„Wohnraumkrise ist kaum noch zu verhindern“
Die Wohnungswirtschaft hat während der Regierungszeit der Ampel-Koalition eine turbulente Phase durchlebt. Während der Immobilienverband Deutschland (IVD) dringend Sofortmaßnahmen für den Wohnungsbau fordert, zeigt eine Analyse von Immowelt, dass die Angebotspreise für Wohneigentum zunächst einen Höchststand erreichten, dann aber deutlich fielen.
Immowelt-Analyse: Immobilienpreise gesunken, Leistbarkeit trotzdem verschlechtert
Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland folgten während der Ampel-Regierung einem Auf- und Abwärtstrend:
-
September 2021: 3.097 €/m² (vor Regierungsantritt)
-
Juni 2022: 3.295 €/m² (Höchststand)
-
Dezember 2023: 2.923 €/m² (-11,3 % seit Höchststand)
-
Februar 2025: 3.018 €/m² (moderate Erholung)
Parallel zu den fallenden Preisen sind die Zinsen für Baufinanzierungen rasant gestiegen. Während sie Anfang 2022 noch bei 1 % lagen, kletterten sie bis Ende 2023 auf 4 % und haben sich erst seit 2024 leicht auf 3,5 % eingependelt. Das führte dazu, dass sich die Leistbarkeit von Wohneigentum zwischen September 2021 und Dezember 2023 um 20,5 % verschlechtert hat. Trotz eines leichten Anstiegs der Kaufkraft um 5,8 % seit Anfang 2024 bleibt der Gesamtverlust bei 15,8 %.
IVD fordert Sofortmaßnahmen zur Wohnwende
IVD-Präsident Dirk Wohltorf warnt vor einer drohenden Wohnraumkrise: „Die neue Bundesregierung muss in den ersten Wochen nach der Regierungsbildung handeln. Bereits jetzt rollt eine Wohnraumkrise auf uns zu, die kaum noch zu verhindern ist!“ Er fordert ein Sofortprogramm für die Wohnwende, um den massiven Rückgang der Fertigstellungen abzufedern.
Laut Wohltorf sind die Baugenehmigungen im dritten Jahr in Folge gesunken – 2024 wurden nur noch 215.900 Genehmigungen erteilt, ein Rückgang von 16,8 Prozent im Vergleich zu 2023. Besonders betroffen ist der Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern. Wohltorf fordert daher eine Rückkehr zu praxistauglichen Baustandards, die Abschaffung der Grunderwerbsteuer für selbstgenutztes Eigentum und eine Beschleunigung von Genehmigungsverfahren.
„Wenn die Bundesregierung nicht in der ersten Woche ein starkes Signal sendet, wird der Wohnungsbau endgültig einbrechen“, warnt Wohltorf.
Berechnungsgrundlage der Immowelt-Analyse
Datenbasis für die Berechnung der Kaufpreise waren auf immowelt.de inserierte Angebote. Die mittels hedonischer Verfahren errechneten Werte geben die Quadratmeterpreise von Bestandswohnungen (75 Quadratmeter, 3 Zimmer, 1. Stock, Baujahr 1990er-Jahre) sowie Einfamilienhäusern (600 Quadratmeter Grundstücksfläche, 5 Zimmer, Baujahr zwischen 1945 und 1970) zwischen dem 01.09.2021 und dem 01.02.2025 wieder. Es handelt sich um Angebots-, keine Abschlusspreise.
Themen:
LESEN SIE AUCH
„Wohneigentum bleibt beliebteste Altersvorsorge – aber vielen fehlt das Geld“
Lage, Lage, Finanzierbarkeit: der deutsche Immobilienmarkt im Wandel
Ländervergleich: Immobilienpreise in Deutschland mit stärkstem Rückgang
Immobilienausblick: So entwickeln sich die Preise 2023
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
Heizungsgesetz: Die Kostenbremse zwingt Vermieter in die Haftung
Deutschlands Immobilienmarkt bis 2035: Die Rückkehr der Knappheit – aber nicht überall
Der deutsche Immobilienmarkt 2026: Sanierungsstau trifft auf Angebotslücke
„Wir versichern Häuser, aber schützen sie nicht“
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.














