Lebenslange Renten statt Vererbungslotterie - Aktuare fordern Reformen

Veröffentlichung: 28.05.2025, 12:05 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) hat bei ihrem heutigen digitalen Jahrespressegespräch umfassende Reformen der sozialen Sicherungssysteme angemahnt. Im Fokus stehen die wachsenden demografischen, finanziellen und strukturellen Herausforderungen für die gesetzliche Rente, Pflege- und Krankenversicherung. Insbesondere durch die Alterung der Gesellschaft und steigende Pflegekosten gerieten die aktuellen Systeme an ihre Belastungsgrenze – sowohl aus individueller als auch aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive.

(PDF)
cms.rfusgDALL-E

„Die heutigen Systeme können auf Dauer weder individuell noch gesamtwirtschaftlich stabile Leistungen sicherstellen“, betonte DAV-Vorstandsvorsitzende Susanna Adelhardt. Es brauche statt isolierter Einzelmaßnahmen eine ganzheitliche Betrachtung der Versorgungssysteme – mit tragfähigen Lösungen, die auf dem Prinzip der Risikogemeinschaft basieren. Ziel sei es, lebenslange Renten sicherzustellen, um das Risiko der Langlebigkeit abzusichern und ein stabiles Einkommen bis zum Lebensende zu gewährleisten.

Ein weiterer Schwerpunkt des Pressegesprächs lag auf der Kritik an individuellen Auszahlplänen, etwa durch Investmentfonds. Diese bergen das Risiko, dass bei einem langen Leben oder ungünstiger Kapitalmarktentwicklung das angesparte Kapital nicht ausreicht. Zugleich können bei frühem Tod größere Vermögen ungenutzt vererbt werden. Diese „Vererbungslotterie“, so der stellvertretende DAV-Vorsitzende Dr. Jürgen Bierbaum, sei nicht nur ungerecht, sondern belaste auch die Angehörigen und die Gesellschaft. Kollektive Lösungen mit solidarischem Risikoausgleich böten hier deutlich mehr Sicherheit – insbesondere bei volatilen Märkten.

Die DAV fordert daher eine stärkere steuerliche Anerkennung von Altersvorsorgeprodukten, die moderate jährliche Schwankungen in der Rentenhöhe zulassen. So könnten kollektive Rentenmodelle attraktiver gestaltet werden, ohne staatliche Zusatzkosten zu verursachen.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Susanna Adelhardt, neue Vorsitzende der DAVSusanna Adelhardt, neue Vorsitzende der DAVDAV
Köpfe

DAV-Vorsitz neu besetzt: Susanna Adelhardt übernimmt

Wechsel an der Spitze der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV): Im Rahmen der Jahrestagung in Bonn wurde Susanna Adelhardt zur neuen Vorsitzenden des Berufsverbands der Aktuarinnen und Aktuare gewählt. Die erfahrene Statistikerin und Vorstandsvorsitzende der HEUBECK AG tritt die Nachfolge von Dr. Maximilian Happacher an, der dem engeren Vorstand weiterhin angehört. Neuer stellvertretender Vorsitzender ist Dr. Jürgen Bierbaum.
ver.di-Chef Frank Werneke: Eine Mitgliederbefragung zeigt deutliche Ablehnung gegenüber einem höheren Renteneintrittsalter und einer Lockerung des Acht-Stunden-Tages.ver.di-Chef Frank Werneke: Eine Mitgliederbefragung zeigt deutliche Ablehnung gegenüber einem höheren Renteneintrittsalter und einer Lockerung des Acht-Stunden-Tages.ver.di
Fürs Alter

83 Prozent der ver.di-Mitglieder lehnen höheres Rentenalter ab

Länger arbeiten – sowohl bis zur Rente als auch am einzelnen Arbeitstag? Unter ver.di-Mitgliedern stoßen beide Vorstellungen auf deutliche Ablehnung. Auch die Sorgen um die finanzielle Absicherung im Alter sind groß. Die Befragung zeigt aber vor allem, warum die Rentendebatte für viele weit vor dem Ruhestand beginnt.
Altersvorsorgedepot, Altersvorsorge, Bitkom, ETF, Kapitalmarkt, private Altersvorsorge, Digitalisierung, Rente, staatliche Förderung, VermögensaufbauAltersvorsorgedepot, Altersvorsorge, Bitkom, ETF, Kapitalmarkt, private Altersvorsorge, Digitalisierung, Rente, staatliche Förderung, VermögensaufbauRedaktion experten.de / KI-generiert
Fürs Alter

Zwei Drittel sind offen für das Altersvorsorgedepot

Das geplante staatlich geförderte Altersvorsorgedepot stößt schon vor seiner Einführung auf breite Zustimmung. Eine aktuelle Bitkom-Umfrage zeigt: Obwohl das Konzept bislang nur vier von zehn Menschen bekannt ist, können sich zwei Drittel der potenziellen Nutzer vorstellen, ein solches Depot für die private Altersvorsorge zu nutzen. Besonders wichtig ist ihnen dabei eine einfache digitale Verwaltung.
Die Rentenkommission hat die Reformdebatte eröffnet. Nun beginnt der politische Konflikt darüber, wer die Kosten des demografischen Wandels tragen soll.Die Rentenkommission hat die Reformdebatte eröffnet. Nun beginnt der politische Konflikt darüber, wer die Kosten des demografischen Wandels tragen soll.Experten/ KI
Fürs Alter

Rentenkommission verschiebt die Rentendebatte – vom Leistungsversprechen zur Finanzierungsfrage

Die Vorschläge der Rentenkommission spalten Parteien, Gewerkschaften und Ökonomen. Im Zentrum stehen Rentenalter, Kapitaldeckung und Generationengerechtigkeit.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht