Fernsehtipp: „Rente? Reicht nicht!“ – Warum sich ein Blick in die ZDF-Reportage lohnt
Was bedeutet es, in Deutschland alt zu werden? Die ZDF-Dokumentation „Rente? Reicht nicht!“, ausgestrahlt am 3. Juni 2025 um 22:15 Uhr und ab 8:00 Uhr abrufbar in der ZDF-Mediathek sowie in der App, gibt eine eindringliche Antwort – eine, die die verbreitete Vorstellung vom sicheren, sorgenfreien Ruhestand infrage stellt.
Immer mehr Menschen im Rentenalter arbeiten weiter, weil ihre Renten nicht zum Leben reichen. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Erwerbstätigen über 65 um 25 Prozent auf rund 1,5 Millionen gestiegen. Die Reportage von Gregor Eppinger porträtiert drei von ihnen – Vanessa (85), Angelika (75) und Ebi (71) – und beleuchtet, wie verschieden Lebenswege verlaufen können und wie stark sich diese Unterschiede im Alter auswirken.
Fußpflege und Sitztanz statt Ruhestand
Vanessa arbeitete 25 Jahre lang als Friseurin in Vollzeit. Heute verdient sie sich als Fußpflegerin und Leiterin von Sitztanzkursen ein Zubrot. Ihre Rente reicht nicht – und wenn sie krank ist, fehlt Geld. Eine Mieterhöhung in ihrer langjährigen Wohnanlage droht sie aus ihrem sozialen Umfeld zu verdrängen. Ihr Fall zeigt, wie dünn das finanzielle Polster vieler Rentnerinnen ist – selbst bei einem arbeitsreichen Leben.
Arbeit im Supermarkt trotz beschwerlicher Wege
Angelika räumt Regale in einem Supermarkt ein – mit 75 Jahren eine körperlich belastende Tätigkeit. Ihre Rente reicht für etwa drei Wochen im Monat. Gerne würde sie wohnortnäher arbeiten, doch Absagen wegen ihres Alters sind an der Tagesordnung. Ihre Geschichte steht exemplarisch für viele Ältere, die trotz jahrzehntelanger Arbeit nur auf niedrigem Einkommensniveau altern.
Vom Unternehmer zum Lehrer für Migranten
Ebi kam einst aus dem Iran nach Deutschland, studierte und wurde Unternehmer. Nach einer Krankheit verlor er alles, hatte keine Rentenansprüche und lebt heute von seiner Arbeit als Lehrer und Alltagsbegleiter. Für ihn ist die neue Aufgabe sinnstiftend – doch seine Geschichte zeigt, wie schnell soziale Sicherheit verloren gehen kann, wenn die Lebensbiografie nicht dem Standardmodell entspricht.
Erwerbsbiografien sind vielfältig – Altersrealitäten auch
Die Reportage ist weit mehr als eine Sammlung individueller Schicksale. Sie wirft einen dringend nötigen Blick auf eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung: Erwerbsbiografien in Deutschland verlaufen nicht normiert – doch unser Rentensystem tut oft so, als sei es so. Wer Lücken im Lebenslauf hat, wer krank war, Angehörige pflegte, in Teilzeit arbeitete oder selbstständig war, sieht sich im Alter mit realen materiellen Einschränkungen konfrontiert.
Einmal im Ruhestand angekommen, lassen sich die strukturellen Ungleichheiten der Vergangenheit kaum noch ausgleichen. Die Handlungsspielräume werden enger, Entscheidungen zunehmend fremdbestimmt – durch finanzielle Zwänge, durch gesundheitliche Grenzen, durch fehlende politische Antworten. Was bleibt, ist der Umgang mit der Realität – individuell, oft kreativ, aber keineswegs freiwillig.
Empfehlung: Warum man diese Sendung sehen sollte
„Rente? Reicht nicht!“ ist keine deprimierende Bestandsaufnahme – sie ist ein Impuls. Ein Impuls dafür, die Vorstellung vom Alter in Deutschland zu überdenken. Der Ruhestand ist längst nicht für alle ein Ruhen – für viele bedeutet er Planen, Rechnen, Weiterarbeiten. Die Reportage zeigt das unaufgeregt, präzise und mit respektvollem Blick auf die Menschen, deren Realität sich unserer idealisierten Vorstellung vom Lebensabend entzieht.
Wer die Sendung sieht, wird nicht nur drei bewegende Porträts erleben, sondern auch erkennen: Altersarmut ist kein Einzelfall, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Und unser Umgang damit – politisch wie gesellschaftlich – muss differenzierter werden.
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