Nachhaltigkeitskonferenz des BVI: ESG im Spannungsfeld zwischen Praxis, Politik und Performance

Veröffentlichung: 09.07.2025, 11:07 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Über 150 Teilnehmende aus Fondsindustrie, Finanzaufsicht, Wissenschaft und Realwirtschaft diskutierten am 3. Juli 2025 in Frankfurt am Main auf Einladung des Bundesverbands Investment (BVI) über aktuelle Herausforderungen nachhaltiger Kapitalanlagen. Im Mittelpunkt standen Fragen der Regulierung, Transparenz – und der Umgang mit Gegenwind für ESG-Investments.

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Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVIThomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVIBVI

EU-Kommission signalisiert Offenheit für Praxisnähe

Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI, betonte in der Eröffnung die neue politische Schwerpunktsetzung auf Kapitalmarktstärkung und Wettbewerbsfähigkeit. Michael Hager, Vertreter der EU-Kommission, griff dies im Eröffnungsvortrag auf: Die Kommission wolle Standards für Nachhaltigkeit vereinfachen, Berichtspflichten entschlacken und setze auf einen kontinuierlichen Dialog mit der Branche. Hager zeigte sich offen für praxisnahe Lösungen und lud den BVI ausdrücklich zur Mitgestaltung ein.

Rüstung und Nachhaltigkeit: Offene Debatte auf dem Podium

Ein kontroverses Thema der Konferenz war die Frage, ob und wie Rüstungsinvestitionen als nachhaltig gelten können. In der Paneldiskussion unter Leitung von Robert Bluhm (Universal Investment) diskutierten dazu Katharina Drexler (Helaba Invest), Elisabeth Hauschild (Diehl Stiftung), Marian Klemm (Forum Nachhaltige Geldanlagen – FNG) und Dominik Schäfer (Deutsche Bank). Die Diskussion machte deutlich: Die Meinungen zur Rolle von Verteidigungsausgaben in ESG-Strategien bleiben gespalten – zwischen sicherheitspolitischem Pragmatismus und ethischen Standards.

CSRD und ESG-Markt unter der Lupe

Im weiteren Verlauf analysierte Prof. Maximilian Müller (Universität zu Köln) das Potenzial des neuen CSRD-Reportings: Es könne nur dann echten Mehrwert für Investoren schaffen, wenn die Datenqualität steige und Doppelregulierungen vermieden würden. Anschließend stellte Hortense Bioy (Morningstar) aktuelle Trends und Verschiebungen im ESG-Fondsmarkt vor – insbesondere nach der Umstellung auf die neuen ESMA-Leitlinien.

Wie lässt sich Nachhaltigkeit wieder aufladen?

Ein weiteres Highlight war das Panel unter der Moderation von Julia Backmann (Allianz Global Investors), das sich mit der Frage befasste, wie sich verlorenes Vertrauen von Anlegern zurückgewinnen lässt. Diskutiert haben: Matthias Battefeld (Hannoversche Volksbank), Markus Duscha (Fair Finance Institute), Theresa Nabel (BaFin) und Ingo Speich (Deka Investment). Einigkeit bestand darin, dass Transparenz und klare Wirkungsnachweise entscheidend für die Reaktivierung von ESG-Interesse sind.

Energiewende, Transition und Biodiversität

Den Nachmittag eröffnete Tanja Groeger (EWE) mit einem lebendigen Bericht über die Transformationsprozesse eines regionalen Energieversorgers. Gemeinsam mit Oliver Hailzl (PATRIZIA Infrastructure), moderiert von Bastian Hammer (BVI), diskutierte sie über Investitionspfade in der Energiewende.

Nadine Sterley (GEA Group) zeigte anhand eines Maschinenbauunternehmens, wie Transitionspläne konkret in einem energieintensiven Umfeld umgesetzt werden können. Antje Biber (FERI) plädierte eindringlich dafür, Biodiversität als wirtschaftlich relevantes ESG-Kriterium zu verstehen: „Der Verlust biologischer Vielfalt betrifft nahezu alle Branchen.“

Transatlantische Perspektiven und regulatorischer Gegenwind

Rob Skinner (Ropes & Gray) analysierte aus Boston heraus die Entwicklungen in den USA: Dort gerieten ESG-Initiativen zunehmend unter politischen Druck. Assetmanager stünden vor der Herausforderung, Nachhaltigkeitsstrategien gegenüber regulatorischer Unsicherheit abzusichern und zugleich Diversitätsziele nicht aus dem Blick zu verlieren.

Abschlussdiskussion: Zukunft von ESG-Investments

Zum Abschluss diskutierten unter der Leitung von Magdalena Kuper (BVI) folgende Branchenvertreter*innen über die Zukunft nachhaltiger Geldanlagen: Anastasia Petraki (BlackRock), Simone Ruiz-Vergote (MSCI), Anke Sänger-Zschorn (IVOX Glass Lewis), Andreas Steinert (Amundi) und Martin Ziegenbalg (DHL). Trotz teils rauer Marktbedingungen und kritischer Stimmen zeigten sich die Podiumsgäste überzeugt: Nachhaltigkeit bleibt ein integraler Bestandteil erfolgreicher Kapitalanlage – sofern sie glaubwürdig und transparent umgesetzt wird.

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