Die meisten Deutschen malen sich einen Ruhestand voller Freizeit, ohne Sorgen und bei bester Gesundheit aus. Doch für das Alter vorzusorgen, schieben viele auf die lange Bank. Gerade dieses Zögern rächt sich. Da die gesetzliche Rente kaum noch zum Leben reichen wird, sind finanzielle Rücklagen notwendig, um nicht in die Altersarmut abzurutschen.
Ein Beitrag von Dr. Alexander Kihm, Chief Product Officer, Raisin Pension WeltSparen
Die Plattform für Geldanlage WeltSparen hat die von Stepstone erfassten Durchschnittsgehälter verschiedener Altersklassen betrachtet, die voraussichtliche Rentenlücke berechnet und anschließend ermittelt, wie hoch das Ersparte von 30- bis 60-Jährigen heute bereits sein sollte. Der Empfehlung von Finanzexperten folgend, nehmen wir dabei an, dass zehn Prozent des monatlichen Nettoeinkommens ab sofort bis zum Renteneintritt gespart werden.
Wir gehen in Bezug auf die monatlichen Ersparnisse von zwei verschiedenen Szenarien aus:
Szenario 1) - Sparen: Das gesparte Geld wird unverzinst auf dem Girokonto bei der Hausbank geparkt oder unter das Kopfkissen gelegt.
Szenario 2) - Investieren: Das gesparte Geld wird investiert, beispielsweise in ETFs mit einer durchschnittlichen Rendite von 5 Prozent pro Jahr.
Früh vorsorgen mit finanziellem Polster
30-Jährige verdienen laut den Gehaltsdaten von Stepstone im Durchschnitt 44.606 Euro im Jahr. Das entspricht einem monatlichen Nettogehalt von 2.344 Euro. Für eine unverheiratete Person ohne Kinder, die ab 25 Jahren konstant in die Rentenversicherung einzahlt, ergibt sich daraus ein gesetzlicher Rentenanspruch von brutto etwa 1.649 Euro pro Monat. Um im Alter auf einem ähnlichen Niveau von rund 2.400 Euro leben zu können, fehlen nach Abzügen der Steuern und Inflation sogar durchschnittlich 976 Euro im Monat. Und das häuft sich mit den Jahren zu einer beträchtlichen Summe:
Wer mit 67 in Rente geht und anschließend 14 Jahre Rente bezieht, dem fehlen hochgerechnet fast 164.000 Euro. Um diese Rentenlücke auszugleichen, ist schon mit 30 langfristiges und beharrliches Sparen angesagt: Wer dem Rat von Finanzexperten folgt und ab sofort zehn Prozent seines monatlichen Einkommens beiseite legt, der kann bis zum Renteneintritt immerhin rund 117.000 Euro ansparen. Den Rest – immerhin etwa 47.000 Euro – sollten 30-Jährige bereits auf dem Konto haben, um ihre Rentenlücke zu schließen und ihren Lebensstil im Alter nicht drastisch einschränken zu müssen.
Enorme Rentenlücke schon bei den 40-jährigen
Mit 40 Jahren verdienen die Bundesbürgerinnen und Bundesbürger 2022 im Schnitt 52.221 Euro brutto im Jahr. Auf das monatliche Nettogehalt runtergebrochen sind das etwa 2.657 Euro. Dieser Verdienst ergibt nach aktuellem Stand eine gesetzliche Brutto-Rente ab 67 Jahren von 1.930 Euro im Monat. Um ein ähnliches Lebensniveau wie mit 40 auch im Ruhestand zu genießen, sind bei Renteneintritt zusätzlich durch Inflation und Steuern durchschnittlich sogar 1.077 Euro pro Monat nötig. Bei 14 Jahren Rentenbezug fehlen im Alter insgesamt sogar 181.000 Euro Kapital.
Diese enorme Rentenlücke lässt sich mit einer monatliche Sparquote von zehn Prozent reduzieren. Doch selbst wer ab 40 bis zum Rentenalter konsequent auf ein extra Sparkonto einzahlt, kommt damit nur auf 88.000 Euro. Die restlichen rund 93.000 Euro zum Ausgleich der Rentenlücke sollte eine 40-jährige Person also schon jetzt für die Altersvorsorge gespart haben.
Für Ältere wird es eng
Auch wenn sich die meisten Älteren schon auf einen entspannten Ruhestand freuen dürften, ist bei ihnen finanziell keine Entwarnung angesagt. Das von Stepstone ermittelte Durchschnittsgehalt von 50-jährigen Deutschen beträgt 2022 53.720 Euro oder im Monat 2.717 Euro. 60-Jährige verdienen durchschnittlich 53.549 brutto im Jahr oder 2.710 Euro netto im Monat. Ausgehend davon ergeben sich Rentenansprüche von rund 1.980 Euro für 50- wie 60-Jährige.
Um den aktuellen Lebensstandard auch ab 67 aufrecht zu erhalten, fehlen 50-Jährigen durchschnittlich 1.134 Euro pro Monat, sodass sich bei ihnen eine Rentenlücke von 190.000 Euro ergibt. Sparen sie zehn Prozent ihres jeweiligen Nettogehalts, können sie noch 55.000 Euro anhäufen – 135.000 Euro sollten sie also bereits mit 50 auf dem Konto haben. 60-Jährige hingegen müssen pro Monat durchschnittlich zwar nur 1.086 Euro kompensieren, um ihren Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Allerdings haben sie dafür auch deutlich weniger Zeit, um Ersparnisse aufzubauen. Selbst wenn sie bis zum Renteneintritt mit 67 zehn Prozent ihres Nettogehalts sparen, kommen sie lediglich auf Ersparnisse in Höhe von 23.000 Euro. Bei einer Rentenlücke von rund 183.000 müssten sie dementsprechend bereits fast 160.000 Euro für einen sorglosen Ruhestand auf dem Konto haben.
Die Lösung: Investieren statt sparen
Was also tun, wenn ich mit 30, 40 oder 50 noch nicht genügend Rücklagen habe? Keine Panik! Wer sein Geld für sich arbeiten lässt, kann das für die Altersvorsorge benötigte Vermögen schneller und effizienter aufbauen. Fließen zehn Prozent des monatlichen Nettoeinkommens kontinuierlich in einen Sparplan, der beispielsweise in kostengünstige und breit gestreute Exchange Traded Fonds (ETFs) investiert, kommt sogar deutlich mehr zusammen als benötigt wird, um die Rentenlücke zu füllen.
Werden mit 30 Jahren jeden Monat zehn Prozent des aktuellen Nettogehalts beispielsweise in einen ETF Sparplan eingezahlt, können bis zum Renteneintrittsalter mit 67 bei einer durchschnittlichen Rendite von fünf Prozent insgesamt 316.000 Euro gespart werden. Damit wäre die Rentenlücke gedeckt und darüber hinaus sogar noch fast 153.000 Euro zusätzlich gespart. Legen aktuell 40-Jährige zehn Prozent ihres Einkommens monatlich an, kann die Rentenlücke mit Ersparnissen von 177.000 Euro fast geschlossen werden – nur etwa 4.000 Euro sollten sie bereits auf dem Konto haben.
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