Bester Zugang zur Gesundheitsversorgung – aber ungesunde Lebensweise senkt Lebenserwartung in Deutschland

Veröffentlichung: 02.05.2025, 12:05 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Deutschland bietet im europäischen Vergleich einen außergewöhnlich guten Zugang zur medizinischen Versorgung – doch die Lebenserwartung hinkt hinterher. Wie das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) in einer aktuellen Studie zeigt, belegt Deutschland bei den Versorgungsstrukturen den Spitzenplatz unter zehn EU-Ländern. Gleichzeitig landet es beim gesundheitsbewussten Verhalten auf dem letzten Rang. Ein starker Kontrast mit Folgen für Lebenserwartung und Systemkosten.

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In Deutschland mangelt es an gesundheitsbewußtem Verhalten, so eine Studie.In Deutschland mangelt es an gesundheitsbewußtem Verhalten, so eine Studie.Grok

Schneller Zugang zu medizinischen Leistungen

Das deutsche Gesundheitssystem punktet laut Studie mit kurzen Wartezeiten, breitem Leistungsumfang und geringen Zuzahlungen. Ein Beispiel: Innovative Arzneimittel stehen Patientinnen und Patienten hierzulande im Schnitt bereits 47 Tage nach der Zulassung zur Verfügung – im EU-Durchschnitt dauert es 474 Tage. Auch beim Zugang zu Fachärzten und Diagnostik liegt Deutschland vorn. „Unser Gesundheitssystem gehört zweifellos zu den leistungsfähigsten in Europa“, so Dr. Frank Wild, Leiter des WIP.

Ungesunder Lebensstil drückt Lebenserwartung

Trotz der guten strukturellen Voraussetzungen liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland mit 81,2 Jahren unter dem EU-Mittelwert (81,5 Jahre) – und rund drei Jahre unter der Schweiz. Auch bei der Krebssterblichkeit schneidet Deutschland nur durchschnittlich ab. Die Ursachen sieht die Studie nicht im Versorgungssystem, sondern im Lebensstil der Bevölkerung:

  • 30 % der Erwachsenen trinken mindestens einmal im Monat exzessiv Alkohol (EU: 19 %)
  • 53 % sind übergewichtig oder adipös
  • Nur 50 % erreichen das WHO-Mindestmaß an Bewegung
  • Beim Konsum von Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten sowie beim Zucker- und Fettverzehr zählt Deutschland zu den Schlusslichtern

„Eine gute Versorgung allein reicht nicht“, mahnt Wild. „Wenn wir die Lebenserwartung steigern und die Belastung des Systems reduzieren wollen, müssen wir gesundheitsbewusstes Verhalten gezielter fördern.“

Handlungsbedarf bei Prävention und Gesundheitsförderung

Die Studienautoren betonen die Relevanz gezielter Präventionsmaßnahmen – sowohl zur Förderung gesunder Lebensweisen als auch zur langfristigen Entlastung der Versorgungssysteme. Ein Appell an Politik, Versicherer und Gesellschaft, Prävention stärker als systemische Säule zu verankern.

Zur Studie: „Zugang zur Gesundheitsversorgung, Gesundheitszustand und Risikofaktoren. Das deutsche Gesundheitssystem im europäischen Vergleich“ – verfügbar unter www.wip-pkv.de

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