Bundestag beschließt umfassende Entlastungsreform - Bundesrat stimmt zu

Veröffentlichung: 23.12.2024, 05:12 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Der Bundestag hat eine weitreichende Reform verabschiedet, die Bürgerinnen und Bürger steuerlich und sozial entlasten soll. Im Mittelpunkt stehen der Ausgleich der kalten Progression bei der Einkommensteuer und eine Erhöhung des Kindergeldes. Am Freitag stimmte der Bundesrat zu.

(PDF)
cms.bycxuLoboStudioHamburg / pixabay

Ziel der Maßnahmen ist es, die arbeitende Mitte und Familien in Zeiten hoher Inflation finanziell zu unterstützen.

Abbau der kalten Progression: Mehr Netto trotz Inflation

Ein zentraler Bestandteil der Reform ist der Abbau der kalten Progression. Dieses Phänomen führt dazu, dass Gehaltserhöhungen durch höhere Steuerabgaben kompensiert werden, ohne dass die Kaufkraft steigt. Um diesen Effekt auszugleichen, wird der Grundfreibetrag ab Januar 2024 von 11.784 Euro auf 12.096 Euro angehoben, mit einer weiteren Erhöhung auf 12.348 Euro im Jahr 2026. Zusätzlich werden die Eckwerte im Steuertarif verschoben, sodass höhere Steuersätze erst bei höheren Einkommen greifen. Die Freigrenze für den Solidaritätszuschlag wird angepasst, während die Grenze für die Reichensteuer unverändert bleibt.

Kindergeld und Kinderfreibetrag steigen ab 2024

Das Kindergeld wird ab Januar 2024 um 5 Euro auf 255 Euro monatlich erhöht. Der Kinderfreibetrag steigt um 60 Euro auf 6.672 Euro, und einkommensschwache Familien profitieren von einer Erhöhung des Kindersofortzuschlags auf 25 Euro monatlich. Nach Berechnungen der Grünen wird eine Familie mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von 60.000 Euro dadurch im kommenden Jahr um insgesamt 306 Euro entlastet. Eine weitere Anpassung des Kindergeldes und Kinderfreibetrags ist für 2026 geplant.

Elterngeld bleibt unberührt: Ein vernachlässigtes Problem

Während Einkommensteuer und Kindergeld regelmäßig an die Inflation angepasst werden, bleibt das Elterngeld seit 2007 unverändert. Der Ökonom Maurice Höfgen weist in seinem letzten Newsletter „Geld für die Welt“ darauf hin, dass das Elterngeld dadurch massiv an Kaufkraft verloren hat. Der Mindestsatz von 300 Euro entspricht heute nur noch einer realen Kaufkraft von 211 Euro, während der Höchstsatz von 1.800 Euro auf 1.268 Euro gesunken ist. Zudem kritisiert Höfgen, dass die Einkommensgrenze für Zuschläge seit ihrer Einführung bei 1.240 Euro stagniert, obwohl sie inflationsbereinigt bei 1.760 Euro liegen müsste. Er bemängelt, dass politische Parteien seit 2007 keine Inflationsanpassung für das Elterngeld vorgenommen haben und stattdessen durch Kürzungen bei den Einkommensgrenzen Einsparungen erzielt wurden, ohne diese Mittel zur Verbesserung des Elterngeldes zu nutzen.

Finanzielle Belastung für den Staat und die Länder

Die Entlastungsmaßnahmen verursachen erhebliche Kosten. Im Jahr 2024 belaufen sie sich auf rund 7,2 Milliarden Euro, während sie in den Folgejahren auf 13,5 bis 14,8 Milliarden Euro jährlich steigen. Die Bundesländer verzichten durch das Gesetz auf Einnahmen von durchschnittlich 5,4 Milliarden Euro pro Jahr.

Politische Unterstützung und kontroverse Diskussionen

Die Reform fand breite Unterstützung von SPD, Grünen, FDP, Union und AfD, stieß aber auch auf Kritik. SPD und Grüne bemängelten die Streichung von Investitionsanreizen und Abschreibungsmöglichkeiten, die ursprünglich vorgesehen waren. Die Union begrüßte hingegen den Abbau von Bürokratie im ursprünglichen Gesetzentwurf. Der ehemalige Finanzminister Christian Lindner (FDP) verteidigte die Maßnahmen und betonte, dass der Staat kein „Inflationsgewinner“ sein dürfe.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Klare Mehrheit für milliardenschwere InvestitionenKlare Mehrheit für milliardenschwere InvestitionenFotograf: Thomas Köhler / photothek Deutscher Bundestag
Politik

Bundestag beschließt Schuldenpaket – Entscheidung im Bundesrat steht aus

Der Bundestag hat das umstrittene Schuldenpaket mit einer deutlichen Zweidrittelmehrheit verabschiedet. 513 Abgeordnete stimmten dafür, 207 dagegen – Enthaltungen gab es keine. Das Paket sieht unter anderem ein 500 Milliarden Euro schweres schuldenfinanziertes Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung vor.
Der Bundesrat in Berlin: Die Länderkammer spielt eine zentrale Rolle bei der Verabschiedung bundesweiter Gesetze und Reformvorhaben.Der Bundesrat in Berlin: Die Länderkammer spielt eine zentrale Rolle bei der Verabschiedung bundesweiter Gesetze und Reformvorhaben.Redaktion experten.de / KI-generiert
Politik

Altersvorsorgereform passiert Bundesrat – Streit um Staatsfonds und Kosten beginnt erst jetzt

Mit der Zustimmung des Bundesrates ist die Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. Während Branchenverbände die stärkere Kapitalmarktorientierung grundsätzlich begrüßen, wächst zugleich die Kritik an Staatsfonds-Modellen, fehlender Beratung und möglichen Kostenfallen.
DALL-E
Politik

Rentenpaket beschlossen: „Hängepartie vorbei – aber Probleme bleiben ungelöst“

Die politische Hängepartie ist beendet: Der Bundestag hat das Rentenpaket der Bundesregierung verabschiedet. Während die Koalition das Maßnahmenbündel als Stabilisierungsschritt bewertet, bleibt die Kritik aus Verbänden und der Wirtschaft deutlich. Zwei Stimmen aus der Branche zeigen, wie ambivalent die Reaktionen ausfallen – und wo zentrale Reformbaustellen weiterhin ungelöst bleiben.
Dauerhafte Senkung der Umsatzsteuer auf 7 % für Speisen in RestaurantsDauerhafte Senkung der Umsatzsteuer auf 7 % für Speisen in RestaurantsAdobe
Politik

Das Steueränderungsgesetz 2025

Das Steueränderungsgesetz 2025 verspricht Entlastung für Pendler, Gastronomie & Ehrenamt. Doch echte Reform bleibt aus – eine Analyse der Maßnahmen.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht