Versicherer und Nachhaltigkeit: Ein Spiel von Licht und Schatten

Veröffentlichung: 01.10.2024, 06:10 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Die Versicherungsbranche spielt eine zentrale Rolle im Umgang mit langfristigen Risiken durch Klimawandel und gesellschaftliche Veränderungen. Laut Georg Goedeckemeyer, Leiter Rating des IVFP, hat sie sogar das Potenzial, eine treibende Kraft für nachhaltige Transformation zu sein. Doch nicht alles ist rosig...

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Die Nachhaltigkeitskompetenz der Versicherer – Licht und Schatten

Die Zukunft scheint grün zu sein, und die Versicherungsbranche spielt dabei eine entscheidende Rolle: „Die Versicherungsbranche trägt eine besondere Verantwortung, da sie die langfristigen Risiken von Klimawandel und gesellschaftlichen Veränderungen absichert. Gleichzeitig hat sie die Möglichkeit, als Motor für eine nachhaltige Transformation zu wirken und diese maßgeblich und erfolgreich zu beeinflussen“, sagt Georg Goedeckemeyer, Leiter Rating des IVFP.

Seit dem ersten Nachhaltigkeitskompetenzrating vor zwei Jahren haben sich die Rahmenbedingungen in puncto Nachhaltigkeit geändert. Vor zwei Jahren war die Einstellung zu diesem Thema noch durchweg positiv, doch das ist nun nicht mehr unbedingt der Fall. Gründe dafür sind unter anderem aufwändige Datenerhebungen, komplizierte Definitionen und regulatorische Anforderungen, die nicht immer praxisnah sind, führt das IVFP an. Diese Skepsis spiegelt sich auch im aktuellen Rating wider. Einige Gesellschaften zeigen ein nachlassendes Ambitionsniveau und manche verzichten sogar gänzlich auf eine erneute Teilnahme.

Positiv ist, dass sich einige Anbieter im Vergleich zur Untersuchung vor zwei Jahren deutlich weiterentwickelt haben und dadurch ihr Engagement für Nachhaltigkeit unterstreichen. So konnte erstmals die Höchstbewertung „Exzellent“ vergeben werden. Diese erhalten Gesellschaften, die einen außergewöhnlich hohen Beitrag zu verschiedenen Facetten der Nachhaltigkeit und insbesondere im Bereich der nachhaltigen Geldanlage leisten.

Wie bei allen Kompetenzratings basiert die Bewertung auf einer interaktiven Analyse. Diese ermöglicht es, einen Blick „hinter die Kulissen“ zu werfen und die Kompetenz der Teilnehmer zu beurteilen. Lippenbekenntnisse allein reichen nicht aus. Um in die Bewertung aufgenommen zu werden, mussten die Teilnehmer ihre Anstrengungen im Nachhaltigkeitsbereich umfangreich belegen. Die Rater überprüften die Angaben im Fragebogen und verglichen sie mit beigefügten Dokumenten, die bis zu knapp 200 Einzelbelege pro Anbieter umfassten. Die Bewertung der einzelnen Kriterien erfolgte im Benchmark-Verfahren. Die Teilnahme steht allen Lebensversicherern offen und ist kostenlos. Alle Teilnehmer erhalten eine individuelle Einschätzung durch das IVFP, wie ihre Bemühungen im Bereich der Nachhaltigkeit im Marktvergleich zu bewerten sind. Aufgrund des hohen Aufwands nehmen in der Regel nur Gesellschaften teil, die sich Chancen auf eine sehr gute Bewertung ausrechnen.

Insgesamt haben sich 16 Versicherer dem Vergleich gestellt. Besonders überzeugen konnten Allianz, AXA, HDI, ERGO Life, neue leben, Stuttgarter und die TARGO, die mit der Note „Exzellent“ ausgezeichnet wurden. SIGNAL IDUNA und Zurich folgen knapp dahinter mit der Note „Sehr gut“. Da es sich um ein interaktives Rating handelt, ist das IVFP in besonderem Maße auf die Mitarbeit und Kooperation der Versicherer angewiesen. Daher werden bei den Kompetenzratings nur diese beiden Notenstufen veröffentlicht.

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