Jahressteuergesetz 2024: Anpassungen mit wenig Schlagkraft

Veröffentlichung: 28.11.2024, 11:11 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Das Jahressteuergesetz 2024 bringt einige Anpassungen, doch echte Reformen bleiben aus. Ute Pappelbaum, Geschäftsführerin der experten-netzwerk GmbH, stellt in ihrem Kommentar heraus, warum die neuen Regelungen eher Stückwerk als großer Wurf sind.

(PDF)
cms.iixmcAlexBarcley / pixabay

Das Jahressteuergesetz 2024, das der Bundestag am 18. Oktober 2024 verabschiedet hat, wirkt wie ein halbherziger Versuch, an mehreren Stellen kleine Anpassungen vorzunehmen, ohne tiefgreifende Veränderungen zu schaffen. Zwar zielt das Gesetz darauf ab, aktuelle Herausforderungen im Steuerrecht aufzugreifen, doch in zentralen Bereichen bleiben die Regelungen hinter den Erwartungen zurück. Die Zustimmung des Bundesrats am 22. November 2024 steht noch aus, doch die Wirkung des Gesetzes dürfte begrenzt bleiben.

Steuerbefreiung für Photovoltaikanlagen: Ein Tropfen auf den heißen Stein

Mit der Anhebung der steuerfreien Leistung kleiner Photovoltaikanlagen von 15 kW (peak) auf 30 kW (peak) pro Wohn- oder Gewerbeeinheit wird ein kleiner Fortschritt erzielt. Auch Gewerbeimmobilien mit mehreren Einheiten profitieren. Dennoch bleibt der Impuls für den Ausbau erneuerbarer Energien gering, da umfassendere Förderansätze oder Vereinfachungen fehlen.

E-Bilanz: Mehr Bürokratie statt echter Vereinfachung

Die erweiterten Übermittlungspflichten im Rahmen der E-Bilanz belasten Unternehmen stärker, als sie vereinfachen. Neben Kontennachweisen und Anlagenverzeichnissen müssen ab 2028 auch Lageberichte und Prüfungsberichte elektronisch eingereicht werden. Für viele Unternehmen, vor allem kleinere Betriebe, bedeutet dies zusätzlichen Aufwand, ohne erkennbaren Vorteil.

Kinderbetreuungskosten: Leichte Entlastung, aber kein großer Wurf

Die Erhöhung des abziehbaren Anteils bei Kinderbetreuungskosten auf 80 % und die Anhebung des Höchstbetrags auf 4.800 Euro pro Kind ab 2025 schaffen zwar Entlastungen für Familien. Doch diese Maßnahme bleibt Stückwerk und löst keine grundsätzlichen Probleme bei der steuerlichen Förderung von Familien.

Verlustverrechnung: Streitpunkt ohne Lösung

Ein besonders kritischer Punkt bleibt die Verlustverrechnungsbeschränkung bei Termingeschäften. Die Begrenzung der Verrechnung auf 20.000 Euro jährlich und die fehlende Möglichkeit, Verluste breiter auszugleichen, sorgen weiterhin für Unmut. Der Bundesfinanzhof hat die Regelung als verfassungsrechtlich bedenklich eingestuft, doch statt einer Reform wird der Status quo fortgesetzt. Dieser Kompromiss verdeutlicht, dass politische Zurückhaltung wichtiger war als eine umfassende Lösung.

Kleinunternehmerregelung: Mehr Spielraum, aber keine Revolution

Mit der Anhebung der Umsatzgrenzen auf 25.000 Euro im Vorjahr und 100.000 Euro im laufenden Jahr erhalten kleine Unternehmen mehr Freiheiten. Doch auch hier bleibt der Ansatz zu schmal, um wirklich tiefgreifende Entlastungen zu schaffen.

Ein Gesetz ohne Schlagkraft

Das Jahressteuergesetz 2024 liest sich wie ein Versuch, Steuerpolitik ohne Konflikte zu gestalten. Die Änderungen sind an vielen Stellen pragmatisch, aber weit davon entfernt, strukturelle Herausforderungen anzugehen oder gar ein Zeichen für echte Reformbereitschaft zu setzen. Kritische Themen wie die Verlustverrechnung bleiben ungelöst, und selbst die positiven Ansätze wie die Reform der Kleinunternehmerregelung verpuffen in ihrer Wirkung. Es bleibt der Eindruck eines Kompromisses, der mehr der politischen Gesichtswahrung als den steuerlichen Bedürfnissen gerecht wird.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Dr. Johannes Neder, Vorstand der VEMA eGDr. Johannes Neder, Vorstand der VEMA eGVEMA eG
Kommentar

Wer Altersvorsorge nur ideal denkt, verfehlt die Realität

Die Debatte um private Altersvorsorge wird oft mit großen Idealbildern geführt: mehr Honorarberatung, weniger Provisionen, neue Berufsmodelle. Dr. Johannes Neder, Vorstand der VEMA eG, hält dagegen. In seinem Kommentar plädiert er für mehr Realitätssinn in der Altersvorsorgeberatung – und warnt vor Konzepten, die an den Lebenswirklichkeiten vieler Verbraucher vorbeigehen.
Pop-Art-Porträts verschiedener Frauen zum Internationalen FrauentagPop-Art-Porträts verschiedener Frauen zum Internationalen FrauentagRedaktion experten.de / KI-generiert
Kommentar

Gleichstellung: Der Streit beginnt erst

Zum Internationalen Frauentag zeigt eine Ipsos-Studie: Männer und Frauen bewerten den Fortschritt der Gleichstellung in Deutschland zunehmend unterschiedlich.
Experten-Chefredakteur Michael FiedlerExperten-Chefredakteur Michael FiedlerJörg Singer
Kommentar

Execution only – Kampfansage an den Vertrieb oder nüchterne Selbstrettung der Versicherer?

Ist der GDV-Vorstoß in Richtung ‚execution only‘ eine Kampfansage an Vermittler oder eine fast schon betriebswirtschaftliche Notwendigkeit für die Versicherer? Michael Fiedler geht dieser Frage in seinem Kommentar nach.
„Der Zinsanstieg ist auffällig. Bereits heute können wir erkennen, dass die Solvency-II-Bedeckungsquote eines markttypischen Lebensversicherers in der kommenden Berichtssaison deutlich ansteigen wird“, so Aleksander Rejman, Director bei der WTW Versicherungsberatung.„Der Zinsanstieg ist auffällig. Bereits heute können wir erkennen, dass die Solvency-II-Bedeckungsquote eines markttypischen Lebensversicherers in der kommenden Berichtssaison deutlich ansteigen wird“, so Aleksander Rejman, Director bei der WTW Versicherungsberatung.WTW
Kommentar

Zinsanstieg 2025: Warum Lebensversicherer trotz stiller Lasten an Kapitalstärke gewinnen

Der deutliche Anstieg der langfristigen Zinsen im Jahr 2025 verändert die Kapitalposition deutscher Lebensversicherer spürbar. In einem Marktkommentar analysiert Aleksander Rejman von der WTW Versicherungsberatung, warum steigende stille Lasten und verbesserte Solvency-II-Quoten kein Widerspruch sind – und weshalb der Effekt je nach Gesellschaft sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht