht vom tatsächlichen Bedarf ab, sondern davon, wann und wie ein Versicherungsvertrag abgeschlossen wurde. So entsteht ein doppeltes Ungleichgewicht: Beim Schutz vor der Erkrankung stehen Impfung und Verhalten nebeneinander, ohne dass sich daraus eine verlässliche Routine ergibt. Bei der Absicherung nach der Erkrankung entscheidet nicht das Risiko, sondern der Vertragsstand.

Die Zahlen für 2024 zeigen damit nicht nur ein medizinisches Risiko, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Defizite:

  • klimatisch begünstigte Exposition
  • unzureichend genutzte Prävention
  • lückenhafte versicherungstechnische Abdeckung

Ein vorhandenes Ungleichgewicht mit wachsendem Risiko trifft auf Systeme, die weder präventiv noch finanziell vollständig darauf eingestellt sind.
Die eigentliche Verschiebung liegt damit nicht in den Fallzahlen allein. Sie liegt in der Kombination aus mehr Kontakten, ungenutzter Prävention und inkonsistenter Absicherung. Ein Risiko, das medizinisch besser beherrschbar wäre, wird so ökonomisch und institutionell unnötig verstärkt.

Quellen
– Statistisches Bundesamt (Destatis): Krankenhausstatistik und Todesursachenstatistik 2024
– Robert Koch-Institut (RKI): FSME-Meldedaten und epidemiologische Einordnung

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Die Zecke lauert im hohen Gras oder Unterholz.Die Zecke lauert im hohen Gras oder Unterholz.DALL E prompt by experten
Gesundheitsvorsorge

HUK-COBURG warnt vor Zeckenbissen: Wie Versicherungsschutz bei FSME und Borreliose greift

Zeckenbisse können FSME oder Borreliose auslösen – mit langfristigen Folgen. Viele Versicherungen greifen nicht. So schützen Sie sich gezielt.
DALL EDALL E
Gesundheitsvorsorge

Zeckenalarm im Grünen: Wie Sie sich und Ihre Familie richtig absichern

Zeckenbisse können FSME oder Borreliose auslösen – und betreffen Menschen jeden Alters. Viele Versicherungen greifen nicht. So sichern Sie sich gezielt ab.
Dr. Michael Zons, im Vorstand der DEVK für das Ressort Kunde verantwortlich.Dr. Michael Zons, im Vorstand der DEVK für das Ressort Kunde verantwortlich.DEVK
4 Wände

Mehrheit für Pflichtversicherung gegen Hochwasser und Naturgefahren

Hochwasser, Starkregen und Naturgefahren rücken wieder stärker in den politischen Fokus. Während die Bundesregierung über eine verpflichtende Elementarschadenversicherung nachdenkt, zeigt eine aktuelle Umfrage: Eine Mehrheit der Bevölkerung würde einen solchen Schritt unterstützen.
Leitungswasserschäden entstehen häufig durch defekte oder geplatzte Wasserleitungen und können erhebliche Schäden an Gebäude und Hausrat verursachen.Leitungswasserschäden entstehen häufig durch defekte oder geplatzte Wasserleitungen und können erhebliche Schäden an Gebäude und Hausrat verursachen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Verbraucher

Kostenfalle Rohrbruch: Warum Versicherte bei der Sanierung oft selbst zahlen müssen

Rohrbruch zählt zu den häufigsten und teuersten Schäden in der Wohngebäudeversicherung. Dennoch erleben viele Hausbesitzer nach einem Schaden eine unangenehme Überraschung: Die Versicherung zahlt oft nur einen kleinen Teil der notwendigen Arbeiten. Der Bund der Versicherten warnt vor verbreiteten Missverständnissen.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht