Hohe Beiträge für Risikolebensversicherungen durch E-Zigaretten

In Deutschland rauchen laut Daten des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) 20,8 Prozent aller Frauen und  27 Prozent aller Männer ab 18 Jahren, obwohl eine Studie des Erasmus-Universitätsklinikums in Rotterdam zeigt, dass Rauchen noch vor hohem Alkoholkonsum und Adipositas (BMI über 30) die Lebenszeit am stärksten verkürzt.

Allein in Deutschland sind Krebs, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf- sowie Lungen- und Atemwegserkrankungen und andere durch das Rauchen ausgelöste schwerwiegender Krankheiten für jährlich über 120.000 Todesfälle verantwortlich.

1.143 Euro Mehrkosten pro Jahr

Im Vergleich zu lebenslangen Nichtrauchern ist die Sterberate von Rauchern deshalb zwei- bis dreimal höher. Die individuelle Lebenszeit eines Rauchers verkürzt sich je nach Berechnungsmodell der jeweiligen Studie um sieben bis zehn Jahre. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass Risikolebensversicherungen von Rauchern höhere Beiträge verlangen.

Eine Berechnung des Vergleichsportals Risikolebensversicherung.de, die als Beispiel einen 35-jährigen Verwaltungsfachangestellten nutzt, der für 30 Jahre sein Leben in Höhe von 250.000 Euro versichern möchte, kommt je nach Versicherungsgesellschaft auf Mehrkosten von 105 Prozent (Ergo) und 270 Prozent (Allianz) durch das Rauchen. Dies entspricht im Extremfall 1.143 Euro Mehrkosten pro Jahr im Vergleich zu einem Nichtrauchertarif.

Wechsel in Nichtrauchertarif nach einem Jahr

Trotz der hohen Mehrkosten sollten Raucher beim Abschluss einer Risikolebensversicherung auf keinen Fall lügen. Die Versicherungsgesellschaft kann die vereinbarte Todesfallleistung verweigern, wenn zum Beispiel im Falle von Lungenkrebs von einem Arzt festgestellt wird, dass der Patient in Folge seines Tabakkonsums verstorben ist. Das eigentlich durch die Risikolebensversicherung geschützte Personenkreis würde in diesem Fall leer ausgehen.

Einige Assekuranzen lassen auch langen Rauchern jedoch ein „Schlupfloch“ offen, das es ihnen ermöglicht in einen günstigen Nichtrauchertarif zu wechseln. Obwohl eine Studie der University of Oslo zeigt, dass das Sterberisiko nach 20 Jahren Tabakkonsum um 52 Prozent höher liegt, ermöglichen es einige Tarife bereits nach einem Jahr ohne Zigarette als Nichtraucher eingestuft zu werden. Nötig ist dafür in der Regel jedoch eine erneute Gesundheitsprüfung, die die Abstinenz bestätigt.

E-Zigaretten als „gesunde Alternative“?

Die starken Gesundheitsrisiken herkömmlicher Zigaretten und alternativer Konsumformen wie Wasserpfeifen (Shishas) sowie die hohen Kosten haben auch in Deutschland in den letzten Jahren dazu geführt, dass immer Raucher auf elektronische Verdampfungsgeräte (E-Zigaretten) umgestiegen sind. E-Zigaretten verdampfen spezielle Liquids, dies sind Flüssigkeiten, die in der Regel Geschmacksstoffe und Nikotin enthalten, ohne einen Verbrennungsprozess. Auf jeden Fall ist das Dampfen von E-Zigaretten günstiger als die herkömmlichen Tabakzigaretten, viele Nutzer halten es aufgrund der anderen Funktionsweise aber auch für eine „gesunde Alternative“ zu Zigaretten.

Die meisten deutschen Risikolebensversicherung behandeln konventionelle Zigaretten und E-Zigaretten trotz der großen Unterschiede identisch. Auch „Dampfer“ müssen sich deshalb derzeit noch oft als Raucher versichern und deutlich höhere Beiträge zahlen.

Einige Risikolebensversicherungen verpflichten sogar Personen, die Mittel zur Rauchentwöhnung wie Nikotinpflaster, -sprays und -kaugummis nutzen, sich in einem Rauchertarif zu versichern, weil das schädliche Nikotin weiterhin dem Organismus zugeführt wird. Auch hier sollten Konsumenten keinesfalls Lügen, weil das Nikotinabbauprodukt Cotinin aufgrund seiner langen Halbwertszeit bei einer Obduktion leicht nachgewiesen werden kann.

Aufgrund der komplexen Versicherungsbedingungen und der zwischen den einzelnen Gesellschaften teilweise großen Unterschiede sollte im Zweifelsfall ein Versicherungsexperte die Klassifizierung als Raucher oder Nichtraucher durchführen. Dieser findet nicht nur geeignete Tarife, sondern kann sicherstellen, dass es nicht durch unwissentliche Falschangaben zu einem Ausfall der Todesfallleistung kommt.

Spezielle Risikolebensversicherung von Philip Morris International

Inzwischen hat der weltweit größte Tabakproduzent Philip Morris International (PMI) auf die Situation am Versicherungsmarkt reagiert. Über die 100-prozentige PMI-Tochtergesellschaft Reviti bietet der Konzern in Großbritannien eine eigene Risikolebensversicherung an. Laut einem Bericht des Wirtschafts- und Finanznachrichtensender CNBC soll die Ende 2019 lancierte Versicherung bald auch in weiteren Ländern angeboten werden.

Bei Reviti erhalten ehemalige Raucher, die nun stattdessen eine E-Zigarette nutzen, einen Rabatt von 2,5 Prozent. Personen, die auf den PMI Tabakerhitzer iQOS umsteigen, erhalten nach drei Monaten einen Rabatt von 25 Prozent und nach zwölf Monaten einen Rabatt von 50 Prozent.

Der Konzern PMI reagiert mit seiner Versicherung auf Entwicklungen seines Kerngeschäfts, das durch einen immer geringeren Anteil junger Raucher bedroht wird. Während in Deutschland 2005 noch 27,5 Prozent aller Jugendlichen zwischen 12 und 17 Raucher waren, sind es aktuell nur noch 7,2 Prozent. Bei jungen Erwachsenen von 18 bis 25 Jahren ist der Anteil der Raucher ebenfalls stark von 44,5 Prozent auf 24,8 Prozent gesunken. PMI ist deshalb mittel- und langfristig auf alternative Produkte wie die E-Zigarette iQOS angewiesen.

Laut Andre Calantzopoulos, Geschäftsführer von PMI „profitiert das Unternehmen, weil es sich bei diesen Produkten nicht um Zigaretten handelt von niedrigeren Steuern und besseren Gewinnmargen.“ Calantzopoulos bezeichnet E-Zigaretten und die neue Risikolebensversicherung deshalb als „eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.“ Außerdem macht die Tarifgestaltung deutlich, dass aus Sicht des ehemals reinen Tabakkonzerns E-Zigaretten ein geringes Gesundheitsrisiko darstellen und somit Rabatte ermöglichen.

Gesundheitsrisiko von E-Zigaretten in der Wissenschaft

Inzwischen hat sich auch die Wissenschaft mit den Gesundheitsrisiken von E-Zigaretten in zahlreichen Studien beschäftigt.

Geringeres Risiko laut Studie der Public Health England

Die zum britischen National Health Service (NHS) gehörende Public Health England (PHE) hat bereits 2016 eine umfassende Untersuchung zu den Gesundheitsrisiken von Tabakverdampfern veröffentlicht. Im Gegensatz zu vorherigen Studien, die häufig entweder von Gegnern oder Befürwortern der E-Zigaretten finanziert wurden, wurden die Studie der PHE nicht über Drittmittel, die die Unabhängigkeit beeinflussen könnten, bezahlt.

Laut den Studienergebnissen kann das Verdampfen von nikotinhaltigem Liquid nicht als risikolos bezeichnet werden. Dies liegt daran, dass zum Veröffentlichungszeitpunkt der Metastudie noch keine globale Langzeitstudie zu den Gesundheitsrisiken von elektronischen Zigaretten vorlag. Das PHE kommt dennoch zu dem Ergebnis, dass E-Zigaretten auch ohne das Vorliegen einer Langzeitstudie im Vergleich zu konventionellen Zigaretten als deutlich weniger schädlich eingestuft werden können. Die Wissenschaftler konstatieren daher, dass E-Zigaretten eine gute Alternative zu herkömmlichen Zigaretten für alle Raucher sind.

Karzinogenes Pulegon in Liquids

Das gesundheitliche Restrisiko von E-Zigaretten zeigt unter anderem eine Studie der Duke University School of Medicine von Ende 2019, die die Zusammensetzung zahlreicher Liquids analysiert hat. Dabei wurde in einem Teil der Flüssigkeiten des monozyklische Monoterpenketon Pulegon, das durch die Food and Drug Administration (FDA) wegen seiner karzinogenen Wirkung zur Nutzung in Lebensmitteln bereits verboten wurde. Verwendet wird Pulegon vor allen aufgrund seines Pfefferminzgeruchs. Nachgewiesen wurde es deshalb vor allen in Liquids mit Minz- und Mentholgeschmack.

Die ermittelte Konzentration lag im Vergleich zu normalen Mentholzigaretten 86- bis 1.608-Mal höher. Ob daraus eine tatsächliche Gefährdung für die Dampfer entsprechender Liquids entsteht, hat die Studie hingegen nicht untersucht. Auch eine Studie der Universität Stanford zeigt, das einige Aromen, die in Liquids genutzt werden, die Gesundheit teils stark negativ beeinflussen. Genannt werden auch in dieser Studie vor allen Liquids mit Mentholaroma, jedoch ohne konkret Pulegon als Ursache zu nennen.

Laut einer Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) konnte anhaltende Lungenschäden und Todesfälle durch E-Zigaretten wie in den USA in Deutschland bisher nicht beobachtet werden. Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR, empfiehlt jedoch beim Gebrauch von E-Zigaretten weiterhin wachsam zu sein und Liquids keinesfalls selbst zu mischen. Eine konkrete Empfehlung für oder gegen E-Zigaretten spricht das BfR hingegen nicht aus.

 Rauchentwöhnung dank E-Zigarette

Wissenschaftler der Queen Mary University of London haben mithilfe von 886 Personen untersucht, ob E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnung helfen können. Dazu wurden die Probanden in zwei Gruppen unterteilt, die entweder einen Verdampfer mit einem nikotinhaltigen Liquid oder eine Kombination aus Pflastern, Sprays und Kaugummis erhielten. Überdies würden die Studienteilnehmer während der Rauchentwöhnung intensiv therapeutisch betreut.

Laut Studienleiter Peter Hajek „waren E-Zigaretten doppelt so effektiv wie der bisherige Goldstandard, die Kombination von Nikotinersatzprodukten.“ Während die herkömmlichen Nikotinersatzprodukte in der Kontrollgruppe 9,9 Prozent der Probanden dabei halfen, Nichtraucher zu werden, schafften es nach einem Jahr aus der E-Zigaretten-Gruppe 19 Prozent Nichtraucher zu bleiben.

Außerdem wurden E-Zigaretten laut einem standardisierten Fragebogen in der Rauchentwöhnung subjektiv aus hilfreicher beurteilt. Dies zeigte sich vor allen darin, dass Nebenwirkungen wie eine hohe Reizbarkeit und die typische Konzentrationsschwäche deutlich seltener auftraten. Die Studienautoren konstatieren daher, dass E-Zigaretten besonders in der Rauchentwöhnung sinnvoll sind, um im Optimalfall Menschen zu kompletten Nichtrauchern zu machen.

In einem Begleitkommentar der Studie bezeichnet Onno van Schayck, Präventionsmediziner von der Universität Maastricht, die Studienergebnisse als „Meilenstein“. Es handelt sich dabei um die erste wissenschaftliche Veröffentlichung, die diesen Zusammenhang nachweist. Vorherige Studien kamen noch zu teils widersprüchlichen Ergebnissen, was laut den Wissenschaftlern daran lag, dass alte Modelle das Nikotin zu langsam abgegeben haben.

Eine abschließende Bewertung zu den Gesundheitsrisiken macht das Team um Hajek nicht. Ergebnisse anderer Studien zeigen aber in Kombination mit der durch E-Zigaretten vereinfachten Rauchentwöhnung, dass die elektronischen Zigaretten sehr wahrscheinlich vielen Rauchern den Umstieg zu einer weniger schädlichen Alternative ermöglichen können.

Fazit und Schlussbemerkung

Laut der aktuellen Studienlage haben E-Zigaretten deutlich geringere Gesundheitsrisiken als die herkömmliche Alternative aus Tabak, können aber keinesfalls als risikolos für die Gesundheit bezeichnet werden.

Einige Versicherungsexperten prognostizieren trotzdem auch für den deutschen Markt in den kommenden Jahren spezielle Tarife für Risikolebensversicherungen, die sich zwischen normalen Rauchern und Nichtrauchern einordnen werden, wenn die Nachfrage nach entsprechenden Produkten durch die zunehmende Anzahl an Dampfern weiter steigt.

 

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