BU-Unternehmensrating: Qualität weiter ausgebaut

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Die Versicherer ERGO, Generali, HDI und Nürnberger erzielen Bestnoten beim BU-Unternehmensrating von Franke und Bornberg. Und erlauben zugleich tiefe Einblicke in ihre Antrags- und Leistungspraxis sowie in das Controlling. Corona ist für sie kein Problem, aber Inflation und Energiekosten trüben die Erwartungen ein.

Arbeitskraftabsicherung boomt. Im letzten Jahr wurden wieder erheblich mehr Invaliditätsversicherungen abgeschlossen als in den Jahren 2018-2020. Auf der Suche nach einem geeigneten Vertrag sind Tarifratings nützlich. Im besten Fall spiegeln sie Stärken und Schwächen eines Produktes. Doch Tarifqualität und Preis sind nur eine Seite der Medaille. Eine ebenso wichtige Rolle spielt die Qualität des BU-Versicherers.

Um die verlässlich zu bewerten, hat Franke und Bornberg bereits 2003 das BU-Unternehmensrating konzipiert und 2004 erstmals veröffentlicht. Es analysiert seitdem Jahr für Jahr, wie professionell Lebensversicherer das Risiko Berufsunfähigkeit (BU) handhaben und wie kundenorientiert sie dabei vorgehen. Im Laufe der Zeit ist daraus ein einzigartiger Datenpool entstanden.

So läuft das Rating

Die Teilnahme ist freiwillig und für die Unternehmen mit Aufwand verbunden. Dieser beginnt mit dem Befüllen eines umfangreichen Datenbogens. Die Analyst*innen werten aber nicht nur Zahlenkolonnen aus. Sie besuchen die Unternehmen, verifizieren deren Angaben vor Ort und diskutieren mit Verantwortlichen aktuelle und geplante Arbeitsabläufe.

Zusätzlich werden ausgewählte Leistungsfälle per Stichprobe überprüft. Als Abschluss erhalten die Gesellschaften einen detaillierten Ratingbericht, der unternehmensspezifische Ansatzpunkte und Hebel für noch mehr Professionalität und Kundenorientierung in der BU-Versicherung aufzeigt.

Das letzte BU-Unternehmensrating wurde im  April 2021 veröffentlicht. Die aktuellen Gespräche erfolgten zwischen Mai und September 2022 sowohl remote per Webkonferenz als auch – erstmals seit 2019 – wieder in den Unternehmen. Die Ratingnoten basieren auf Daten für das Jahr 2021.

Ergebnisse 2022 im Überblick

Die Versicherer ERGO, Generali, HDI und Nürnberger stellen sich seit Jahren dem BU-Unternehmensrating von Franke und Bornberg. Und können deshalb beim Ratingdurchlauf 2022 mit Top-Ergebnissen überzeugen: Sie erhalten jeweils die Bestnote FFF+ (hervorragend).

Richtungweisend statt repräsentativ

Das BU-Unternehmensrating liefert keine Daten, die alle BU-Versicherer in Deutschland repräsentieren. Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter von Franke und Bornberg, erläutert den Unterschied:

Es sind die überdurchschnittlich ambitionierten BU-Versicherer, die sich an unserem Rating beteiligen. Sie unterziehen sich der Prüfung, weil sie noch besser werden wollen.

Das Benchmarkverfahren sei eine Challenge, bei der die Unternehmen genau erkennen, in welchen Bereichen sie noch Potentiale haben. Und das führe zu ständigen Verbesserungsprozessen, so Franke weiter.

Aus diesem Grund könnten die Ergebnisse gar nicht repräsentativ für die Branche sein, sondern lieferten nicht selten die Benchmark für andere Marktteilnehmer. Die Kerngruppe aus ERGO, Generali, HDI und Nürnberger sei seit Jahren stabil, berichtet der Geschäftsführer. Für das Analysehaus sei das ein Glücksfall, denn es beobachte ihre Entwicklung hin zu noch höherer BU-Qualität kontinuierlich und hautnah. Und dies unterstütze dabei, die wesentlichen Erfolgsfaktoren herauszufiltern und auf künftige Untersuchungen anzuwenden.

Zudem bietet der mehrstufige Untersuchungsansatz die Chance, Fakten und Beobachtungen im Austausch mit den Gesellschaften zu hinterfragen. Das schärft bei allen Beteiligten den klaren Blick auf aktuelle Trends und Entwicklungen.

Leistungsprüfung wird individueller

Früher startete die Leistungsprüfung mit dem Versand eines dicken Briefumschlags. Darin befand sich ein mehrseitiger Fragebogen mit einigen Dutzend Standardfragen. Und dann passierte wochenlang nichts. Diese Zeiten sind bei den teilnehmenden Versicherern erfreulicherweise vorbei. Hier geht der Trend in Richtung Individualisierung.

Leistungsprüfer nehmen heute in der Regel direkt Kontakt zu Anspruchstellenden auf. In einem ersten Telefonat werden Erkrankung und Berufsbild gemeinsam abgeklärt. Auf Basis dieser Informationen entsteht ein für den Versicherten individualisierter Leistungsantrag ohne überflüssige Fragen. Manche Unternehmen vervollständigen darüber hinaus wesentliche Punkte gemeinsam mit Kunden, wahlweise telefonisch oder vor Ort. Diese Vorgehensweise ist nicht nur kundenorientiert, sondern beschleunigt auch den Entscheidungsprozess. 

Was macht Covid 19 mit BU-Versicherern?

Zu Beginn der Pandemie haben die Gesellschaften Neuanträge im Falle einer Corona-Infektion häufig zurückgestellt. Mittlerweile reicht es für die Einschätzung des Risikos in der Regel, wenn zwischen Infektion und der Antragsstellung wenige Wochen liegen. Das gilt selbstverständlich nicht bei schweren Krankheitsverläufen. Franke fasst zusammen:

Covid 19 allein ist kein KO-Kriterium für einen BU-Vertrag. Erst wenn andere Krankheitsbilder hinzukommen, fragen Antragsprüfer nach.

Auf die Leistungsregulierung hat Corona praktisch keinen Einfluss. Schwere Verläufe einer Corona-Infektion bis hin zum Tod treffen überwiegend ältere Menschen, die keinen BU-Schutz mehr haben. Nur wenige Antragsteller weisen eine mindestens sechsmonatige Einschränkung ihrer Berufsfähigkeit nach. Sollte es zu einer Anerkennung der Leistung gekommen sein, ist in über 50 Prozent der Leistungsfälle der Anspruch zum Zeitpunkt der Untersuchung schon wieder entfallen. Deshalb wirkt sich Corona im BU-Bestand und in den BU-Quoten kaum aus.

Die Ratingteilnehmer sind problemlos durch die Coronakrise gekommen. Im Vergleich zu 2019 stieg ihr policiertes Neugeschäft 2021 um fast 21 Prozent. Mit dieser Steigerungsrate liegen sie deutlich über dem branchenweiten Aufwärtstrend. Auf die Teilnehmer und ihre Beschäftigten nimmt die Pandemie jedoch an anderer Stelle spürbar Einfluss: Die Arbeit wurde schon früh ins Homeoffice verlagert und findet aktuell noch überwiegend dort statt. In der Regel arbeiten Vollzeitbeschäftigte drei Tage im Homeoffice und nur zwei Tage im Büro.

Ausblick: Inflation und Rezessionssorgen 

Wie die Gespräche zeigen, trübt sich der Ausblick ein. Verbraucher leiden unter der Inflation und in besonderem Maße unter hohen Energiepreisen. Das lässt oftmals wenig Spielraum im verfügbaren Haushaltseinkommen. Die teilnehmenden Gesellschaften prognostizieren deshalb, ebenso wie die gesamte Branche, einen Rückgang der Nachfrage. Im Bestand zeigen sich bislang jedoch keine negativen Reaktionen auf die Inflation; bis einschließlich August 2022 sind die Stornoquoten der befragten Versicherer konstant geblieben.

Franke und Bornberg veröffentlicht die BU-Unternehmensratings im Internet kostenlos in der Rubrik Ratings. In Kürze werden flankierend die Ergebnisse der jüngsten BU-Leistungspraxisstudie vorliegen. Auf der DKM in Dortmund (25. – 27. Oktober 2022, Passage, Stand P01) bietet Franke und Bornberg Interessierten weitere Hintergrundinformationen und Gelegenheit zum Austausch.

Untersuchungssteckbrief

Das BU-Unternehmensrating von Franke und Bornberg setzt ausschließlich auf eigene Recherchen. Ein Datenbogen mit weit mehr als 500 Einzelpositionen liefert die Basisdaten. Die Untersuchung umfasst die Teilbereiche BU-Kundenorientierung und BU-Stabilität.

Gewichtung:

  • Kundenorientierung in der Angebots- und Antragsphase (Gewichtung 25 Prozent)
  • Kundenorientierung in der Leistungsregulierung (Gewichtung 25 Prozent)
  • Stabilität des BU-Geschäfts (Gewichtung 50 Prozent)

Das BU-Unternehmensrating kann in großem Umfang auf interne und vertrauliche Daten der beteiligten Gesellschaften zugreifen. Für die Kundenorientierung werden Arbeitsabläufe sowie anonymisierte Vertrags- und Leistungsdaten analysiert. Damit verifiziert das BU-Unternehmensrating von Franke und Bornberg als einziges Bewertungsverfahren selbst erhobene Daten per Stichprobe.

Die Höchstnote FFF+ wird nur dann vergeben, wenn mindestens 80 Prozent der möglichen Gesamtpunkte sowie in mindestens zwei Teilbereichen ebenfalls mindestens jeweils 80 Prozent erreicht sind. Kein Teilbereich darf unter 75 Prozent abfallen.

Bild (2): © Franke und Bornberg GmbH