Existenzangst: Wie Unternehmer damit umgehen können

Die Corona-Krise hat die Existenzängste vieler Unternehmer noch verstärkt. Dabei ist nicht einmal eine Wirtschaftskrise wie derzeit notwendig, um existenzielle Sorgen auszulösen. Es gibt Wege, um Existenzängste erfolgreich zu vermeiden und zu bewältigen.

Nicht erst die Corona-Pandemie macht Unternehmern Angst. Existenzielle Angst. Bereits im Frühjahr 2020 empfand jedes 10. Unternehmen in Deutschland die Digitalisierung als eine große Bedrohung, die Existenzangst auslöst.

Jetzt haben Einbußen rund um den Lockdown für das eine oder andere Unternehmen Sorgen zur eigenen wirtschaftlichen Existenz erheblich konkretisiert.

Die Angst um das wirtschaftliche Überleben ist wie ein Gespenst, das nicht wenige Unternehmer-Biografien dauerhaft prägt. Nicht immer sind so gravierende Einschnitte wie eine Pandemie notwendig, um diese existenziellen Ängste auszulösen. Gibt es Möglichkeiten, mit der Angst umzugehen? Lässt sie sich vielleicht produktiv nutzen, um neue Chancen und Möglichkeiten zu erkennen?

Was ist Existenzangst und was sind typische Auslöser von Existenzängsten bei Unternehmern?

Wirtschaftlicher Ruin. Pleite. Bankrott. Versagen. Insolvenz. Das sind nur einige der Stichworte, die sich hinter der Existenzangst verbergen. Die betroffenen Unternehmer befürchten, dass sie ihr Geschäft nicht mehr weiterführen können und damit regelmäßig auch die persönliche wirtschaftliche Grundlage gefährdet ist. Es ist eine Angst, die an den Urinstinkt des eigenen Überlebens anknüpft.

Obwohl sich die auslösenden Faktoren für die Existenzangst nicht verallgemeinern lassen, weil sie sehr individuell sein können, kann man einige typische „Trigger“ für sie benennen:

  • allgemeine Krisen wie die Corona-Krise und andere Wirtschaftskrisen
  • Veränderungen wie beispielsweise die Umstellung auf E-Autos und damit verbundene Einbußen bei Zulieferern
  • persönliche Krisen und Veränderungen mit Auswirkungen auf das Geschäft wie Krankheit oder Scheidung
  • Auftragsflauten und zunächst nicht erklärbare Umsatzeinbußen
  • Veränderungen der regulatorischen Rahmenbedingungen in manchen Branchen

Die auslösenden Faktoren haben eines gemeinsam: Es geht regelmäßig um Veränderungen, die sich krisenhaft, schleichend, manchmal mit Vorlaufzeit und Ankündigung, in vielen Fällen aber überraschend einstellen. Die Veränderungen stellen Unternehmer auf die Probe. Sie fordern die eigene Flexibilität heraus und die Fähigkeit zur Analyse der eigenen Situation.

Auftragsloch – wenn die Existenzangst konkret zu werden scheint

Gerade Unternehmer, die noch nicht lange selbstständig tätig sind, kämpfen mit Existenzängsten, wenn sich plötzlich eine Flaute bei den Aufträgen einstellt. Auftragslöcher können aber auch alteingesessene Unternehmen treffen und existenzielle Sorgen hervorrufen. Häufig wird dabei übersehen, dass eine Auftragsflaute ein wertvoller Hinweis darauf sein kann, die Weichen in bestimmten Bereichen neu zu stellen.

Sie fordert dazu auf, das eigene Vorgehen, die eigene Positionierung am Markt und die eigenen Prozesse zu analysieren. Es ist an der Zeit, den eigenen Fokus und das eigene Profil zu schärfen.

Konzentriert man sich hierbei auf alles das, was man beeinflussen kann, lässt sich gerade mit flexiblen Anpassungen auf ein Auftragsloch eine schwerere Krise vermeiden.

Außerdem ist es normal, dass das Auftragsvolumen gewissen Schwankungen unterliegt. Kein Unternehmer sollte Angst vor Auftragsflauten haben, sie aber achtsam im Auge behalten und genauer hinsehen.

Welche Wege führen aus der Existenzangst heraus?

Experten wie der Wirtschaftspsychologe Tobias Nitzschke empfehlen als ersten Schritt zur Bekämpfung von Existenzangst etwas sehr Einfaches: Wenn man seine Sorgen und Ängste schriftlich ausformuliert, kann man sich einen besseren Überblick dazu verschaffen, welche Teile davon rational und welche irrational sind.

Danach kann man sich auf die Dinge konzentrieren, auf die man selbst Einfluss hat und die man ändern kann. Ereignisse und Veränderungen, die man nicht ändern kann, gilt es zu akzeptieren. In einem dritten Schritt muss man loslassen, was einfach nicht zu ändern ist und sich an potenzielle Alternativen heranwagen.

Existenzangst hat immer etwas mit einem Ohnmachtsgefühl zu tun. Mit dem beschriebenen dreiteiligen Ansatz lässt sich dieses Gefühl von Ohnmacht und Kontrollverlust in die Schranken weisen.

Fazit: Hinter fast jeder Veränderung wartet eine neue Chance

Wenn Existenzangst mit der Angst vor Veränderung zu tun hat, lohnt sich ein Blick auf Veränderungen. Meist haben sie zwei Seiten. Sie bringen Gewohntes und vielleicht auch sehr Geliebtes zu Fall. Dahinter machen sich neue Möglichkeiten und Chancen bereit, in den Fokus zu treten.

Je eher sich ein Unternehmer innerlich für die kommenden Chancen öffnet, desto besser kann er mit der Existenzangst umgehen und sie häufig bereits von Anfang an vermeiden.

 

Bild: © Paolese – stock.adobe.com

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