BU-Regulierung: Längere Bearbeitungszeiten durch steigende Anträge
Das BU-Leistungspraxisrating 2024 von Franke und Bornberg liefert detaillierte Einblicke in die Regulierungspraxis von zehn Versicherern. Trotz steigender Antragszahlen und längerer Bearbeitungszeiten gibt es Fortschritte.
Die Regulierungspraxis in der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) steht regelmäßig im Fokus der Kritik. Das BU-Leistungspraxisrating von Franke und Bornberg analysiert seit 2004, wie fair, professionell und kundenorientiert Versicherer bei Leistungsanträgen handeln. Für das aktuelle Rating stellten sich zehn Anbieter der umfassenden Untersuchung, darunter große Namen der Branche wie Allianz, HDI und Zurich.
Längere Bearbeitungszeiten durch steigende Anträge
Im Jahr 2023 benötigten die teilnehmenden Versicherer durchschnittlich 182 Tage, um BU-Leistungen zu regulieren – ein Anstieg im Vergleich zu 166 Tagen im Jahr 2021. „Die BU-Bestände werden reifer, und mit dem Alter der Versicherten steigt die Zahl der Anträge“, erklärt Philipp Wedekind, Leiter Rating Vorsorge und Nachhaltigkeit bei Franke und Bornberg. Um die wachsende Belastung zu bewältigen, investieren viele Versicherer in die personelle Verstärkung und die Ausbildung von Nachwuchskräften.
Digitale Lösungen beschleunigen den Prozess
Ein wesentlicher Zeitfaktor ist der BU-Fragebogen, dessen Bearbeitung durch Kunden im Schnitt 40 Tage dauert. Um diese Verzögerung zu reduzieren, setzen einige Versicherer auf digitale Tools. Kundenportale ermöglichen es, Formulare online auszufüllen und Dokumente hochzuladen. Zudem etabliert sich die telefonische Klärung von Fragen als wirksames Mittel, um die Regulierungsdauer zu verkürzen und die Kundenzufriedenheit zu steigern.
Gutachten und Prozesse: Kein Hauptproblem
Die Befürchtung, dass Gutachten und Prozesse die BU-Regulierung erheblich verzögern, wurde durch das Rating nicht bestätigt. Lediglich 2,17 Prozent der Fälle endeten 2023 vor Gericht, und die Gutachtenquote ist seit 2019 von 6,01 Prozent auf 2,87 Prozent gesunken. Wedekind führt dies auf hohe Kosten, oft mangelhafte Gutachtenqualität und lange Bearbeitungszeiten zurück. Viele Versicherer setzen daher verstärkt auf das Know-how ihrer eigenen Mitarbeiter und die Einbindung von Gesellschaftsärzten.
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