Welche Haushalte spüren die Inflation besonders?
Laut dem neuen IMK-Inflationsmonitor der Hans-Böckler-Stiftung zeigt sich, dass die Inflation im Jahr 2024 zwar moderat war, jedoch spezifische Personengruppen weiterhin stark belastet. Während die gesamtwirtschaftliche Inflationsrate bei 2,2 Prozent lag, bleibt die Frage, wie stark verschiedene Haushalte betroffen sind, ein zentrales Thema.
Der Bericht verdeutlicht, dass ärmere Familien und Haushalte mit mittleren Einkommen in den vergangenen fünf Jahren die höchsten Belastungen durch die Inflation erlebten. Familien mit Kindern und niedrigem Einkommen mussten seit 2019 Preissteigerungen von 20,8 Prozent verkraften, gefolgt von Paaren mit Kindern und mittleren Einkommen mit 20,4 Prozent. Dagegen betrug die Teuerungsrate für Alleinlebende mit sehr hohem Einkommen im gleichen Zeitraum lediglich 18,3 Prozent.
Aktuell profitieren ärmere Familien von gesunkenen Energie- und Kraftstoffpreisen, die in ihrem Warenkorb ein höheres Gewicht haben. Ihre Inflationsrate lag im Dezember 2024 bei lediglich 2,0 Prozent. Alleinlebende mit niedrigen Einkommen, die seltener ein Fahrzeug besitzen, spürten hingegen mit 2,2 Prozent eine etwas stärkere Teuerung.
Langfristige Belastungen bleiben hoch
Ein längerfristiger Vergleich zeigt, dass die Preise seit 2019 um fast 20 Prozent gestiegen sind. Besonders stark verteuerten sich Nahrungsmittel (+35,6 Prozent) und Energie (+40,2 Prozent), während Dienstleistungen mit +15,5 Prozent vergleichsweise moderat zulegten.
Dr. Silke Tober, Inflationsexpertin des IMK, hebt hervor: „Haushalte mit geringem Einkommen sind durch die Teuerung besonders betroffen, da sie einen großen Teil ihres Budgets für Güter des Grundbedarfs ausgeben, die sich kaum einsparen lassen.“
Ausblick: Moderate Inflation erwartet
Für 2025 prognostiziert das IMK eine Inflationsrate von etwa zwei Prozent. Trotz dieser Normalisierung bleiben die Nachwirkungen der vergangenen Jahre spürbar. Die EZB wird aufgefordert, mit Zinssenkungen Investitionen zu fördern, um den Wirtschaftswachstum zu stärken.
Der IMK-Inflationsmonitor steht zum Download bereit.
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